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22. November 2017 | 23:28 Uhr

Wertvolle Altarteile wiederentdeckt

vom

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2013 | 10:06 Uhr

Stadtmitte | Nach 182 Jahren ist das bedeutendste mittelalterliche Kunstwerk Rostocks erstmals wieder in seiner ursprünglichen Dimension zu bestaunen: der Hochaltar der Dominikanerklosterkirche St. Johannis samt neu entdeckten Teilen. Im historischen Refektorium des Klosters zum Heiligen Kreuz öffnet heute um 18 Uhr die neue Dauerausstellung "Sakrale Kunst".

In den vergangenen zwei Jahren wurde das Refektorium aufwändig restauriert, damit dort ab sofort die Bestände mittelalterlicher Kunst aus Rostocker Kirchen und Klöstern einen festen Platz finden können. Im Mittelalter diente das Refektorium als Speisesaal, später wurde es zu Wohnungen umgebaut. "Es ist heute unser schönster Ausstellungsraum", sagt der Leiter des Kulturhistorischen Museums, Dr. Steffen Stuth. Viel Arbeit hat vor allem die Deckenrestauration bereitet.

40 Prozent sind noch erhalten

Insgesamt mussten 150 laufende Meter Risse aufgefüllt werden. Zudem wurden bis zu neun Millimeter dicke Farbschichten entfernt, um die ursprüngliche Bemalung wieder freizulegen. Heute sind teilweise die originalen Deckenbemalungen aus dem 15. Jahrhundert zu sehen - florale Malereien, die unter anderem Hopfen und Weinlaub zeigen. Die Deckenrestauration hat allein rund 150 000 Euro gekostet. Wie Stuth erklärt, stammt das Geld zu gleichen Teilen von der Stadt und dem Land.

So eindrucksvoll der frisch restaurierte Raum auch ist, es sind vor allem die etwa 60 Ausstellungsstücke, die die Besucher zum Staunen bringen und Rostocks Geschichte wieder aufleben lassen. Im Zentrum steht der Hochaltar der Dominikanerklosterkirche St. Johannis. Er ist um 1440 entstanden und wurde zum Prototyp aller in Rostock entstandenen Altäre. Heute sind noch etwa 40 Prozent des wertvollen Kunstobjektes erhalten und nun auch zu sehen. Von besonderer Bedeutung sind dabei zwei wiederentdeckte Teile des Altars, die die Humboldt-Universität zu Berlin dem Kulturhistorischen Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat. "Eine Wissenschaftlerin konnte in ihrer Promotionsarbeit die beiden Innenseiten des rechten Außenflügels wieder richtig zuordnen", so Stuth. Sie zeigen die Szenen "Johannes und der Schlangenkelch" und "Johannes auf Patmos". Wie der Altar im Mittelalter vollständig ausgesehen hat, das zeigt eine digitale Animation, die per Touch-Screen zu bedienen ist. "Das ist eine Sonderanfertigung und in dieser Form einmalig", sagt Stuth. In der Vergangenheit war diese bereits im Kapitelsaal des Museums im Probebetrieb, wo der Hochaltar bis zuletzt in unvollständiger Konzeption zu sehen war.

Eines von Stuths Lieblingsstücken in der Dauerausstellung ist der Thronende Gottvater von einem Gnadenstuhl. Die Plastik stammt aus dem 15. Jahrhundert und zählt zu den letzten noch erhaltenen Stücken aus der Rostocker Hospitalkirche zum Heiligen Geist. Zudem wird eines der ältesten und bedeutendsten Triumphkreuze von MV aus dem 13. Jahrhundert gezeigt.

Kapitelsaal wird jetzt renoviert

Die neue Dauerausstellung zeigt insgesamt eindrucksvoll, welche Rolle die Hansestadt Rostock in der Kunst bereits im Mittelalter gespielt hat. "Die Ausstellung strahlt über Rostock hinaus", sagt Stuth. Landesweit und sogar international seien die gezeigten Stücke von großer Bedeutung. Der mittlerweile frei gewordene Kapitelsaal, in dem bis zuletzt viele Ausstellungsstücke lagerten, wird in den kommenden sechs Wochen renoviert. Er dient künftig als Veranstaltungsraum.

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