Gesund in rostock : Wenn die Knochen einfach brechen

Mittlerweile lebt Ursula Schippmann ohne Schmerzen, der Behandlung von Prof. Hans-Christof Schober sei Dank.
Mittlerweile lebt Ursula Schippmann ohne Schmerzen, der Behandlung von Prof. Hans-Christof Schober sei Dank.

Ursula Schippmann (81) leidet an Osteoporose – Hilfe bekommt sie im Klinikum Südstadt

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03. September 2015, 08:00 Uhr

Sie saß im Sessel, las ein spannendes Buch. Plötzlich durchzog ein stechender Schmerz ihren Brustkorb. Ursula Schippmann konnte kaum noch atmen, schleppte sich zum Arzt. Diagnose Wirbelbruch. Das war im Jahr 2004. „Der Orthopäde überprüfte meine Knochendichte und stellte einen erschreckend niedrigen Wert fest“, erinnert sich Schippmann. Die damals 70-Jährige hatte Osteoporose. Ihre Knochensubstanz und -struktur hatte im Laufe der Jahre stark abgebaut. Schon bei alltäglichen Belastungen drohten ihre Knochen zu brechen. Schippmann bekam Bisphosphonate verschrieben. Dabei handelt es sich um Medikamente, die den Knochenabbau bremsen, indem sie eine Art mechanische Schutzhülle um die einzelnen Knochenbälkchen bilden. „Das hat zwei Jahre ganz gut geholfen“, sagt Schippmann.

Doch dann verstarb ihr Mann. „Unsere Wohnung in Moers am Niederrhein war für mich alleine viel zu groß.“ Also beschloss die Rentnerin, zurück in ihre alte Heimat zu ziehen. „Ich bin mit 23 Jahren von Bad Doberan in den Westen geflohen, nur mit einem kleinen Koffer und dem, was ich am Leib trug.“ Ursula Schippmann blickt zurück: „ Ich habe in der Konsumkreisverwaltung gearbeitet und sollte dort die Abteilung übernehmen und gleichzeitig in die Partei eintreten. Irgendwann gingen mir die Ausreden aus, warum ich kein Parteimitglied werden wollte. Ich erfand eine Einladung zu einer Hochzeit nach Hamburg, bekam von meinem Arbeitgeber eine Unbedenklichkeitsbescheinigung und von der Polizei eine Ausreiseerlaubnis.“ Von ihrem Plan hat Schippmann niemandem etwas erzählt, lediglich einer guten Freundin, die mit ihr reiste. „In Grevesmühlen wurde der Zug kontrolliert. Einige wurden rausgezogen, wir durften bleiben.“

In Hamburg angekommen, gingen wir zur Bahnhofsmission. Uns war egal, wo man uns hinschickte.“ In Oberhausen bekam Schippmann eine Anstellung als Sekretärin. „So eine Aktion kann man nur machen, wenn man jung und mutig ist, wenn man noch nicht weiß, was alles passieren kann“, so die heute 81-Jährige. Doch alt werden wollte Schippmann in Oberhausen nicht. Sie zog mit ihrem Mann nach Moers. Den hohen Norden hat sie immer vermisst. „Ich hatte keine Familie am Niederrhein, in Mecklenburg-Vorpommern jedoch schon. Als mein Mann starb, sagte ich meiner Schwester, ich würde sie besuchen kommen. Ich schaute mir Wohnungen an. In meinem jetzigen Zuhause fühlte ich mich gleich wohl. Binnen zehn Minuten hatte ich den Mietvertrag unterschrieben“, erzählt Schippmann. Die Wohnungsauflösung in Moers, aber auch der Umzug nach Rostock haben der Rentnerin jedoch viel Kraft gekostet. „Es waren noch nicht alle Kisten ausgepackt, da brach der erste Lendenwirbel“, sagt die 81-Jährige. Die Behandlung mit Bisphosphonaten wurde fortgesetzt. Doch dieses Mal hatte sie nicht den gewünschten Erfolg. „Eine erneute Messung der Knochendichte zeigte, dass meine Knochen weiter an Festigkeit verloren haben.“

Ursula Schippmann wurde ins Südstadt Klinikum überwiesen und bekam dort einen Termin bei Prof. Hans-Christof Schober. Der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin hat herausgefunden, dass eine hormonelle Störung Ursula Schippmanns Osteoporose begünstige. Das Geschlechtshormon Östrogen, das die Knochen schütze, sei bei ihr vermindert produziert worden. „Ich habe den Krieg erlebt und den Hunger der Nachkriegsjahre. Mein Hormonhaushalt war immer unter dem normalen Level. Ich bekam meine erste Monatsblutung erst mit 16 Jahren und meine Wechseljahre setzten sehr früh ein“, erklärt Schippmann. Hormonell bedingt, seien ihr auch die Haare ausgefallen. „Ich trage eine Perücke“, sagt sie. Das Medikament Forsteo sollte Schippmann helfen. Das Arzneimittel reguliert den Kalziumstoffwechsel und fördert den Knochenaufbau. „Ich habe mir eineinhalb Jahre Forsteo gespritzt und bekomme nun noch bis nächstes Jahr Aclasta-Infusionen“, so Schippmann. Diese würden die Knochen stärken und auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit von Knochenbrüchen vermindern.

Etwa 80 Prozent aller Osteoporose-Patienten sind Frauen. Ein Großteil ist älter als 70 Jahre. „Wenn wir den Ursachen auf den Grund gehen, entdecken wir häufig eine endokrinologische Erkrankung, also eine Erkrankung der Hormondrüsen“, erläutert Schober, der sich seit 1984 intensiv mit Knochenkrankheiten auseinandersetzt. „Weil Knochen und Muskeln zusammenhängen, bin ich ein Freund der körperlichen Ertüchtigung. Eine Betätigung der Muskulatur ist gut gegen Knochenschwund“, so Prof. Schober. Auch Ursula Schippmann ist noch sportlich aktiv. In ihrer Jugend hat sie Volleyball, Handball und Tischtennis gespielt, später fand sie ihren Ausgleich zum Alltag beim Yoga. Heute macht sie Gymnastikkurse oder Gerätetraining. „Ein bisschen was tun muss man. Wenn ich mich nicht bewege, dann nehme ich sehr schnell zu. Und auch im Alter darf man noch ein bisschen eitel sein“, scherzt Schippmann.

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