Weitere Anklage gegen Ex-Wiro-Boss

Bernhard Küppers (68) soll als Wiro-Geschäftsführer für Paul Mader gebürgt haben, ohne die Liquidität zu prüfen. Kurz darauf war dieser pleite.
Bernhard Küppers (68) soll als Wiro-Geschäftsführer für Paul Mader gebürgt haben, ohne die Liquidität zu prüfen. Kurz darauf war dieser pleite.

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26. November 2010, 08:12 Uhr

Rostock | Die Anklageliste wird länger: Bernhard Küppers, Ex-Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Wiro, muss sich in einem weiteren Punkt wegen Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft Rostock wirft ihm vor, mit einer Callcenter-Bürgschaft rund eine Million Euro aus dem Wiro-Vermögen verloren zu haben. Ein Minusgeschäft sondergleichen - bei dem Küppers nicht einmal die Liquidität seiner Partner geprüft haben soll.

Der Prozess beginnt am nächsten Dienstag, 30. November, vor dem Landgericht Rostock. Die einzelnen Anklagen wurden nach Angaben einer Gerichtssprecherin zur gemeinsamen Hauptverhandlung verbunden. Das wohl spektakulärste Wirtschaftsverfahren in der Geschichte der Stadt dreht sich um die Vermischung von Mietkautionen mit dem Firmenvermögen, um Luxusreisen, mit denen der Wiro-Chef sich das Wohlwollen von Politikern und Aufsichtsräten erkauft haben soll - und jetzt auch um die Vorgänge im Zusammenhang mit der Bürgschaft.

Im November 2000 wandte sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft der damalige Finanzsenator Dieter Schörken (CDU) mit einer brisanten Bitte an Küppers. Er sollte den Ausbau einer Gewerbeimmobilie in der Trelleborger Straße 5 und 6 finanziell absichern, nachdem eigene Bemühungen der Stadt gescheitert waren, das Bauvorhaben über Banken, ein Landesdarlehen oder aus dem eigenen Haushalt zu finanzieren. Die Immobilie habe sich im Eigentum der Mader GmbH & Co befunden. Die Stadt habe großes Interesse an dem Ausbau gehabt, weil im dort ansässigen Callcenter der Transcom Europe GmbH 160 Arbeitsplätze entstehen sollten.

Der angeklagte Ex-Geschäftsführer habe eine Finanzierung des Bauvorhabens durch die Ostseesparkasse (Ospa) eingefädelt und eine Bürgschaft der Wiro angeboten. Im Vertrauen darauf habe die Ospa im Dezember 2000 den Kreditvertrag mit der Mader GmbH & Co über einen Höchstbetrag von 2,2 Millionen D-Mark abgeschlossen. Küppers soll am 23. Februar 2001 gemeinsam mit dem damaligen weiteren Geschäftsführer der Wiro für die volle Darlehenssumme gebürgt haben. Er soll die Unterschrift geleistet haben, ohne zuvor die Liquidität des Vermieters Paul Mader und des von ihm geführten Unternehmens geprüft zu haben. Auch sei eine Prüfung des Immobilien-Wertes nicht erfolgt.

Kurz darauf geriet Mader in Zahlungsschwierigkeiten. Die Bayerische Hypo-Vereinsbank AG, die den Bau des Erdgeschosses finanziert hatte und deren Forderungen mit einer Grundschuld von zwölf Millionen Mark gesichert waren, kündigte laut Staatsanwaltschaft Maders Kredite. Zudem lastete für den Ausbau der ersten Etage ein Landesdarlehen von 1,6 Millionen Mark auf dem Objekt. Das Amtsgericht Rostock habe im Juli 2001 die Zwangsverwaltung des Grundstücks angeordnet. Daraufhin habe auch die Ospa den Kredit fristlos gekündigt und die Bürgschaft in Anspruch genommen. Die Wiro musste für Maders Schulden zahlen, laut Anklage umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro.

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