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BSTU in Waldeck : Wartezeit auf Stasi-Akten soll verkürzt werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Antragsteller müssen sich bis zu drei Jahre auf Einsicht gedulden. BSTU plant mehrere Ausstellungen.

von
erstellt am 16.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Das Jubiläumsjahr des Mauerfalls ist auch für die Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BSTU) in Waldeck ein gutes Jahr gewesen. „Wir hatten 2014 in allen Bereichen mit zunehmendem Interesse zu tun“, sagt Leiter Dr. Volker Höffer. Und so gingen 2014 mit über 200 Anträgen zur Akteneinsicht mehr ein als im Jahr zuvor. Im Jahresrück- und ausblick sprach Höffer weiterhin über die Aktenbearbeitung, geplante Ausstellungen sowie die Sanierung der Dokumentations- und Gedenkstätte.

Ein wunder Punkt ist die lange Wartezeit. Es dauere an die drei Jahre, bis ein Antragsteller Einblick in die gewünschte Akte erhält, bedauert Höffer. Das soll sich ändern. „2015 steht im Vordergrund, die Wartezeit zu drücken. Das wollen wir trotz des riesen Staus versuchen“, so Höffer. Natürlich würde bevorzugt, wer schwer krank oder betagt sei, sowie seine Akte wegen eines Gerichtsverfahrens brauche.

Da auch Forschungsanträge eingehen, sei die Bearbeitung der personenbezogenen Akten wichtig. „An die kommt man nur, wenn man den Namen weiß“, erklärt Höffer. Schwieriger sei es, zu einem bestimmten Thema eine Person als Beispiel zu finden. Für eine schnellere Recherche sei daher eine sachthematische Erschließung der Akten notwendig.

Darüber hinaus beschäftigt sich die BSTU mit der politischen Bildungsarbeit und Ausstellungen. In diesem Jahr wird sich eine davon mit Westdeutschen in ostdeutschen Gefängnissen beschäftigen. Höffer gibt ein Beispiel: Zwei Seeleute aus Bremen, 18 und 19 Jahre alt, werden in einer Rostocker Kneipe von zwei Männern angesprochen, ob sie sie heimlich mit auf das Schiff nehmen, um ihnen so die Flucht zu ermöglichen. Die Bremer wollen helfen, doch der Plan geht schief und alle vier landen in Stasi-Haft. Weil sie aus dem Westen sind, werden die beiden nach knapp einem halben Jahr entlassen, die zwei Rostocker dagegen nicht.

Auch die Ausstellung in der Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Rostocker Stasi-U-Haft soll einer Frischekur unterzogen werden. „Es soll mehr multimedial erarbeitet und an Schicksalen dargestellt werden. Dabei soll ein Einzelfall als Pars pro Toto stehen“, kündigt Höffer an. Das Vorhaben soll im Laufe des Jahres umgesetzt und 2016 abgeschlossen werden.

Der bauliche Zustand der Dokumentationsstätte bereitet Höffer nach wie vor Sorgen. Das Gebäude muss dringend saniert werden. Zu den drückendsten Maßnahmen zählen die Trockenlegung sowie die Abdichtung und Neudeckung des Daches. Außerdem müssen die Elektro- und Heizungsanlagen modernisiert werden. „Dabei muss gewährleistet sein, dass der Status als Denkmal erhalten bleibt“, betont Höffer.

Nach wie vor sucht die Außenstelle einen neuen Standort. Geplant ist, das Gebäude in Waldeck aufzugeben. Eine Immobilie im Zentrum Rostocks soll stattdessen das neue Domizil werden. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben habe zwar bereits ein Gebäude im Blick, verrät Höffer, noch sei allerdings nichts spruchreif.

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