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Kinderbetreuung Rostock : Weiter Streit um 24-Stunden-Kita

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Senator beruft sich vor Genehmigung auf Verhandlungen mit dem Land und Kindeswohlgefährdung. Befürworter kritisieren Irreführung

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erstellt am 15.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Seit rund einem Monat läuft der Betrieb im Anbau der Kita in der Humperdinckstraße. Eigentlich wollte die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) hier Rostocks erste 24-Stunden-Betreuung anbieten. Doch Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sperren sich gegen die Genehmigung. Sie führen finanzielle Bedenken an, Bockhahn argumentiert sogar mit Kindeswohlgefährdung.

„Nach dieser Argumentation müsste das Jugendamt bei allen Übernachtungen von Kindern außer Haus einschreiten“, sagt Daniel Peters, Vizefraktionschef der CDU. Er fordert vom Senator die Anerkennung der Realität: „Es gibt einen klaren Bedarf.“ Eine Befragung der Universität unter Rostocks Eltern habe zwar zu einem gegenteiligen Ergebnis geführt, doch es gebe „Zweifel, ob die Parameter richtig angesetzt wurden“, so Peters. Die hat auch Wolfgang Richter von der GGP. So seien von den fünf Kitas der Gesellschaft lediglich die Eltern einer einzigen Einrichtung befragt worden. Und die habe nur bis 17 Uhr geöffnet.

Bockhahn hingegen sagt: „Ich habe keine Zweifel an der Qualität und der Aussagekraft der Studie.“ Er unterstelle zwar keine grundsätzliche Kindeswohlgefährdung. „Aus meiner Sicht muss aber hinterfragt werden, ob ein Modell, das bis zu 19,5 Stunden Betreuung pro Tag außerhalb der Familie an sechs aufeinanderfolgenden Tagen erlaubt, wirklich dem Wohl des Kindes dient“, so der Senator. Dass er in der Bürgerschaft nur die 1200 Euro Platzkosten für die Krippe nannte, die billigeren 743 Euro für die Kindertagesstätte aber wegließ, habe der Veranschaulichung dienen sollen. Wolfgang Richter sieht darin eher eine Irreführung. Zumal auch die finanzielle Belastung für die Stadt geringer ausfalle, als der Senator gesagt habe.

Die Bürgerschaft hatte im Oktober 50 000 Euro für 2015 und 100 000 Euro für 2016 eingestellt. Im November legte sie nach: Bockhahn solle Verhandlungen mit geeigneten Trägern für eine 24-Stunden-Kita aufnehmen und die Ergebnisse bis Ende Januar vorlegen. Allerdings baute sie auf Antrag der Fraktion Für Rostock/FDP eine Hintertür ein: Erst müsse eine 50-prozentige Beteiligung von Bund, Land oder Privaten sichergestellt sein, mindestens 100 000 Euro. „Das Sozialministerium und das Innenministerium wurden um Verhandlungen gebeten“, sagt Bockhahn.

Unter Verweis auf diese Verhandlungen wurden die Gespräche mit der GGP verschoben. Richter sagt: „Bei einer heute erteilten Freigabe könnten wir morgen die ersten Kinder aufnehmen.“ Die GGP bewirbt sich für das Bundesprogramm Kita Plus. Aus diesem könnten drei Jahre lang je bis zu 200 000 Euro fließen.

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