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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 06:52 Uhr

Warnstreik: Mitarbeiter im Ausstand

vom

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erstellt am 26.Mär.2012 | 07:30 Uhr

Schwerin | Rund 1000 Mitarbeiter der Kommunen und des Bundes in Mecklenburg-Vorpommern haben gestern erneut in einem Warnstreik die Arbeit niedergelegt. Schwerpunkt war Schwerin: Die kommunalen Kitas und Horte dort blieben bis elf Uhr geschlossen, das Rathaus am Morgen, die Schwimmhallen den ganzen Tag. Aber auch in Rostock, Wismar, Parchim, Stralsund und vielen anderen Orten im Land folgten Behördenmitarbeiter dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und legten die Arbeit nieder.

Ein Großteil der Warnstreikenden - nach Gewerkschaftsangaben knapp 1000 - zog vor die Staatskanzlei in Schwerin, um lautstark für die Lohnforderung in der aktuellen Tarifrunde zu demonstrieren. Klaus Weber vom Verdi-Bundesvorstand gab sich kämpferisch: "6,5 Prozent mehr, das ist nicht übertrieben", rief er. "Das habt Ihr Euch verdient." Die Demonstranten waren zur Filmmusik "Conquest of Paradise" (Eroberung des Paradieses), zu der schon Boxweltmeister Henry Maske in den Ring zog, aufmarschiert. "Wir sind es wert", war auf Plakaten zu lesen und: "Rück die Kohle raus".

Die Öffentlichkeit dürfte den Warnstreik nirgendwo so deutlich gespürt haben wie in der Landeshauptstadt. In der Stadtverwaltung von Wismar beteiligten sich nur 40 der rund 600 Mitarbeiter, wie ein Feuerwehrmann aus der Hansestadt bedauernd berichtete. In der Kantine der Rostocker Stadtwerke streikten Koch und Küchenhilfen, es gab nichts zu essen. Stadtwerke-Betriebsrat Dietmar Becker sagte, nur rund 20 Mitarbeiter seien beim Warnstreik dabei, vor allem Vertreter der kleinen Gehaltsgruppen. In der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen in Stralsund war im Katasteramt wegen des Warnstreiks niemand zu erreichen. Nicht ganz einfach dürfte dies auch im Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg (Schleswig-Holstein) und seinen Außenstellen unter anderem in Grabow gewesen sein. Die Mitarbeiter fuhren mit Bussen zur Demo nach Schwerin. In Lauenburg beteiligte sich etwa ein Drittel der Belegschaft, wie ein Teilnehmer berichtete.

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst gehen am Mittwoch in Potsdam weiter. Der stellvertretende Vorsitzende des DGB Nord, Ingo Schlüter, glaubt noch nicht an einen Abschluss, wie er sagte. Er rechne mit einer harten Tarifauseinandersetzung. Bisher bieten die Arbeitgeber 3,3 Prozent mehr Gehalt in zwei Schritten über zwei Jahre, dazu eine Einmalzahlung für alle Beschäftigten und eine Verbesserung für die Auszubildenden. Die Gewerkschaft lehnt das Angebot ab. Es entspreche nur einem Plus von 1,77 Prozent über die gesamte Laufzeit und liege damit unter der Teuerungsrate. Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) begrüßte die Tarifforderung von Verdi und die Warnstreiks. "Ich unterstütze als Arbeitgeber Ihre Aktion für eine gerechte und solidarische Lohnanpassung. Sie ist überfällig", sagte die Verwaltungschefin der hoch verschuldeten Landeshauptstadt. Eine gute Bezahlung in der öffentlichen Verwaltung sei wichtig für die Motivation der Mitarbeiter. Die dafür nötigen höheren Steuerausgaben seien eine gute Investition. Sie würden eins zu eins in Form besserer Dienstleistungen an die Bürger zurückgegeben.

Am Montag hatte Verdi zu Warnstreiks in drei Bundesländern aufgerufen. Neben Mecklenburg-Vorpommern waren Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg betroffen. Im Nordosten hatten bereits am 6. März mehrere hundert Beschäftigte des öffentlichen Dienstes die Arbeit befristet niedergelegt. Schwerpunkt war damals Rostock.

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