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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 15:16 Uhr

Jagd : Wildfleisch statt Ente oder Gans

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Reh, Hirsch und Co. haben zu Weihnachten Hochkonjunktur. Im vergangenen Jahr 6300 Schweine im Landkreis Rostock erlegt

Bei den Wildverarbeitern im Land herrscht vor Weihnachten Hochsaison. Statt Ente oder Gans kommt in vielen Haushalten an den Festtagen Wildbraten auf den Tisch. Am häufigsten ist das nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes Wildschwein. Gut die Hälfte der 24 400 Tonnen heimischen Wildbrets, die bundesweit im Jagdjahr 2014/15 verspeist wurde, kam vom Schwein, der Rest von Reh, Rothirsch oder Damhirsch. Bis zum Jahreswechsel sorgen die Jäger mit ihren traditionellen Gesellschaftsjagden fortlaufend für Nachschub.

„Wir können nicht genug Wild bekommen. Je mehr, umso besser“, heißt es bei der Firma Jenß Wildhandel in Ribnitz-Damgarten. Mit gekonnten Handgriffen schneiden Mitarbeiter Rücken und Keulen von Rehen als Edelteile heraus. Anderes Fleisch wird zu Gulasch aufbereitet, der Rest geht in die Wurst. „Immer mehr Menschen wollen einen Wildweihnachtsbraten“, hat Firmengründer Hellmuth Jenß beobachtet, der selbst begeisterter Waidmann ist. Einst war er Pflanzenbauchef einer großen Genossenschaft, 1990 sattelte er auf Wild um und baute eine Produktionshalle für Zerlegung, Wurstproduktion und Verkauf. 35 Menschen sind in dem Unternehmen beschäftigt. In diesem Jahr hat der 68-Jährige das florierende Unternehmen seiner Tochter Anke übergeben.

Wie Anke Jenß und ihr Lebenspartner und Produktionschef Maik Hasse berichten, funktioniert Wildhandel aus regionalem Aufkommen nur im Herbst. Nach Weihnachten reißt der Absatz abrupt ab. „Von Januar bis Oktober konzentrieren wir uns inzwischen auf die Wildaufbereitung von Importen aus Australien, Neuseeland und den USA“, sagt Hasse.

Abnehmer von Känguru- und Straußenfleisch sind neben Gastronomen vor allem Discounter. Insgesamt werden in Ribnitz-Damgarten übers Jahr rund 800 Tonnen Wild aufbereitet.

Wie Kreisjägermeister Heinz Stegemann berichtet, sind im zurückliegenden Jagdjahr im Landkreis Rostock 6300 Wildschweine erlegt worden. „In diesem Jahr sollten es angesichts der ständig steigenden Population noch ein paar mehr werden“, sagt er. Aufgrund eines reichhaltigen Futterangebots an Eicheln und Bucheckern, aber auch an Feldfrüchten – vor allem Mais – haben sich die Schwarzkittel in den vergangenen Jahren ständig vermehrt.

Landesweit brachten die rund 10 000 Jäger im Jagdjahr 2014/15 fast 55 500 Wildschweine zur Strecke – deutlich mehr als im Jahr zuvor mit rund 47 700 Tieren, aber 20 000 weniger als im bisherigen Rekordjahr 2008/09.

„Wir tun alles, um die Schwarzwildbestände weiter zu reduzieren“, sagt Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband in Damm bei Parchim. Das Schwarzwild richtet nicht nur auf den Äckern Schaden an, sondern breitet sich mancherorts schon in den Siedlungen aus. Tierhalter befürchten bei zu hohen Beständen zudem Ausbrüche von Krankheiten wie der Schweinepest, die auch auf Hausschweinbestände übergreifen können.

Frisch erlegtes Wild wird in Mecklenburg-Vorpommern auch das ganze Jahr über in den einzelnen Forstämtern angeboten. Die Preise bewegen sich zwischen 3 Euro je Kilogramm Wildschwein und 4,50 Euro pro Kilogramm Reh. Während Wildschweine ganzjährig bejagt werden, beginnt die Jagdsaison auf Reh und Hirsch im Sommer und endet am 10. Januar.

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