Video aus Rostock : Weltkriegs-Brandbombe erfolgreich abtransportiert

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Entwarnung im Rostocker Petriviertel: Die Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg konnte ohne Probleme geborgen werden.

svz.de von
19. Juli 2015, 15:42 Uhr

Entwarnung im Petriviertel: Die am vergangenen Dienstag gefundene Brandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gestern erfolgreich geborgen und abtransportiert.

Rund 180 Anwohner mussten im Vorfeld ihre Wohnungen verlassen. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Schließlich hätte das Risiko bestanden, dass sich die Bombe selbst entzündet. „Die Gefahr für die Anwohner ist aber längst nicht so groß wie bei einer Bombensprengung“,  beschwichtigt  Kunze. Bei der geborgenen Brandbombe handle es sich um Munition, die womöglich im  April 1942 über Rostock abgeworfen wurde. „Damals wurden noch Brandbomben verwendet. Sie haben sich von Etage zu Etage durch die Häuser gebrannt“, erläutert Kunze.

Die Freilegung der Bombe wurde von Spezialisten des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt.  Dabei wurde das Relikt zunächst aus  7,5 Metern Tiefe an die Erdoberfläche geholt. „Es ist alles optimal gelaufen. Wir haben nur damit gerechnet, eine Bombe zu bergen, die noch ganz ist“, sagt Fred Tribanek. Der Experte war zum Entschärfen der Munition vor Ort. Das Geschoss sei schon damals detoniert. Der Zünder hätte folglich nicht mehr funktionieren können. „Das hat die Bergung sehr viel einfacher gemacht. Wir hatten es also nur noch mit der Brandmasse zu tun“, berichtet Tribanek.  Diese bestünde aus einem Benzol-Kautschuk-Gemisch. Brandbomben seien im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden, um schnell Brände zu entfachen. Die enthaltenen Brandmittel   seien in der Regel schwer löschbar, sodass eine große Zerstörung angerichtet werden könne.

Dass sich im Erdreich des Baufeldes am Gerberbruch ein auffälliger Gegenstand befinde, sei bereits vor dem Verkauf des Grundstückes festgestellt worden. „Die Baufläche gilt als kampfmittelbelastet“, weiß Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes MV. Alte Luftbilder, aufgenommen von Aufklärungsflugzeugen aus dem Zweiten Weltkriegen, hätten dies gezeigt. „Wir haben eine Sondierung vorgenommen und dabei festgestellt, dass ein Eisengegenstand das Erdmagnetfeld stört“, erklärt Mollitor. „Im schlimmsten Fall hätten wir eine Sprengbombe mit Langzeitzünder vorgefunden.“ Dann wäre das Gebiet in einem Umkreis von mindestens 500 Metern evakuiert worden  – inklusive drei Altersheimen. Um die Stadt kampfmittelfrei zu machen, habe der Munitionsbergungsdienst eine Standortrecherche in Auftrag gegeben. „Da gibt es jemanden, der die Archive durchsucht und  sich die Zielkarten für die Angriffe sowie die  Luftaufnahmen der Zerstörungsergebnisse ansieht“, so Mollitor.  

Nachdem gestern geklärt war, dass die Brandbombe transportfähig ist, wurde sie in den Zerlegebetrieb nach Jessenitz bei Hagenow gebracht. „Dort wird sie zerlegt, ausgebrannt und anschließend entsorgt“ sagt Mollitor.

Die evakuierten Anwohner durften gegen 14 Uhr zurück in ihre Häuser. Zuvor hatten sie die Möglichkeit, in der örtlichen Sporthalle Unterschlupf zu finden. Dort wurde eine Notunterkunft eingerichtet. 

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