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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 03:07 Uhr

Wirtschaft : Warnemünder baut in Lissabon

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Meißner Elektronic installiert Beschallungsanlage im Stadion von Benfica Lissabon. Premiere in der Champions League am 9. Dezember.

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Sven Meißner sitzt hinter seinem Schreibtisch im Büro in der Mühlenstraße in Warnemünde und blickt auf den Monitor seines Computers. Ein Foto des „Estádio da Luz“ – ins Deutsche übersetzt „Stadion des Lichts “ – in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon füllt den gesamten Schirm aus. Nicht von ungefähr betrachtet der Chef der Firma Meißner Elektronic – die in der dritten Generation seit nunmehr 67 Jahren am Markt ist – dieses Bild. Denn für diese Arena hat Sven Meißner einen Großauftrag an Land gezogen.

„Ich freue mich sehr, dass wir von den Verantwortlichen eines der größten Fußballclubs der Welt das Vertrauen bekommen haben“, sagt er. Zwischenzeitlich war für ihn der lukrative und anspruchsvolle Auftrag, in dem weltbekannten Fußball-Tempel eine neue Beschallungsanlage zu installieren, fast schon abgeschrieben. Denn bereits Ende 2010 gab es die Nachfrage aus Lissabon, im Februar des darauffolgenden Jahres das erste Treffen vor Ort.

Dass die Portugiesen Meißner Elektronic als kompetenten Partner im Auge hatten, ist auch ein wenig dem Zufall, vor allem aber den Referenzen der mittelständischen Firma aus Warnemünde geschuldet. Denn neben dem Stadion in Rostock haben Sven Meißner und seine Mitarbeiter auch die Arenen in Hannover, Magdeburg, Dresden und Mainz mit Beschallungsanlagen ausgerüstet. Bei diesen Aufträgen gab es auch Kontakt zu ABB Deutschland. In diesem, einem der führenden Unternehmen im Energie- und Elektronikbereich, arbeitet zufällig ein Bruder von José Encarnacao. Das ist genau der Mann, der mit seiner Firma Tec Quantum für Benfica Lissabon auf der Suche nach einem Fachbetrieb war, der die Beschallung im „Estádio da Luz“ auf modernsten Stand bringen kann. Der Bruder empfahl Sven Meißner.

Dann ging alles ganz schnell. Schon nach den ersten Kontakten gab es mit den Chefs von Benfica Unterredungen sowie einen Besuch in Deutschland mit Besichtigung der Anlagen in den Stadien in Mainz und Dresden. „Wir haben komplette Simulationen für das Stadion in Lissabon erstellt, ganz viel Vorarbeit geleistet. Eigentlich sollte es 2011 losgehen“, erinnert sich Sven Meißner. Aber auf einmal herrschte Funkstille, die José Encarnacao erklären kann: „Bei einem Fußballverein ist es ganz einfach so, dass die Investitionen in Beine und Köpfe an erster Stelle stehen. Da war das Bauprojekt zeitweilig nicht oberste Priorität.“

Sven Meißner hegte noch immer Hoffnung auf einen Anruf, zumal er in die Vorbereitung und Planung des Vorhabens viel Kraft und Zeit gesteckt hatte. Ja, er stellte sogar einen Portugiesen in seiner Firma ein, um Sprachbarrieren auszuräumen. Ricardo Feuerstein de Sousa trat wie geplant 2011 seine Arbeit an, obwohl das Lissabon-Projekt auf Eis lag. Der Elektriker gehört aber heute noch zur Belegschaft, denn er ist „ein guter Mann“, wie Sven Meißner sagt. Und nun greift sein eigentlich gedachter besonderer Verwendungszweck doch noch. Denn Ricardo Feuerstein de Sousa ist einer aus dem wohl dreiköpfigen Team, das unter Führung von Sven Meißner in Lissabon arbeiten wird. „Wir haben über unseren Partner Tec Quantum noch einheimische Kräfte geordert. Denn es ist ein sehr enger Zeitplan für uns“, sagt er.

Am 9. Dezember muss die Anlage in Betrieb gehen können. Benfica plant die Premiere der neuen Beschallung zum Spiel in der Champions League gegen Bayer Leverkusen an diesem Tag. „Ich habe keine Angst vor diesem Auftrag, sonst hätte ich ihn nicht annehmen dürfen. Aber Respekt vor der Aufgabe zu haben ist schon richtig“, erläutert Sven Meißner.

Am 20. Oktober sollen die Arbeiten vor Ort beginnen. Bis dahin sind noch einige Weichen zu stellen. So muss die gesamte Technik angeliefert werden. Das geht nur mit einer Spedition auf dem Straßen- oder auf dem Schiffsweg, denn im Flugzeug dürfen solche elektronischen Geräte nicht transportiert werden. Es kommt eine Masse an Ausrüstungsgegenständen zusammen. So gehören allein 110 Lautsprecher in einer Größe von 80 mal 80 Zentimetern und einem Einzelgewicht von zirka 80 Kilogramm zur künftigen Ausstattung. Hinzu kommen 378 kleine Lautsprecher. 14 Kilometer Kabel, die im gesamten Stadion zu verlegen sind, stehen ebenfalls auf der Bestellliste. Sven Meißner rechnet mit insgesamt elf Tonnen Gewicht.

Das Foto des „Estádio da Luz“ auf seinem Computer klickt der Firmenchef weg, ruft Listen und Zeichnungen auf. Es sind Unterlagen für weitere Aufträge, die von den Mitarbeitern der Firma Meißner in Mecklenburg-Vorpommern oder in anderen Städten Deutschlands in den nächsten Wochen und Monaten zu erfüllen sind. „Natürlich ist der Benfica-Auftrag für einen kleinen Handwerksbetrieb, wie wir es sind, ein wirtschaftlich wichtiger Meilenstein. Aber wir dürfen und werden unsere anderen Geschäfte nicht vernachlässigen. Da sind wir wie bisher mit unserer Zuverlässigkeit und Fachkompetenz am Ball. Denn wir wollen ja noch lange am Markt sein“, so Sven Meißner. Beruhigend und wichtig ist für ihn, dass er sich auf „seine Leute daheim und seine Ehefrau Sabine“, die bei seiner Abwesenheit die Fäden in der Hand hat, absolut verlassen kann. Der Warnemünder will aber in Portugal die Regie führen, Er verhehlt keineswegs, dass er schon damit liebäugelt, dass die von seiner Firma in Lissabon hinterlassene Qualitätsarbeit möglicherweise das Interesse weiterer Fußballclubs auf der ganzen Welt weckt. Von daher könnte es durchaus sein, dass auf dem Computer-Bildschirm in der Mühlenstraße in Warnemünde demnächst das Foto einiger anderer Stadien aufgerufen wird.

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