Weniger Angebot, dafür teurer

Haushaltssicherung: Manfred Heckmann, Dr. Michaela Selling, Edgar Sheridan-Braun und Dr. Horst Geyer (v. l.) warnen vor der Rotstift-Politik im Kulturbereich. Fotos: Geos/NNN
1 von 5
Haushaltssicherung: Manfred Heckmann, Dr. Michaela Selling, Edgar Sheridan-Braun und Dr. Horst Geyer (v. l.) warnen vor der Rotstift-Politik im Kulturbereich. Fotos: Geos/NNN

svz.de von
18. Januar 2013, 08:29 Uhr

Rostock | Die Kultureinrichtungen der Hansestadt sollen sparen. So zumindest will es das Haushaltssicherungskonzept für die Jahre 2013 bis 2018, das derzeit in den Gremien der Bürgerschaft diskutiert wird. Dass die zum Teil erheblichen finanziellen Einschnitte, durch die manche Einrichtungen nur schwer bis gar nicht zu bewirtschaften sind, das ist am Donnerstag auf der Sitzung des Kulturausschusses deutlich geworden. Die Leiter der städtischen Kultureinrichtungen waren gekommen, um mit den Kommunalpolitikern über die Machbarkeit der Zuschussreduzierungen zu sprechen.

Größtes Sorgenkind ist die Stadtbibliothek. Denn hier sollen ab 2015 jährlich rund 550 000 Euro gespart werden. Das Amt für Management und Controlling schlägt vor: Die Standorte der Bibliothek könnten auf zwei reduziert werden - in Warnemünde und Stadtmitte. Das spare Miete, heißt es in der Begründung. Außerdem könne der Personaleinsatz optimiert werden. Manfred Heckmann, Leiter der Stadtbibliothek, warnt davor, dass durch die Schließung der einzelnen Standorte die Bürgernähe verloren gehe. "Und die Bibliothek ist diejenige kulturelle Einrichtung, die die meisten Menschen erreicht", pflichtet ihm Ausschussmitglied Dr. Ingrid Bacher (SPD) bei. Auch bei den städtischen Museen wird der Rotstift angesetzt. Hier sollen ab 2015 jährlich 100 000 Euro gespart werden. Die Lösungsvorschläge der Verwaltung: mehr Einnahmen aus dem Vermietungsgeschäft sowie die Wiedereinführung von Eintrittsgeldern. Letzteres war von der Bürgerschaft bisher abgelehnt worden. Und auch Dr. Michaela Selling, Leiterin der Städtischen Museen, spricht sich gegen diese Maßnahme aus: "Aus der Erfahrung heraus sind über Eintrittsgelder nur 30 000 Euro zu generieren." Darüber hinaus habe gerade das Kulturhistorische Museum gute Erfahrung mit der Praxis der Spenden anstelle von Eintritt gemacht. In den zurückliegenden Jahren seien so mehr als 100 000 Euro zusammengekommen - Geld, das unter anderem für Ankäufe und Restaurationen verwendet wurde. "Es ist davon auszugehen, dass die Spenden zurückgehen, wenn Eintritt erhoben wird", so Selling. Generell rechnet sie in einem solchen Fall mit einem Besucherrückgang. Derzeit fährt das Museum im Kloster zum Heiligen Kreuz Rekorde ein. Das Vermietungsgeschäft im Kulturhistorischen Museum läuft schleppend. Selling schätzt, dass darüber maximal 6000 Euro eingenommen werden könnten. Für die im Haushaltssicherungskonzept geforderten Einsparungen reicht das nicht. Alexander Ludwig, Mitglied im Kulturausschuss, bezweifelt jedoch, dass dies das Ende der Fahnenstange ist. Die Kunsthalle, in deren Betreiberverein Ludwig sitzt, habe da ganz andere Erfahrungen gemacht.

Ebenfalls unter den Einrichtungen, die zum Sparen aufgefordert sind, befinden sich das Konservatorium und die Volkshochschule. Da sich der Landkreis wiederholt dagegen ausgesprochen hat, diese städtischen Institutionen zu unterstützen, obwohl viele Auswärtige sie nutzen, müssen andere Lösungen her. Im Fall des Konservatoriums bedeutet dies nach Angaben des Leiters Edgar Sheridan-Braun eine zweimalige Anhebung der Entgelte um je zehn Prozent. So sollen die 100 000 Euro, die die Stadt ab 2015 weniger zuschießen will, aufgefangen werden. Für die Volkshochschule gibt es verschiedene Ansätze. So soll zum einen dadurch gespart werden, dass die zwei Geschäftsstellen zusammengelegt werden. Die Stadtverwaltung empfiehlt, das Gebäude Am Kabutzenhof zu kaufen. Ob dies das Problem löst, bleibt offen. Schulleiter Dr. Horst Geyer verdeutlicht: "Die Reduzierung der Finanzmittel um 100 000 Euro entspricht der Streichung eines Fachbereichs." Das Stadtarchiv ist vorerst nicht von Kürzungen betroffen. Allerdings sollen auch hier die Entgelte erhöht werden. Der Kulturausschuss lehnte das Haushaltssicherungskonzept ab und fordert Nachbesserung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen