Beratungsangebot in Rostock : Wenn Sprache zum Problem wird

Helfen bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner: Nicole Schmidt (l.) und Susanne Thies bieten einmal monatlich eine Beratung für Sprachauffälligkeiten an.
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Helfen bei der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner: Nicole Schmidt (l.) und Susanne Thies bieten einmal monatlich eine Beratung für Sprachauffälligkeiten an.

Monatliches Beratungsangebot im Förderzentrum am Alten Markt richtet sich vor allem an Eltern, deren Kinder Auffälligkeiten zeigen

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01. März 2016, 12:00 Uhr

Die Zahlen sind alarmierend: 25 Prozent der Kinder in MV, die eingeschult werden, haben Sprach-Auffälligkeiten. Dem vorzubeugen, haben sich Nicole Schmidt, Susanne Thies und ihre Kollegen vom Sprachheilpädagogischen Förderzentrum Rostock am Alten Markt verschrieben. Die Pädagogen bieten einmal monatlich eine Sprechstunde für Eltern an, die sich Sorgen um das Sprechverhalten ihres Nachwuchses machen.

„Die Störungen nehmen immer mehr zu. Ein Grund dafür ist auch, dass die Kinder immer früher und immer mehr Medien nutzen“, sagt Nicole Schmidt. Durch den Konsum von Fernsehen oder Handy würden die Kinder zwar im wahrsten Sinn des Wortes beschallt, sprechen aber nicht aktiv, wodurch ihr Wortschatz leiden könnte. Die Auffälligkeiten, mit denen es die beiden Lehrerinnen im Schulalltag zu tun haben, sind vielfältig und reichen vom Stottern über Lautausfälle, einen zu geringen Wortschatz bis hin zum kompletten Schweigen. Gründe dafür reichen von falschem Erlernen über Vererbung bis hin zu psychosomatischen Störungen. Manchmal läge das falsche Sprechen auch am schlechten Hören. All das kennen die Pädagoginnen aus ihrer Praxis und wissen deshalb, was zu tun ist. „Ich hatte auch einmal ein Zwillingspärchen, das in seiner eigenen Sprache miteinander kommunizieren konnte, aber von niemandem sonst verstanden wurde“, sagt Susanne Thies. Je älter die Kinder wären, desto schwieriger sei die Förderung – denn wenn der Spracherwerb mit etwa fünf Jahren abgeschlossen ist, könnten sich auch Auffälligkeiten und bestimmte Schluck- und Zungenmuster falsch verfestigt haben.

Damit es nicht so weit kommt und die betroffenen Kinder schon vor der Einschulung eine entsprechende Frühförderung bekommen, gibt es die kostenlose und anonyme Beratungsstelle der Schule. „Sprachauffälligkeiten sind zwar auch Teil der U-Untersuchungen beim Kinderarzt, aber die U’s decken alles ab. Wir dagegen schauen uns gezielt die Sprache an“, sagt Schmidt.

Die einmalige Beratung dient dabei als Hilfsangebot – wird eine Auffälligkeit festgestellt, empfehlen die Lehrerinnen entweder den Besuch beim Logopäden oder geben Tipps für die diagnostische Eignungsuntersuchung zur Einschulung an einem entsprechenden Förderzentrum. Eines steht für Nicole Schmidt aber fest: „Sprachauffälligkeiten gibt es in allen Schichten und sie sind nichts, wofür man sich schämen sollte.“

Die Beratung für sprachauffällige Kinder findet jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr im Sprachheilpädagogischen Förderzentrum am Alten Markt in Rostock statt. Sie ist kostenlos und anonym.

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