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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 21:41 Uhr

Windkraft : Windräder vor Rostocks Haustür?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Land will beiderseitig der Hafenzufahrt marine Vorranggebiete ausweisen. Die Stadtverwaltung wehrt sich massiv gegen das Vorhaben

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Verstöße gegen Sicherheitsabstände, Umwege für Schiffe, Nachteile für Tourismus und Wirtschaft – Rostock läuft Sturm gegen zwei marine Vorranggebiete für den Bau von Windrädern direkt vor seiner Haustür. Diese sind in der Fortschreibung des Landesraumentwicklungsprogramms MV (LEP) beiderseitig der Einfahrt in den Seehafen ausgewiesen.

In dem Entwurf des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung heißt es: „Das Küstenmeer der südlichen Ostsee bietet sich wegen seiner hervorragenden Windressourcen zur Offshore-Windnutzung an.“ Demnach sollen „zahlreiche Anlagen der Großserie für einen maximalen Flächenertrag“ sorgen. Um den Belangen der Tourismuswirtschaft gerecht zu werden, sei ein pauschaler Sechs-Kilometer-Abstand von Windenergieanlagen zur Küste festgelegt worden.

Zu wenig, sagt die Rostocker Verwaltung in ihrer Stellungnahme zu den Plänen. Vom Strand aus sichtbare Windmühlen schadeten der Attraktivität und damit dem Tourismus – mit fast 500 Millionen Euro Bruttoumsatz jährlich und mehr als 14 000 direkt und indirekt Beschäftigten ein Rückgrat der Rostocker Wirtschaft.

Die Verwaltung fordert die Rückkehr zum bisherigen Leitsatz, dass der freie Blick auf das Meer und den unverbauten Horizont weitgehend als Landschaftserlebnis erhalten bleiben soll. Und sie führt weitere gewichtige Argumente gegen die marinen Vorranggebiete an.

Beide Zonen behinderten den Schiffsverkehr und lägen zu nah an der Kadettrinne. Die entsprechende Bundesrichtlinie schreibe einen Mindestabstand der Windkraftanlagen von zwei Seemeilen plus 500 Metern Sicherheitszone vor. „Diese Vorgabe wird nicht eingehalten“, stellt die Stadtverwaltung fest. Für vergleichbare Wasserstraßen in der Nordsee, die von Tankern befahren werden, habe die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sogar sechs Seemeilen plus 500 Meter Abstand festgesetzt. „Die Kadettrinne ist als einziger Tankerweg zwischen westlicher und zentraler Ostsee ausgewiesen“, so die Verwaltung.

Sie werde von russischen Tankern genutzt, die Zunahme von Tonnage und Fahrten sei wahrscheinlich. „Je nach Kollisionsverlauf und Ladegut wären im Falle eines Zusammenstoßes katastrophale Auswirkungen für Mensch (Untergang eines Passagierschiffes) und Umwelt (insbesondere im Falle eines Tankerunglücks) nicht auszuschließen“, so die Verwaltung. Die Massengutfrachter, die auch vor dem Hintergrund der angestrebten Seekanal-Vertiefung in Rostock erwartet werden, bräuchten zudem Reede-Plätze. Genau die aber würden durch das westliche Vorranggebiet beschnitten. Im Osten verhindere das Vorranggebiet die Einrichtung einer südlichen Küstenverkehrszone, durch die die Kadettrinne entlastet und das Unfallrisiko verringert werden könnte.

Zudem hätte der Bau von Windkraftanlagen für Fähren und andere Schiffe große Umwege zur Folge. Großveranstaltungen wie die Hanse Sail und die Warnemünder Woche wären gefährdet, das Segelrevier eingeschränkt. Das westliche Vorrangebiet sei daher komplett zu streichen, das östliche mindestens einzuschränken, so die Verwaltung. Ihre Position muss von der Bürgerschaft noch bestätigt werden. Wann diese über die Stellungnahme abstimmt, steht noch nicht fest.

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