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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. Oktober 2017 | 21:42 Uhr

Wildschweine verwüsten Zelte

vom

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2010 | 08:47 Uhr

Markgrafenheide | Die Wildschweine sind wieder aktiv. Obwohl im vergangenen Jahr im Gebiet Markgrafenheide 34 Tiere abgeschossen worden sind, nähern sich Schwarzkittel auf der immer währenden Suche nach Fressbaren weiterhin anscheinend ganz hemmungslos den Menschen. Sie wühlen jede Nacht mitten in der Albin-Köbis-Straße die von Kleingärtnern gepflegten Grünflächen um. Bei der gestrigen Sitzung des Ortsbeirates informierte dessen Vorsitzender Jürgen Dudek darüber, dass es bereits Gespräche mit dem Stadtforstamt gegeben hat, das seinerseits Hilfe zugesagt habe.

Peter Reinhardt, Revierförster in Hinrichshagen, hat vom Stadtamt die Erlaubnis erhalten, innerhalb befriedeter Gebiete auf die dreisten Schwarzkittel zu schießen. Allerdings darf Reinhardt, der eine entsprechende Ausbildung und eine Prüfung abgelegt hat, nicht einfach mal so im Heideort oder im Stadtwald mit seinem Jagdgewehr herumballern. "Sicherheit ist oberstes Gebot. Da gilt es im Zweifelsfall, lieber ein Schwein laufen zu lassen, bevor ein riskanter Schuss abgefeuert wird", versichert der Revierförster. Deshalb schaut er jetzt zunächst einmal in seinem Kalender nach. Am 23. September ist Vollmond und damit gute Sicht. Am nächsten Donnerstag also soll es während einer Spätschicht den Schwarzkitteln an den Kragen gehen. "Ich werde mich in den nächsten Nächten schon einmal umgucken, erkunden, um welche Uhrzeit die Tiere von woher kommen. Dann wird es wohl möglich sein, sie außerhalb des Ortes vor die Flinte zu bekommen, dort, wo die Spülfelder oder Dünen einen Kugelfang bilden", sagt Reinhardt, der bei den Wildschweinen von einem 150-prozentigen Zuwachs pro Jahr ausgeht. In Jahren, in denen besonders viele Eicheln und Bucheckern als Delikatessen bereit stehen, erhöht sich die Prozentzahl sogar auf bis zu 180. "Für besonderes Wohlbefinden sorgen einige Menschen, die weitere Leckerlis bereithalten. Solche Futterstellen merken sich die schlauen Tiere ganz genau", sagt Reinhardt.

Das bestätigt Oliver Behrens, der Inhaber des nur wenige Kilometer entfernten Ostseecamps in Graal-Müritz. "Die Schwarzkittel sind nachts ganz ungeniert in einige Zelte hinein und schnüffelten nach Futter, obwohl dort Menschen schliefen. Andere Zelte haben sie hemmungslos komplett zerstört. Das war Aufregung pur", sagt Behrens. Die cleveren Tiere stellten sich sogar auf die Hinterpfoten, um an Lebensmittel zu gelangen, die in einem an einem Baum befestigten Beutel hingen. "Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt ist es hier seit ein paar Tagen wieder ruhig geworden", sagt Behrens erleichtert.

Etwa 500 Wildschweine, so schätzt Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth, leben im gesamten Rostocker Heidewald. Im Vergleich werden allein mitten in der Hauptstadt Berlin jährlich 400 Schwarzkittel abgeschossen. "Obwohl wir die Tiere das ganze Jahr bejagen können - ausgenommen sind Sauen und Frischlinge - vermehren sie sich rasch. Das zeigt ganz klar, dass die Vierbeiner sehr schlau sind und wissen, wo es gutes Futter und leichte Beute für sie gibt", sagt Harmuth.

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