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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 08:27 Uhr

Brandschutz : Wie sicher sind Rostocks Hochhäuser?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach der Katastrophe in London debattieren viele Städte Sicherheitsvorgaben. Hiesiges Bauamt schließt erneute Überprüfung der Gebäude aus.

von
erstellt am 04.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Andere Städte wie Bielefeld, Münster oder Recklinghausen haben bereits auf die Brandkatastrophe von London mit 79 Toten und die Evakuierung eines Hochhauses in Wuppertal reagiert. Sie überprüfen jetzt erneut die Sicherheit der Hochhäuser in ihren Einzugsgebieten. Rostock lehnt das ab. Das städtische Bauamt verweist stattdessen auf die in Mecklenburg-Vorpommern gültige Richtlinie über den Bau und Betrieb von Hochhäusern. „Danach müssen Dämmschichten aus nicht brennbaren Baustoffen bestehen“, heißt es aus dem Amt. In London hatte die Fassade als Brandbeschleuniger gewirkt und so die Überlebenschance der Bewohner stark verringert.

„Die Situation in Rostock ist nicht vergleichbar mit den Fällen in London und in Wuppertal“, erklärt die Verwaltung. Das Bauamt überprüfe sowohl im Genehmigungsverfahren als auch während der Bauarbeiten selbst die Einhaltung des Verbots brennbarer Stoffe. Und auch die Nachrüstung von Außenwandverkleidungen und Wärmedämmungen sei genehmigungspflichtig. Eine Überprüfung des Bestands sieht die Landesbauordnung allerdings nicht vor. Für die Einhaltung der Vorschriften trage der Eigentümer die Verantwortung.

Um dennoch für den Ernstfall gerüstet zu sein, nimmt das Brandschutz- und Rettungsamt unter anderem bei den Hochhäusern alle drei Jahre eine Brandverhütungsschau vor. Dabei werden Missstände behoben, die ein Feuer und dessen Ausbreitung begünstigen. Tritt der Katastrophenfall trotzdem ein, rücken Kräfte aus allen drei Rostocker Wachen gleichzeitig aus, darunter auch die Höhenrettungsgruppe. „Für Paralleleinsätze bleibt lediglich eine der drei Drehleitern zunächst im Standort“, erklärt das Amt. Hauptproblem bei solchen Einsätzen sei, Retter, Wasserschläuche und Material in die Höhe zu schaffen. Gesonderte Feuerwehrfahrstühle wie im höchsten Haus der Stadt, dem 24 Stockwerke umfassenden Tower in der August-Bebel-Straße, seien nicht in allen Gebäuden vorhanden. Deswegen muss die Ausrüstung häufig per Hand geschleppt werden. „Um schnell Zugriff zu haben, wird in der Regel zwei Geschosse unterhalb der Brandstelle ein Gerätedepot eingerichtet“, erklärt das Amt seine Strategie. Dort könnten sich auch die Feuerwehrleute kurzzeitig ausruhen.

Bewohnern raten die Experten vom Brandschutzamt, im Ernstfall die Wohnung nur dann zu verlassen, wenn die Rettungswege frei und nicht verqualmt sind. Andernfalls drohe ihnen eine Rauchvergiftung und sie könnten den Notausgang nicht finden. „Daher sollte man in diesen Fällen eher in der Wohnung verbleiben“, so das Amt. Von dort würden die Bewohner dann mithilfe von Fluchthauben in Sicherheit gebracht.

 

Kommentar "Ein Defizit bleibt" von Torben Hinz

Rostocks Hochhausbewohner können weitgehend beruhigt schlafen: Brandschutz in der Hansestadt funktioniert. Zwar stehen immer mal wieder einzelne Wohnungen oder Altpapierkästen in Flammen. Einen Übergriff auf das gesamte Gebäude konnte die Feuerwehr bisher aber stets verhindern – auch dank der Bauvorschriften und deren Kontrolle durch die Ämter. Falsche Rückschlüsse dürfen deswegen allerdings nicht gezogen werden. So bleibt die fehlende Wache im Nordosten ein brandgefährliches Sicherheitsdefizit, das schnellstmöglich zu beheben ist. Gerade bei der Bekämpfung eines Feuers zählt jede Minute. Die Rechnung ist einfach: Je schneller die Einsatzkräfte vor Ort sind, desto eher haben sie die Flammen unter Kontrolle und können Menschenleben retten. Ein kurzer Anfahrtsweg ist dafür mitentscheidend.

 

 

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