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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

flüchtlinge : Willkommenskultur auf Hanseatisch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Schwimmkurs für geflüchtete Kinder / Pädagoginnen verhelfen zu einem Stück Alltag und zum Ankommen

Wenn geflüchtete Kinder in Rostock ankommen, dann ist eines ganz wichtig: Alltag, sich zurecht- und damit auch ein bisschen über das Erlebte hinweg finden. In Rostock gehört zum Alltag auch das Meer und für viele kleine Hanseaten das Schwimmen. Die Diplom-Pädagoginnen Claudia Lübcke (38) und Jüte Sigeneger (35) haben den ersten hiesigen Schwimmkurs für geflüchtete Kinder ins Leben gerufen. „Es gibt unglaublich viele Kinder, die hierher kommen und nicht schwimmen können“, sagt Jüte Sigeneger. Das lernen Kinder zwar in der Schule, aber regulär in der dritten Klasse. Danach nicht mehr.

Die 13-jährige Schischi aus Afghanistan spricht nach fünf Jahren in Rostock fließend Deutsch, schwimmen kann sie aber noch nicht. „Ich wollte das schon immer lernen“, sagt sie. Bisher hatte sie keine Gelegenheit, genau wie die acht anderen Neun- bis 18-Jährigen, mit denen sie es lernt.

„Solche Kurse sind normalerweise auch teuer“, sagt Julia Pochzosz. Die 21-Jährige studiert auf Lehramt und ist ausgebildete Rettungsschwimmerin. Sie folgte dem Aufruf der beiden Pädagoginnen, dass ehrenamtliche Schwimmtrainer und Helfer gesucht werden. Über soziale Netzwerke und E-Mail-Verteiler verbreitete der sich wie ein kleines Lauffeuer. „Ich dachte ,Warum nicht?’ – Ich habe Zeit, ich kann es und ich kann es ihnen beibringen.“ Ihr Kollege für den Kurs ist der 19-jährige Erzieher in der Ausbildung und Rettungsschwimmer Niklas Stübe. Die beiden haben Unterstützung von drei Co-Trainern.

Am Montag hat der Kurs im Flussbad begonnen, wochentags von 9 bis 11 Uhr trainiert die Truppe dort kostenfrei – ein Geschenk des Vereins Lederhexen, der das Bad betreibt. Nach zwei Wochen sollen Schischi und Co fit im Schwimmen sein. „Anhocken, strecken, schließen“ – das Mantra sitzt bei Schischi. Angst haben sie und die anderen nicht vorm Wasser. Das hatten die Pädagoginnen fast befürchtet aufgrund der Erfahrungen vieler bei der Flucht. Doch im Gegenteil: „Es macht Spaß, ich lerne das gern“, sagt die 12-jährige Roksana. Auch nach einer Stunde im Wasser und bei nur 16 Grad Celsius Außentemperatur lächelt das syrische Mädchen über das ganze Gesicht. Deutsch klappt noch nicht so gut, Englisch besser. „Für den Kurs ist das kein Problem“, sagt Jüte Sigeneger. Die Verständigung funktioniert, auch wenn Herkunftsländer so verschieden sind wie der Aufenthaltsstatus der Kinder. Die Idee zum Schwimmprojekt kam den beiden Organisatorinnen beim Vernetzungstreffen „Raum:geben – Geflüchtete in Rostock willkommen heißen“.

„Uns geht es um die Orientierung im Sozialraum und die Erschließung von Freizeiträumen“, sagt Sigeneger. Die Kinder sollen sich so auch besser zurechtfinden, wissen, wo sie ihre Freizeit verbringen können, andere kennenlernen, erklärt ihre Kollegin. Und das kommt an. Dank vieler privater Spender und sogar einer Großspenderin aus dem Profischwimmbereich können die Helfer eine Aufwandsentschädigung bekommen, ist etwas Verpflegung drin und die Fahrtkosten. Der nächste Kurs ist in Planung.


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