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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 08:51 Uhr

Kunsthalle Rostock : Was der Westen sich nicht traut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Kunsthalle zeigt Retrospektive des Meisters Wolfgang Mattheuer und seine Systemkritik sowie den aufstrebenden Markus Matthias Krüger

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 09:00 Uhr

„So was wird man in Deutschland so schnell nicht wieder sehen“, sagt Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann. Wolfgang Mattheuer (1927-2004) wäre in diesem Jahr 90 geworden. Anlässlich dessen zeigt die Kunsthalle eine Retrospektive des Leipziger Meisters – mit 83 Gemälden, darunter allein 22 museale Leihgaben. Heute um 18 Uhr wird sie eröffnet. Wie schon in der Ausstellung zu Werner Tübke mit Michael Triegel ergänzen Arbeiten eines jungen Leipzigers die Werkschau. Markus Matthias Krüger (*1981) zeigt mit „Hortus“ 40 Gemälde aus Öl und Acryl – „perfekt handwerklich und minutiös gemalt“, merkt Kuratorin Stefanie Michels an. Krüger berechnet seine Werke quasi, er tariert die Kompositionen aus, arbeitet mit primären und sekundären Fluchtpunkten, spannt dazu Fäden im Atelier, nutzt den goldenen Schnitt, Zweiteilungen. Er hält seine Bildgegenstände klein, als wären sie aus einem Baukasten auf die Leinwand gekommen. Krüger will eine „Distanz zu den Bildgegenständen erzeugen, auch als Mittel der Entemotionalisierung“.

Gemeinsam ist Krüger und Mattheuer das Thema Landschaften. Krüger entwirft sie, spart Menschen völlig aus, zeigt aber ihren Einfluss – Ruinen, Brände, Strohballen. Beide Künstler bezweifeln offensichtlich, dass der Mensch die Natur beherrscht. Mattheuer macht Landschaften zum Weltmodell, wie Michels sagt. „Die Bilder sind zugänglich“, hätten aber zugleich eine Doppelbödigkeit. Bei „Der Koloss“ fließt ein roter Riese über die Stadt, ebenso ist „Kain und Abel“ eine Anspielung auf die DDR, die mit ihrem Bruder kämpft. In „Hinter den sieben Bergen“ erscheint die Freiheitsgöttin, eine Anspielung auf den Prager Frühling.

„Mattheuer war ein Held der Jugend für uns“, sagt Neumann – eine kritische Auseinandersetzung. Die Ausstellung in Rostock würde so in einem westdeutschen Museum nicht gezeigt werden. „Es gibt schon Interesse, aber die trauen sich nicht“, meint der Leipziger Galerist Karl Schwind, dem einige Leihgaben zu verdanken sind. „Das Ausland ist da deutlich offener.“ Das niederländische Zwolle zeigt nach Rostock eine Mattheuer-Retrospektive.

Wolfgang Mattheuer „Bilder als Botschaft“ 2. Juli bis 17. September, Markus Matthias Krüger „Hortus“ 2. Juli bis 13. August; Ausstellungseröffnungen: heute, 18 Uhr

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