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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. August 2017 | 09:34 Uhr

Wirtschaft : Wie viele Möbel braucht Rostock?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Möbel Kraft will in Schutow bauen / Rathaus liegt Branchenkonzept vor

Bekommt Rostock noch ein weiteres Möbelhaus? Der Stadt liegt eine Anfrage von Kurt Krieger für den Standort Schutow vor. Dort will der Besitzer des Möbel-Giganten Höffner, zu dem auch die Sconto-Märkte gehören, ein neues Möbel-Kraft-Haus bauen. Kraft mit Stammsitz in Bad Segeberg und sieben Niederlassungen in sechs Bundesländern ist seit 2004 Teil der Höffner-Gruppe, die selbst einen Höffner- und einen Sconto-Standort in Bentwisch unterhält. „Wir bearbeiten die Anfrage, das ist aber alles noch im Fluss“, sagt Susanne Schimke von der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business.

Weitere Interessenten für eine Ansiedlung gebe es derzeit nicht. Auch nicht am Werftdreieck, wo Kurt Krieger Flächen aufgekauft haben soll. Um für die Zukunft dennoch generell eine bessere Planungsgrundlage zu schaffen, hat die Stadt die Krieger-Anfrage zum Anlass genommen, ein Branchenkonzept Möbel in Auftrag zu geben. Dieses liegt nun vor und berücksichtigt auch die Standorte im Rostocker Umland. Ergebnis: Der Markt ist weitgehend gesättigt. „Die Neuansiedlung eines Wohnkaufhauses wird daher nicht verdrängungsfrei möglich sein“, heißt es in dem Branchenkonzept, das von der Firma Stadt + Handel aus Leipzig erarbeitet wurde. Als Hauptverlierer in einem solchen Fall haben die Gutachter ausgerechnet die Höffner-Niederlassung in Bentwisch ausgemacht.

Das hänge allerdings von der konkreten Ausrichtung eines zusätzlichen Wohnkaufhauses ab. Die Experten gehen bei einer Neueröffnung von einer marktgerechten Mindestgröße von 30 000 bis 40 000 Quadratmetern Gesamtverkaufsfläche aus, Möbel Kraft plant mit 40 000 Quadratmetern. Die reine Verkaufsfläche für das Möbel-Sortiment betrage üblicherweise rund 24 000 bis 32 000 Quadratmeter. Das ist deutlich mehr als das verträgliche Potenzial, über das Rostock in diesem Segment laut Analyse noch verfügt: zwischen 4000 und 16 100 Quadratmeter.

In Bezug auf den Höffner-Markt in Bentwisch heißt es in dem Branchenkonzept: „Grundsätzlich wäre eine Marktaufgabe aufgrund der Lage des Standortes aus städtebaulicher und raumordnerischer Sicht als wenig problematisch zu erachten.“ Im Klartext: Eine Schwächung des Umlands als Wirtschaftsstandort zugunsten einer Konzentration des Möbelmarkts in Rostock sei hinnehmbar. Aktuell befindet sich nur gut die Hälfte der Verkaufsfläche in der Hansestadt selbst, die anderen 50 Prozent sind vor allem in Bentwisch und Sievershagen angesiedelt. Um das zu ändern, sei Schutow der Vorzugsstandort für ein neues Wohnkaufhaus. Gorsdorf und Brinckmansdorf, die im Einzelhandelsentwicklungskonzept der Stadt als Alternativen ausgewiesen sind, seien im Vergleich schlechter geeignet.

Im Gegensatz zum Marktsegment Wohnkaufhäuser gebe es im Bereich Möbeldiscounter beziehungsweise Mitnahmemärkte überhaupt keinen Spielraum für neue Standorte. „Eine mögliche Verlagerung bereits bestehender Märkte ist mit einer Rücknahme des bestehenden Baurechts am Alt-Standort zu verknüpfen“, heißt es im Branchenkonzept. Das sei aber häufig ein langwieriger juristischer Prozess.

Massive Kritik an einer möglichen Kraft-Ansiedlung kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Deren Vollversammlung hat das Vorhaben ohne Gegenstimme abgelehnt, nachdem der Handelsausschuss eineinhalb Jahre mit an dem Branchenkonzept gearbeitet hatte . Nicht nur der konkrete Investor Kurt Krieger sei problematisch, sagt IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen, selbst Inhaber des Wikinger-Möbelmarkts: „Mit Höffner, Skonto und Kraft gäbe es fast eine Möbelmonokultur in Rostock, für den Verbraucher ist da kein Vorteil erkennbar.“ Auch die Innenstadt werde weiter geschädigt.

Immerhin wolle Kraft auf 8000 Quadratmetern Sortiment anbieten, das in Konkurrenz zur Innenstadt mit gerade einmal 62 000 Quadratmetern Verkaufsfläche steht. „Wir lehnen generell großflächigen Einzelhandel ab, der die Innenstadt gefährdet“, sagt Claus Ruhe Madsen. Denn eine Zersiedelung mache die Stadt als Ganzes kaputt und sei ein Fehler der 1990er-Jahre.

 

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erstellt am 08.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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