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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 04:54 Uhr

Festtage : Weihnachtsmann auf Bestellung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeitsagentur vermittelt Knecht Ruprecht an 570 Rostocker Familien / Philosophie-Student schlüpft in Rolle des bärtigen Alten

Er sitzt am Küchentisch, trinkt Kaffee und liest ein Buch. Im normalen Leben studiert Klemens Hilliger von Thile Philosophie an der Rostocker Uni. Aber am Heiligen Abend wird er für einige Kinder der Hansestadt zum Weihnachtsmann. Zum vierten Mal gibt der 27-Jährige den Alten mit Rauschebart und rotem Mantel. Den Nebenjob hat ihm die Arbeitsagentur vermittelt. „Es ist ein bisschen wie Theater spielen, eine kleine Show. Sobald man im Kostüm steckt, schlüpft man in eine Rolle. Und man muss improvisieren können“, sagt der Philosophie-Student.


Der Zeitplan am Heiligen Abend ist eng


Das Stressigste sei die Organisation vor dem großen Tag, so Hilliger. „Meist rufen die Leute am Wochenende vorher an und wollen dem Weihnachtsmann noch ein paar Dinge mit auf den Weg geben, die er wissen muss.“ Man müsse die Namen der Kleinen draufhaben und wissen, ob es noch Probleme mit dem Zähneputzen oder den Hausaufgaben gebe. „Man hat eine unheimlich starke natürliche Autorität als Weihnachtsmann. Das habe ich zu Anfang unterschätzt“, sagt Hilliger.

Die Stationen, die er an einem Abend ansteuern muss, bekommt der studentische Weihnachtsmann von der Agentur. Seine Route plant er selbst. „Man bekommt 10 bis 14 Stationen. Das dauert insgesamt schon fünf bis sechs Stunden“, so Hilliger. Je nach Route schaffe er etwa drei Stationen pro Stunde. Das Problem: „Die meisten wollen, dass der Weihnachtsmann um halb fünf bei ihnen auftaucht. Das ist natürlich nicht möglich und sie müssen Kompromisse eingehen. Dabei sind manche einsichtiger als andere“, so Hilliger. Es habe schon hysterische Anfälle am Telefon gegeben.

Am Heiligen Abend seien die meisten Familien aber wieder entspannt. „Als Eisbrecher kommt es immer gut, wenn man den schönen Weihnachtsbaum lobt und die Kleinen fragt, ob sie denn beim Schmücken geholfen haben“, sagt Hilliger. Vor der Bescherung würden in dem meisten Familien traditionell Gedichte aufgesagt, Lieder gesungen oder Instrumente gespielt. „Oft bekomme ich auch selbstgemalte Bilder geschenkt und meistens gehe ich mit zwei, drei Nuckis in der Tasche nach Hause, von denen die Kinder endgültig Abschied nehmen mussten“, so der 27-Jährige.

„Klar wäre ich Heiligabend auch gern zu Hause, aber bei uns wird ohnehin kein riesiges Brimborium gemacht“, sagt der Student. Meist fahre er am nächsten Morgen zur Familie nach Berlin. Die habe Verständnis. „Es ist ja nicht nur Arbeit. Wenn ich in die Familien gehe, ist es für mich auch weihnachtlich. Und eine schöne Erinnerung – für die Familien und für mich“, so der Student. Im Endeffekt tue er es vor allem für die Kinder gern: „Für die ist ein Besuch vom Weihnachtsmann etwas ganz Besonderes, eine bleibende Erinnerung bis ins Erwachsenenalter“, so Hilliger.

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