Warnstreik: Werftarbeitern reicht es

Die Werft-Arbeiter sind bereit, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Foto: Georg Scharnweber
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Die Werft-Arbeiter sind bereit, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Foto: Georg Scharnweber

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03. Mai 2012, 07:37 Uhr

Rostock | Für höhere Löhne und Gehälter sind gestern mehrere hundert Beschäftigte aus der Metall- und Elektroindustrie in den Warnstreik getreten. Vor den Toren der Neptun-Werft und in mehreren Autohäusern ließen die Angestellten und Auszubildenden die Arbeit am Morgen liegen. Damit wollten sie den Druck auf die Verhandlungsführer erhöhen.

Vor der Neptun-Werft war die Stimmung angespannt. Nicht alle der etwa 200 Warnstreikenden waren überzeugt, dass sie Aussicht auf Erfolg haben würden. Anders Peter Hlawaty. Der Geschäftsführer der IG Metall Rostock verlieh den Forderungen der Arbeitnehmer bei der Kundgebung vor der Neptun-Werft Nachdruck. Neben einer Lohnsteigerung von 6,5 Prozent wollen die Arbeitnehmer eine Übernahme aller Auszubildenden und mehr Mitspracherecht bei der Leiharbeit durchsetzen.

Zu viel: 40 Prozent Leiharbeit

Mit den Betriebsräten wollen sie dafür eintreten, dass die Aushilfsarbeiter zu fairen Bedingungen beschäftigt werden. "Sie verdienen zum Teil 40 Prozent weniger als ihre Kollegen, die die gleiche Arbeit machen", so Hlawaty. Leiharbeiter seien zu Angestellten zweiter Klasse geworden. Dies dürfe nicht geduldet werden. "Mecklenburg-Vorpommern ist kein Billiglohnland", sagt Hlawaty entschieden und erntet dafür Applaus. Je nach Auftragslage machen die Leiharbeiter auf der Neptun-Werft im Vergleich zur Stammbelegschaft 40 Prozent aus, so Detlef Schüler, der Betriebsratsvorsitzende der Neptun-Werft.

Nach drei Verhandlungsrunden hat die Arbeitgeberseite ein Angebot unterbreitet, das Hlawaty nicht genug ist. Drei Prozent mehr Lohn innerhalb von 14 Monaten lautet die Offerte - doch eine tarifvertragliche Regelung wollen die Arbeitgeber nicht. Und auch mehr Mitspracherecht für die Betriebsräte lehnen sie ab. "Das ist kein faires Angebot", sagt Hlawaty. Damit würde gerade mal die Inflationsrate ausgeglichen. Schüler ist sicher, dass er und seine Kollegen mit dem Warnstreik ein Zeichen setzen konnten und somit gestärkt in die neue Verhandlungsrunde am 9. Mai in Bremen starten werden. "Wir sind bereit, den Druck weiter zu erhöhen, wenn es nötig wird", so Schüler.

Gleichzeitig fanden auch bei vier Autohäusern in Rostock Warnstreiks statt. Betroffen waren das VW-Zentrum Lütten Klein, das Autohaus Rostock, das Audi-Zentrum sowie das Porsche-Zentrum. Etwa 200 Arbeiter setzten für rund eineinhalb Stunden die Arbeit aus. Zentrale Forderung der Arbeiter in Lütten Klein war die Angleichung an die Tarife des Schwester-Autohauses in Schleswig-Holstein. Dort bekommen die Arbeiter etwa fünf Prozent mehr Lohn als ihre Rostocker Kollegen, so der Verhandlungsführer der IG-Metall, Wolfgang Lorenz.

Angleichung ist längst fällig

Aufgrund der guten Geschäftsergebnisse des vergangenen Jahres sei eine Lohnangleichung längst fällig. Lorenz zufolge stünde das Autohaus kurz vor dem Verkauf. Er wirft den Arbeitgebern vor, mit niedrigen Löhnen den Verkaufswert hoch halten zu wollen. Betriebsrat Olaf Fitz nimmt das Verhalten der Arbeitgeber nicht hin: "So geht es nicht. Es ist schon lange Zeit für angeglichene Löhne." Der Warnstreik zeige, dass es sich hierbei nicht nur um Wunschvorstellungen der IG-Metall handle, sondern dass es um Forderungen der Arbeiter geht.

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