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Rentner ist topfit : Weltrekord für Rostocks stärksten Opa

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hansjürgen Kuhlmey holt in Prag Weltmeistertitel und Weltrekord im Bankdrücken. Doch das hat seinen Preis.

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Das Wettkampfjahr ist vorbei – und mit Weltmeistertitel samt Weltrekord könnte es Hansjürgen Kuhlmey eigentlich ruhig angehen lassen. Dann kribbelt es ihm aber doch in den Fingern. „Mach 160“, gibt er seinem Trainingspartner im Schmarler Best-Fitness-Studio die knappe Anweisung, Gewichte an die schon allein 20 Kilo schwere Eisenstange zu befestigen. Dann geht es schnell: Kuhlmey legt sich auf die Bank, greift an die Stange, spannt die Muskeln an und wuchtet mehr als sein eigenes Gewicht in die Luft.

Dabei hat der 76-Jährige diesen Beweis seiner Kraft gar nicht nötig. An der Studio-Magnettafel hängt – sichtbar für alle, die ihn darauf ansprechen – ein Bild von der diesjährigen Weltmeisterschaft, die vergangene Woche in Prag stattfand. Es zeigt Kuhlmey auf dem obersten Treppchen, als Sieger im Bankdrücken der Altersklasse 75 bis 79 Jahre. Direkt daneben ein Foto von der Anzeigetafel, als er den Weltrekord drückte. „Die Aufnahmen hat mein Enkel gemacht, der studiert in Dresden und hat mich auch gefahren“, sagt Kuhlmey.

Für Goldene Hochzeit auf die EM verzichtet

Beim täglichen Training würde er sein Alter weniger merken als bei den Reise-Anstrengungen. Stadtführungen an den Wettkampforten vermeidet er zum Beispiel – den ganzen Tag rumlaufen, das kostet alles Kraft. „Ich bin in Budapest mal die 150 Stufen zur Fischerbastei hoch, wenn ich das mit meinem Gewicht von 120 Kilo rechne, hab ich da 18 Tonnen bewegt.“

Als Kind hat der gebürtige Berliner noch Judo gemacht, auch Leichtathletik. Hanteln hatte er damals auch in der Hand – selbst gebaut aus einer Achse und Felgen. „Mit dem Kraftsport ging es 2000 los, da war ich für acht Jahre in Litauen und hatte einen Gerüstbau-Betrieb“, blickt Kulmey zurück. Als Unternehmer hätte er sich vor Ort auch verteidigen wollen – und trainiert. An Erfolg und Titel war da noch nicht zu denken. Als er nach Rostock zurückkehrte und weiter trainierte, hätte sich aber schnell gezeigt, dass seine Statistik für mehr als nur das Fitnessstudio reicht.

Von der Hantelbank in Schmarl ging es direkt an die Spitze: 2015 holte Kuhlmey sowohl den Deutschen- als auch den Europameistertitel seiner Altersklasse. 2016 kamen zum Deutschen Meister gleich zwei Weltmeistertitel dazu.

Der vierfache Großvater trat vergangenes Jahr auch noch im Kreuzheben an. „Das geht jetzt nicht mehr, ich hatte ziemliche Ischias-Schmerzen und mein Arzt meinte, wenn ich weitermache, komme ich das nächste Mal im Rollstuhl.“ Da gab der Kraftprotz ausnahmsweise klein bei – und konzentrierte sich auf das Bankdrücken.

So sehr ihn die beiden gerade frisch erreichten Erfolge freuen, ein bisschen trauert er noch der verpassten Europameisterschaft im Juni in Österreich nach. „Da hatte ich Goldene Hochzeit – und meine Frau wollte gerne feiern.“ Nach dem Jubiläum konzentrierte sich Kuhlmey komplett auf die Weltmeisterschaft, mithilfe seines Trainingspartners Martin Tiedt. Der 70-jährige Rostocker unterstützt den Älteren bei seinen sportlichen Zielen. „Aber ich komme nicht täglich, sondern dreimal pro Woche. Und mein Ziel sind 90 Kilo, das drücke ich nächstes Jahr“, sagt Tiedt. Solange der Rostocker Weltmeister Hansjürgen Kuhlmey an der Spitze noch mithalten kann, will er es auch tun. Und dieser Ehrgeiz verwundert nicht, wenn er selbst beim Training mal eben so 160 Kilo stemmt. Außerdem wären bei der WM auch zwei Über-80-Jährige angetreten.

Seine größten Erfolge

• 2015: Deutscher Meister im Bankdrücken und Kreuzheben in Herzberg, Europameister im Bankdrücken 2015 in Prag

• 2016: zweimal Deutscher Meister in Eilenburg, Doppel-Weltmeister in Herzberg, Weltrekord im Kreuzheben

• 2017: Deutscher Meister in Frauenau, Weltmeister in Prag, Weltrekord Bankdrücken

Die Sportart
Bankdrücken: Auf dem Rücken liegend wird mit beiden Händen ein Gewicht auf den Sportler abgesenkt und von ihm wieder nach oben gedrückt.
Kreuzheben: Ein auf dem Boden liegendes Gewicht wird aus einer vornübergebeugten Position hochgehoben, bis der Sportler aufrecht steht, die Arme bleiben nach unten gestreckt.

 

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