Jubiläum : Warnemünder Urgestein wird heute 90

Blättert in alten Büchern, die Fotos aus längst vergangenen Zeiten zeigen: der Warnemünder Wolfhard Eschenburg.
Blättert in alten Büchern, die Fotos aus längst vergangenen Zeiten zeigen: der Warnemünder Wolfhard Eschenburg.

Wolfhard Eschenburg feiert Geburtstag. Der Fotograf richtet 1998 Archiv ein, in dem auch Werke seines Vaters Karl Eschenburg zu sehen sind.

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09. Juli 2018, 08:00 Uhr

Wolfhard Eschenburg, der heute seinen 90. Geburtstag begeht, sitzt in seinem Sessel, trinkt eine Tasse Kaffee und blättert in Büchern, die Fotos aus längst vergangenen Zeiten zeigen. „Diese Bücher wie unter vielen anderen ,Das alte Mecklenburg in Photographien von Karl Eschenburg‘, sind das Lebenswerk meines Vaters“, sagt der Warnemünder, der 1928 als ältester Sohn von Karl und Gertrud Eschenburg das Licht der Welt erblickte. „Die Jahre, vor allem die ersten 20, sind meilenweit weg. Überhaupt ist die Zeit so schnell vergangen“, sagt der Jubilar, der sich dennoch gern ab und zu an seine Kindheit erinnert. Obwohl sein Vater Karl, der zunächst als Ingenieur bei Arado arbeitete und ab 1928 sein Hobby, die Fotografie, zum Beruf machte, sehr oft mit der Kamera in ganz Mecklenburg unterwegs gewesen ist. Als der Vater starb, war Wolfhard gerade 19 Jahre alt, hatte das Abitur in der Tasche und ging bei dem Rostocker Fotografenmeister Hans Arppe in die Lehre.

Noch bevor er die Meisterprüfung ablegte, eröffnete er gemeinsam mit seiner Mutter sein eigenes Geschäft, sorgte für die Familie. Sehr schnell machte er sich in der Branche einen ausgezeichneten Namen, war Obermeister der Berufsgruppe der Fotografen in Rostock, nahm einigen Hundert jungen Menschen die Prüfung ab und überreichte ihnen die Gesellenbriefe. Neben den in einem Fotogeschäft anfallenden täglichen Arbeiten wie der Porträtfotografie galt seine besondere Liebe immer der kirchlichen Architektur und Kunst. „Auch in den rund 40 Jahren DDR habe ich mir Themen gesucht, die mir Spaß gemacht haben“, sagte er in einem vor längerer Zeit geführten Gespräch. Dabei erinnerte er an einen Bildband anlässlich des 750. Geburtstages der Stadt Rostock und an ein Buch über das Doberaner Münster, das seine fotografische Handschrift trägt.

Im zeitigen Frühjahr 1998 hat Wolfhard Eschenburg sein Fotohaus in der Alexandrinenstraße, wo ihm beruflich seine Frau Helga stets zur Seite stand, schweren Herzens geschlossen. Die nächsten Monate nutzte der Warnemünder, um in seinem Haus in der Parkstraße sein Foto Eschenburg Archiv einzurichten. Zahlreiche vielbeachtete Publikationen, die die Arbeiten seines Vaters Karl vor allem aus den 1930er-Jahren, aber auch eigene Fotografien zeigen, sind über die Jahre teils gemeinsam mit Historikern entstanden. Zudem haben mehrere Hotels und Pensionen ihre Räume mit fotografischen Aufnahmen geschmückt, die einen einmaligen Einblick in das Leben früherer Zeiten gewähren.

Seit 2006 befindet sich das Foto Eschenburg Archiv und damit eine für Mecklenburg einzigartige Fotosammlung, die etwa 20 000 Fotos, Negative und Glasplatten umfasst, im Eigentum der Universität Rostock.

Wolfhard Eschenburg hat seinen Kaffee ausgetrunken. Er geht in sein Arbeitszimmer und zeigt einige weitere Bücher. „Die Dauerausstellung im Heimatmuseum, die ist wirklich gut geworden. Vielleicht sehen wir uns dort mal wieder“, sagt der Senior.

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