zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 13:48 Uhr

Weihnachtsmann für einen Tag

vom

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2012 | 06:11 Uhr

Rostock | Wenn pünktlich zum 24. Dezember die Freunde von Reik Unger bei ihren Familien sind, beginnt für den Sportstudenten einer der stressigsten Tage des Jahres. Der 26-Jährige ist an Heiligabend als Miet-Weihnachtsmann in Rostock unterwegs und besucht dabei bis zu zwölf Familien an einem Abend. Ein aufregender Beruf, der jedoch viel Organisationstalent erfordert.

Sein erstes Mal als Miet-Weihnachtsmann hatte Unger 2010. "Ich war nervös, wusste nicht, was mich erwartet", sagt er. So nervös, dass er promt den Geschenkesack vor der Haustür vergaß. Dank der Improvisation des Vaters war der kleine Patzer schnell aus dem Weg geräumt. "Die Kinder haben gar nichts gemerkt", erinnert sich der 26-Jährige, der über einen Kommilitonen zu dem ungewöhnlichen Job gekommen ist. Vermittelt werden er und seine Kollegen über die Arbeitsagentur Rostock. Im vergangenen Jahr waren in Rostock um die 55 professionelle Miet-Weihnachtsmänner unterwegs und haben insgesamt 600 Familien einen Besuch abgestattet.

Stammkunden und betrunkene Tanten

Bereits jetzt hat Reik Unger schon so etwas wie Stammkunden. "Ich bin hauptsächlich in der Steintor-Vorstadt unterwegs und einige Familien buchen mich immer wieder", erzählt er. Das Wichtigste bei jedem Besuch sei die Vorbereitung. Die Namen der Kinder müssen sitzen, genau wie Hobbys, Vorlieben oder vor allem die Adresse. "Ich fahre einen Tag vorher die Familien ab, um sie Heiligabend auch ganz sicher zu finden", so Unger. Auch bei den Geschenken muss der Student vorbereitet sein. Oft werden die Päckchen, die er mitbringen soll, an einem Ort hinterlegt oder kurz vorher übergeben. "In den meisten Familien bringe ich den Kindern ein bis zwei Geschenke. Die restlichen liegen unter dem Weihnachtsbaum." Doch es geht auch anders: Unger erinnert sich an eine Familie, die ihren Kindern gar nicht genug schenken konnte. "Ich hatte mehrere Säcke zu schleppen, das habe ich ohne die Hilfe des Vaters gar nicht geschafft." Auch einen Abend in einer Großfamilie wird der Sportstudent so schnell nicht vergessen. Bei seiner Ankunft war ein Großteil der Familie schon angetrunken und auch Unger sollte sich ein Gläschen genehmigen. Das habe er abgelehnt. Nachdem die Kinder Lieder gesungen und Gedichte aufgesagt hatten, ließen auch ihre Tanten es sich nicht nehmen, dem Weihnachtsmann etwas aufzusagen. "Die Gedichte waren allerdings nicht ganz jugendfrei", sagt Unger.

Besonders gefällt dem 26-Jährigen an seiner Arbeit als Weihnachtsmann, dass er viele verschiedene Traditionen kennenlernt. Dies fange beim Essen an und ende bei der Abendgestaltung. Nur seine Eltern freuen sich weniger über den Job ihres Sohnes. Durch die vielen Aufträge schafft es Unger nicht, zur eigenen Familie nach Neubrandenburg zu fahren. "Ich arbeite auch noch als Nachtwache in einem Altersheim und habe am 25. Dezember Schicht." Er ist sich sicher, dass er auch im kommenden Jahr wieder als Knecht Ruprecht durch Rostock ziehen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen