zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 11:48 Uhr

Warnstreik: 2000 Pädagogen demonstrieren in Rostock

vom

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2011 | 08:15 Uhr

Rostock | 50 Euro mehr Lohn und eine drei prozentige Anhebung der Gehälter: Das fordern Lehrer und Erzieher aus Rostock, Wismar, Schwerin und Greifswald. Gestern versammelten sich mehr als 2000 Pädagogen aus öffentlichen Einrichtungen am Universitätsplatz in Rostock zu einem Küstentreik, um ihrem Unmut Luft zu machen. "Ich denke, dass die Forderungen nicht überzogen sind", meint Kerstin Morawetz, Kreisvorsitzende für Rostock und Bad Doberan der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Neben einer Lohnerhöhung ist es ein weiteres Anliegen der Lehrer und Erzieher, eine allgemeine Regelung für die Altersteilzeit zu erringen. "Im Dezember 2009 war die alte Regelung abgelaufen, seitdem gibt es bisher keine neue", so Morawetz.

Der Warnstreik im öffentlichen Dienst brachte den Betrieb in den Schulen des Landes gestern gehörig durcheinander. In zwei Drittel der Schulen im Raum Rostock sei der Unterricht erheblich beeinträchtigt gewesen, auch in den anderen vom Warnstreik betroffenen Regionen konnte vielfach von Normalität nicht die Rede sein, so die GEW. Wie viel Unterricht genau ausgefallen ist, ließ sich nach Angaben des Bildungsministeriums nicht beziffern. Überall sei jedoch die anwesenden Schüler beaufsichtigt worden.

Die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner griff den Verhandlungsführer der Länder, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), scharf an. Dieser solle sich in den laufenden Tarifverhandlungen auf die Arbeitnehmer zubewegen, forderte sie. Die Gewerkschaften seien durchaus bereit und willens, ihre Streiks auszuweiten. Bereits am kommenden Dienstag soll ein weiterer, dann landesweiter Warnstreik die Schulen und andere Bereiche in Mecklenburg-Vorpommern treffen. Warnstreiks laufen seit Wochenbeginn bereits auch in anderen Bundesländern. "Die Arbeitgeber können sich getrost warm anziehen und sie sollen wissen, das hier ist erst der Anfang", sagte Lindner. Von der Tarifrunde sind im Nordosten über 40 000 Menschen betroffen.

Ein Lehrer in MV verdient im Berufseinstieg nach einem siebenjährigen Studium rund 2600 Euro Brutto. Das seien zehn Prozent weniger Verdienst im Vergleich zu einem Metallfacharbeiter, so Lindner. Den Beschäftigten fehle aber auch die Anerkennung durch die öffentlichen Arbeitgeber, klagten viele Demonstranten. "Es geht um die Aufrechterhaltung und Sicherung öffentlicher Dienstleistungen, und es geht nicht zuletzt um Gerechtigkeit", sagte der Vorsitzende der dbb MV, Dietmar Knecht. Vor allem die Lehrer sind mit den Zuständen nicht zufrieden. So sollten im 21. Jahr nach der Wiedervereinigung die Gehälter im Osten endlich denen der Kollegen im Westen entsprechen. "Dazu kommt die Mehrarbeit wie Elternbesuche, die ich unentgeltlich machen muss", sagte die Lubminer Lehrerin Petra Sohns. Zudem dürften die Lehrer nicht Vollzeit arbeiten, obwohl sie lange genug studiert haben.

Auf dem Universitätsplatz hatten sich bei Minusgraden auch etliche Straßenwärter versammelt. Ihnen geht es neben den Gehaltsforderungen auch um eine Gefahrenzulage, wie einer ihrer Vertreter, Thomas Prehn, betonte. Für die Kollegen wären 50 Euro mehr eine Anerkennung und Prehn findet damit bei den Umstehenden Zustimmung. "Die Straßen werden für uns immer gefährlicher", sagte einer. Die Autofahrer nähmen immer weniger Rücksicht.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen