Erinnerungstreffen : Wiedersehen der Apotheker

Auch am Tisch der Detharding-Apotheke herrschte tolle Stimmung: Sylvia Hänsel, Anke Götze, Marlies Köhler, Renate Malohn, Angela Gräff, Ilona Rabbel, Rotraut Fritze, Brigitte Haak, Dr. Sigrid Träbel, stehend der ehemalige Kreisapotheker Dr. Hans Feldmeier und seine Tochter Siglinde Lindauer, jetzige Leiterin dieser Apotheke. Die beiden haben das Treffen organisiert.
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Auch am Tisch der Detharding-Apotheke herrschte tolle Stimmung: Sylvia Hänsel, Anke Götze, Marlies Köhler, Renate Malohn, Angela Gräff, Ilona Rabbel, Rotraut Fritze, Brigitte Haak, Dr. Sigrid Träbel, stehend der ehemalige Kreisapotheker Dr. Hans Feldmeier und seine Tochter Siglinde Lindauer, jetzige Leiterin dieser Apotheke. Die beiden haben das Treffen organisiert.

140 ehemalige Mitarbeiter des Pharmazeutischen Zentrums kamen zusammen

svz.de von
31. März 2014, 12:00 Uhr

Viele Fotoalben mit Schwarz-Weiß-Fotografien, Brigade-Tagebücher und Anekdoten kursierten am Sonnabend im Restaurant Wenzel – Prager Bierstuben. Kerstin Penz hatte sogar ihre akribisch geführte Ausbildungsmappe mit. Im Lokal waren 140 ehemalige Mitarbeiter des Pharmazeutischen Zentrums der Einladung von Detharding-Apotheken-Chefin Siglinde Lindauer und ihrem Vater Dr. Hans Feldmeier gefolgt. Bei der 52. Apothekerversammlung im Dezember – einst Tag des Gesundheitswesens – war die Idee dafür geboren. Das Treffen stand unter dem Motto „25 Jahre Pharmazeutisches Zentrum ade“. Den weitesten Weg hatte Jutta Oetken, früher aus der Adler-Apotheke, zurückgelegt. Sie war 1985 ausgereist und lebt jetzt in der Schweiz. Immer zum Geburtstag erhält sie einen Anruf ihrer ehemaligen Chefin Inge Splett, die ihr auch vom Treffen in Warnemünde erzählt hat.

„Auf alle Fälle wäre das heute kein Wetter zum Herstellen für Fieberzäpfchen gewesen“, sagt Pharmazie-Ingenieurin Angela Gräff lachend. Dazu wäre es Sonnabend zu heiß gewesen. Fieberzäpfchen gehörten zu den Produkten, die die Detharding-Apotheke für die eigenen Patienten und andere Apotheken herstellte.

Der damalige Kreisapotheker Dr. Hans Feldmeier erzählte unter Beifall und Gelächter, wie es zu Zeiten der DDR-Mangelwirtschaft doch gelungen war, „aus dem Mist, den wir manchmal bekommen haben, doch noch Sahne zu machen.“ Der als Pharmazie-Historiker wirkende 89-Jährige verblüffte alle mit seiner geistigen und physischen Frische. In einer Broschüre, die alle bekamen, berichtete er vom Improvisieren bei der Beschaffungspolitik. Dabei gab es Kurioses: „Ich bezog den roten Lebensmittelfarbstoff für einen nachgebrauten Hustensaft von der Rostocker Marmeladenfabrik. Und vom Fleischereigroßhandel wurden Schaschlikspieße als Watteträger organisert.“

Feldmeier ist ein Meister der Rhetorik. „Ich kann nicht verhehlen, dass ich mir in manchen Vorträgen und Publikationen jeden Satz genau überlegte und mich kitzlige Formulierungen reizten“, sagt er. „Die DDR taumelte ja von Erfolg zu Erfolg bis zum größten im November 1989 - es waren abrechenbare Leistungen gefragt, wenn es mit der Ideologie nicht so stimmte“, erinnert er sich. „Als tolle Gleitschiene der Anerkennung erwiesen sich die Messen der Messer von Morgen, kurz MMM, die mit dem heutigen ,Jugend forscht’ vergleichbar sind“, erzählt er. Unter den Gästen war auch Dr. Sigrid Träbel. Sie leitete die Detharding-Apotheke von 1963 bis 1989. „Ich finde das Treffen eine schöne Idee“, sagt sie. Die Ehemaligen von der Detharding-Apotheke sehen sich einmal im Jahr. Und im Rückblick schätzt Sigrid Träbel es ein wie viele: „Ich hatte ein schönes Berufsleben.“

Alle Teilnehmer erhielten eine Münze. Mit dieser ist eine abenteuerliche Geschichte verbunden: 1980 wurde angestrebt, eine Gedenkmünze herzustellen, auch als Gastgeschenk für Delegationen. Es war eine lange Prozedur. Als alles ins Stocken kam, wurde der Minister für Gesundheit eingeschaltet. Erst 1982 war die Münze abholbereit, die die Rats-Apotheke als älteste und die Detharding-Apotheke als Neubau zeigt. Ob und wann es so ein Treffen noch mal gibt, ist offen. Fest steht nur, dass es eine tolle Idee war.

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