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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 23:11 Uhr

DDR-Zeit : Wartezeiten sollen verkürzt werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Rostock strebt eine kürzere Wartezeit für Antragsteller an. 2013 gingen 2470 Anträge ein, nach 3450 im Jahr zuvor.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Die Geschichte ist dramatisch: Ein 16-jähriger Rostocker wird inhaftiert, weil er sich auf einem Tonband über das politische System der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ausgelassen hat. Er wird verurteilt wegen „staatsgefährdender Hetze“ und zum Jugendwerkhof Torgau gebracht. Das war Anfang der 60er-Jahre. „Die Jugendwerkhöfe waren zur Umerziehung errichtet worden. Mit teils drakonischen Maßnahmen sollten die Kinder und Jugendlichen dort in ihrem Widerstand gebrochen werden“, sagt Dr. Volker Höffer, Leiter der Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) in Waldeck.

Wie das staatlich verordnete Erziehungssystem genau ausgesehen hat und mit welchen Methoden die jungen Leute ihre soziale Kompatibilität zurückerlangen sollten, davon berichtet eine neue Ausstellung der BStU. Ab dem 5. Februar wird „Ziel: Umerziehung – Zur Geschichte repressiver Heimerziehung in der DDR“ in der Dokumentations- und Gedenkstätte der ehemaligen Stasi-U-Haft in Rostock zu sehen sein. Die Ausstellung ist Teil einer Reihe von Bildungsveranstaltungen, die die BStU für dieses Jahr geplant hat. So soll unter anderem in Kooperation mit der Hansestadt Rostock und der Universität eine gemeinsame Ausstellung zum Thema „Friedliche Revolution: Erstrebtes, Erreichtes, Offenes“ erarbeitet werden.

Neben der politischen Bildungsarbeit beschäftigt sich die BStU auch mit Anfragen zu Rehabilitations- und Wiedergutmachungsverfahren, mit Forschungs- und Medienanträgen sowie mit privaten Anträgen auf Einsicht in Stasi-Akten. Vor allem Letzteres sorgt seit 1992 immer wieder für Gesprächsstoff. Die Bearbeitungsdauer einzelner Anträge würde bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen. „Unser Ziel ist es, die langen Wartezeiten zu verkürzen“, betont Volker Höffer. „Wir stoßen derzeit an die Grenzen unserer personellen Ausstattung.“ Lediglich 50 Prozent der Antragsteller seien in Akten erfasst. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Stasi zwischen dem 6. November und dem 4. Dezember 1989 großflächig Akten vernichtet habe. „Zeitzeugen berichten, dass regelmäßig große Lkw mit Bergen von Dokumenten zur Papierschredder-Anlage nach Wismar fuhren“, erzählt Volker Höffer. In den 21 Jahren seien rund 126 000 Anträge auf private Akteneinsicht in der BStU-Außenstelle eingereicht worden. Mittlerweile würden auch immer mehr Angehörige Anfragen stellen. „15 Prozent der Antragsteller sind Kinder oder Enkelkinder, die über die familiäre Vergangenheit forschen.“

Dass die Möglichkeit besteht, sich bei der BStU über die Unterlagen und Machenschaften des Staatssicherheitsdienstes zu informieren, sieht Volker Höffer als wichtig und notwendig: „Die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit dieses einmaligen Erbes muss bestehen bleiben.“ Damit geht er auch auf die steigende Zahl der Anträge im Segment der Forschungs- und Medienarbeit ein. „Die Auftragstendenz ist steigend.“ Im Jahr 2013 hätte es 37 Anträge gegeben, unter anderem zu den Themen Prostitution in Rostock oder Fluchtversuche über die Ostsee. „Um die Anfragen zu bearbeiten, müssen die Mitarbeiter mitunter tausende von Seiten lesen und zahlreiche Akten studieren. Das nimmt viel Zeit in Anspruch.“ Dennoch ist Volker Höffer froh über das Interesse an der DDR-Geschichte. „Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt und der Uni Rostock.“

 

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