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Nach Groß-Razzia in Rostock : Was wird aus dem Kosmos?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Betreiber und Eltern müssen mit Konsequenzen rechnen. Polizei weist Vorwürfe zurück

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Mit Ende dieses Monats wollte sich Eduard Geers eigentlich als Betreiber der Diskothek Kosmos verabschieden. Stattdessen handelte sich der Geschäftsmann, der schon wegen Steuerhinterziehung und Betrug in Millionenhöhe verurteilt wurde, den nächsten Ärger ein – durch eine Party am Freitag. Mit 112 Polizisten waren sechs Mitarbeiter der Stadt angerückt, um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu kontrollieren. Sie trafen unter 100 Gästen 46 Minderjährige an, 23 davon alkoholisiert.

„Es gab Hinweise aus unterschiedlichen Richtungen“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Die Razzia war deshalb lange geplant. Geers hatte die Disko am 31. Oktober 2014 im ehemaligen Dietas im Südstadtcenter eröffnet. Ü-30-Partys hatte er angekündigt, stattdessen wurde der Club dafür bekannt, Minderjährige reinzulassen. Anwohner sagen – gerade junge Mädchen. Die Stadt bestätigt das weder, noch widerlegt sie es.

„Wir werden die Ergebnisse auswerten und dann unsere Konsequenzen ziehen“, sagt Kunze – für Betreiber und Eltern. Dafür gebe es keinen Bußgeldkatalog, der Einzelfall entscheide – ist ein Jugendlicher häufiger in Erscheinung getreten, die Familie dem Jugendamt bekannt? Gerade das scheint nicht ausgeschlossen zu sein: Bis acht Uhr am Sonnabend hätte die Kontrolle auch gedauert, weil manche erst dann ihre Kinder abholten – einige, weil sie es nicht vorher konnten, andere, weil sie es nicht wollten. „Das Problem“, fasst Kunze zusammen, „sind nicht die Kids, sondern, dass sie die Chance bekommen haben“. Dahinter stünden teils auch dramatische familiäre Schicksale.

Dafür, dass sie überhaupt reinkamen, beziehungsweise bei Erlaubnis der Eltern nicht um 22 beziehungsweise 24 Uhr wieder raus mussten, hat sich der Betreiber zu verantworten. Die Entscheidung wird das Stadtamt, die Abteilung für Gewerbe, treffen. Geldstrafe, Schließung, Verlust der Betreiberlizenz – alles scheint möglich. Geers hatte bei Facebook am 4. Februar verkündet, dass sein Angestellter Birger Lüssow, ehemaliger Landtagsabgeordneter der NPD, die Kosmos Club GmbH übernimmt. Der dementierte bei Facebook wenig später: „Zur Klarstellung, ich nicht!!!“. Bei der Stadt ist ein Wechsel nicht bekannt. Doch Geers scheint nach wie vor Interesse daran zu haben: Eine Mitarbeiterin soll sich beim Amt zu Formalitäten erkundigt haben.

Polizei und Stadt machen Jugendschutzkontrollen aktuell anlassbezogen – nach Hinweisen. „In dieser Größenordnung ist das aber sehr selten“, sagt Kunze, der betonte, ohne die Polizei sei Stadt- und Jugendamt die Kontrolle nicht möglich gewesen. Vorwürfe von Jugendlichen, angeblich zu harsch vorgegangen zu sein, weist die Polizei zurück. „Wir haben die Maßnahmen vorschriftsmäßig umgesetzt“, sagt Sprecherin Dörte Lembke. So was müsse strukturiert passieren, sei nicht in fünf Minuten getan. Die Beamten fanden bei drei Jugendlichen Waffen – wie Teleskop-Schlagstock und Reizgas – bei einem Drogen. Damit die Minderjährigen nicht in der Kälte auf ihre Eltern warten mussten, sei sogar ein Polizeibus angerückt, so Lembke.

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