Wie viel Trubel verträgt das Kloster?

Grüner Garten oder Veranstaltungsplatz? Die geplante Sanierung des Klostergartens spaltet die Gemüter. Foto: Georg Scharnweber
Grüner Garten oder Veranstaltungsplatz? Die geplante Sanierung des Klostergartens spaltet die Gemüter. Foto: Georg Scharnweber

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18. Mai 2012, 09:22 Uhr

Stadtmitte | Vertragen sich die Besuchermagnete Sommertheater und Weihnachtsmarkt mit der geplanten Sanierung des historischen Klostergartens? Der Rostocker Landschaftsarchitekt Thomas Henschel hat das jetzt im Auftrag der Stadt untersucht und drei mögliche Varianten vorgelegt. Die Meinungen dazu gehen allerdings weit auseinander: Denkmalpflege- und Grünamt wollen den historischen Charakter erhalten, während Veranstalter die Fläche für Markt und Theater nutzen wollen. Und auch die Anlieger sind sich uneins.

Als deutlichste Gegnerin einer Veranstaltungsfläche zwischen Stadtmauer und Klostergebäude präsentierte sich Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz bei der Vorstellung der Varianten im Ortsbeirat. "Der Garten ist ein integraler Bestandteil des Klosters zum Heiligen Kreuz. Die Anlage ist 750 Jahre alt", sagt sie. Mit neuen Versiegelungen, etwa durch Rasenpflastersteine für einen Veranstaltungsplatz, habe sie "große Bauchschmerzen". Deshalb kommt für sie nur die komplett grüne Variante infrage, bei der alle Bestandteile des historischen Ensembles wie Klosterhof, Stiftsdamengärten und Dominagarten wieder herausgearbeitet werden.

Doch sowohl die Compagnie de Comédie mit ihrem Freilufttheater als auch der Großmarkt mit dem historischen Weihnachtsmarkt wollen die Flächen weiterhin nutzen. "Mehrere Ausweichvarianten wurden geprüft. Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative zum Klostergarten", sagt Großmarkt-Geschäftsführer Jörg Vogt. Er befürwortet die Sanierungsvarianten, bei denen ein Veranstaltungsplatz im östlichen oder westlichen Teil entstehen könnte.

Im Ostteil befindet sich zurzeit der Spielplatz, der bestehen bleiben könnte. Im Westteil hat seit Jahren das Freilufttheater seinen Platz - und will ihn auch behalten. Leiterin Martina Witte sagt: "Spielplatz und Theater verleihen dem Ort Lebendigkeit." Immerhin würden 80 Vorstellungen in drei Monaten eine Menge Rostocker und Besucher in den geschichtsträchtigen Garten locken. Auf Versiegelungen könnte die Theatertruppe aus ihrer Sicht auch verzichten.

Ganz ohne bauliche Anpassungen seien Theater oder Markt allerdings nicht zu integrieren, warnt der Leiter des Grünamts, Dr. Stefan Neubauer. "Wir müssen wegkommen von den Provisorien und endlich eine dauerhafte Lösung schaffen", sagt er. Wobei eine Sanierung inklusive Veranstaltungsfläche aus seiner Sicht auch nur die zweitbeste Lösung ist. Wie auch das Denkmalpflegeamt sieht er eine komplette Wiederherstellung der Gärten als ideal an.

Der gleichen Meinung sind auch zwei Anlieger: Die Galerie Klosterformat und das Kempowski-Archiv wollen den Klostergarten vor allem als Ort der Ruhe erhalten. Andere Nachbarn, wie die Klostergoldschmiede freuen sich während des Weihnachtsmarkts und Sommertheaters über zusätzliche Kundenströme. Als größter Anlieger legt das Kulturhistorische Museum vor allem Wert auf eines: Qualität. "Nach der aufwändigen Sanierung des Klostergebäudes sollten auch die Materialien und der Zustand der Außenanlagen angemessen sein", sagt Dr. Steffen Stuth, Leiter des Museums, das das Kloster seit den 1980er-Jahren nutzt. Dann sei er auch offen für moderne Nutzungen des Gartenteils.

Ob sich die - zumindest im westlichen Teil des Gartens - integrieren lassen, soll nun noch einmal am runden Tisch mit allen Beteiligten beraten werden. Das legte der Ortsbeirat fest. Dessen Vorsitzender, Werner Simowitsch (Linke), ist optimistisch: "Ich halte einen Kompromiss noch für möglich."

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