Hansetour-Sonnenschein : Pedalritter erstrampeln mehr als 125.000 Euro

Der Organisator der Hansetour-Sonnenschein, Claus Ruhe Madsen (vorne rechts) und der Tourkapitän Stefan Gruhn vor dem 150 Mann starken Fahrerfeld.
Der Organisator der Hansetour-Sonnenschein, Claus Ruhe Madsen (vorne rechts) und der Tourkapitän Stefan Gruhn vor dem 150 Mann starken Fahrerfeld.

Trotz Corona-Beschränkungen und schlechtem Wetter war die 24. Ausgabe der Rostocker Benefizrundfahrt ein voller Erfolg.

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06. September 2020, 14:00 Uhr

Rostock | Claus Ruhe Madsen steigt vom Rennrad, setzt den Helm ab und streicht sich durch die Haare. Die Anstrengung der vergangenen vier Tage steht ihm ins Gesicht geschrieben. Doch als er die Bühne betritt, dreht er sich um, strahlt und sagt: "Schön, dass ihr hier angekommen seid. Herzlich willkommen in Rostock."


Unter lautem Beifall von Familie, Freunden und Passanten rollte der Tross der Hansetour Sonnenschein am Sonnabend kurz vor 18 Uhr über die Warnemünder Strandpromenade heran, wo die Benefizrundfahrt traditionell endet. Rund 150 Radler sind seit Mittwoch rund 540 Kilometer gefahren, um Spenden für chronisch und schwer kranke Kinder zu sammeln, so auch Rostocks Oberbürgermeister und Organisator der Tour, Claus Ruhe Madsen (parteilos).

Empfang mit großem Hallo

Am Fuße des Leuchtturms veranstaltete die AOK Nordost am Sonnabend zum zweiten Mal ein Familiensportfest für die Wartenden. Und die Freude über das Erreichen des Ziels war auf beiden Seiten groß, die Stimmung der Fahrer gelöst. Jede kleine Spende aus dem Publikum wurde genauso euphorisch bejubelt wie die größeren Spendenchecks, die nach und nach auf der Bühne ihren Besitzer wechselten.

Der Sprecher der Ostseesparkasse Rostock, Ronny Susa (Mitte), überreichte den Spendenscheck über 15.000 Euro an Rostocks OB und Tour-Organisator Claus Ruhe Madsen (parteilos, l.).
Tina Wollenschläger
Der Sprecher der Ostseesparkasse Rostock, Ronny Susa (Mitte), überreichte den Spendenscheck über 15.000 Euro an Rostocks OB und Tour-Organisator Claus Ruhe Madsen (parteilos, l.).


110.000 Euro kamen für schwer erkrankte Kinder zusammen. Davon haben allein die Pedalritter 13.000 Euro unterwegs "erjagt und gesammelt", berichtete Tourkapitän Stefan Gruhn. Als traditionell großer Partner rundete die Ostseesparkasse Rostock (Ospa) den Betrag auf 125.000 Euro auf. In den kommenden Tagen sollen auch alle restlichen Spendendosen ausgezählt werden, sodass dann das endgültige Ergebnis feststeht.

Die Spenden gehen hälftig an das Projekt "Mike Möwenherz", ein Viertel an die Kinderklinik des Uniklinikums und ein Viertel an verschiedene Projekte in den Regionen, die der Tour-Tross in diesem Jahr passierte.

"Das ist echt verrückt. Das hätte ich im Leben nicht gedacht", sagte Madsen, der die Tour seit 2017 organisiert. Natürlich hätte der Förderverein gehofft, dass etwas Geld zusammenkommt, als sie beschossen, die Tour mit zweimonatiger Verzögerung und unter Corona-Auflagen zu starten. Doch nicht mit so viel. Schließlich seien es schwere Zeiten für Firmen und Kommunen, "doch die wollten uns unbedingt unterstützen", so Organisator Madsen.

Bei den 21 Zwischenstopps der vier Etappen wurde das Fahrerfeld von den jeweiligen Gemeinden mit kleinen Darbietungen überrascht und verpflegt - zusätzlich zur finanziellen Unterstützung.

Gute Laune voraus

Dem Benefiz-Tross immer voraus war ein kleiner Tourbus. Der beherbergte nicht nur die mobile Bühne der Hansetour, sondern sorgte auch für gute Laune im Peloton, so Mayk Pohle. Die Juckebox sei an einem Regentag wie Sonnabend besonders wertvoll gewesen. "Ab 8 Uhr hat es nur geregnet", so der Redakteur unserer Zeitung. "In Gingst regnete es so stark, dass wir nicht mehr weiterfahren konnten."

Die Jukebox, alias Tourbus, fuhr während der Tour dem Fahrerfeld voraus, das von Claus Ruhe Madsen angeführt wurde.
Mayk Pohle
Die Jukebox, alias Tourbus, fuhr während der Tour dem Fahrerfeld voraus, das von Claus Ruhe Madsen angeführt wurde.


Aus den Lautsprechern des Tourbusses dröhnte passenderweise das Lied "Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein", so Pohly. Extra für Madsen erklang auch "Er hat ein knallrotes Gummiboot" auf dänisch. Das schlechte Wetter der vergangenen Tage machte den Fahrern sehr zu schaffen. Verluste gab es auch. "Wir hatten einen schweren Sturz, einen Zahn weg und einen Wirbelschaden", berichtete Madsen. Und zwei, drei kleine Stürze, aber das sei nicht zu verhindern.

Die wahren Helden der Tour

"Großen Respekt habe ich vor der Leistung der Jäger und Sammler", sagte Pohle, der erstmals alle vier Etappen der Hansetour-Sonnenschein absolvierte. Im vergangenen Jahr fuhr er eine Etappe zur Probe mit. Die Stimmung im Fahrerfeld, das "Wir-Gefühl" und die sportliche Herausforderung hatten es ihm angetan. Also trainierte er. "Ohne Training geht das nicht. Die Geschwindigkeit liegt im Mittel bei 20 Kilometer pro Stunde und die Rundfahrt halte Anstiege von bis zu zehn Prozent bereit." Die Herausforderung liege darin, sich immer wieder zu motivieren, durchzuhalten.

Reporter Mayk Pohle war privat mit am Start der Hansetour-Sonnenschein.
Mayk Pohle
Reporter Mayk Pohle war privat mit am Start der Hansetour-Sonnenschein.


Jetzt könne er ermessen, was die Fahrer in den weißen Trikots leisten. Jäger, die Ordner der Hansetour, fuhren dem Fahrerfeld voraus, um die Straßen abzusichern. Sammler klopften an Autoscheiben und baten die Fahrer um Spenden. Dafür mussten sie sich immer wieder zurückfallen lassen.

Auf die Frage, ob er nächstes Jahr wieder dabei ist, antwortet Pohle: "Na klar, ist ja für einen guten Zweck und Spaß macht es auch."

Das Tourlied zum Abschied

Zum Abschied der 24. Auflage der Hansetour Sonnenschein holte Madsen die wahren Helden der Tour auf die kleine Buhne vor dem Leuchturm. Der Organisator bedankte sich bei den 150 Teilnehmern, die eines eint: die Leidenschaft für den Radsport und der Wille, etwas Gutes zu tun. "Das ist ein tolles Gefühl, wenn Menschen einfach mitmachen und sich dem stellen. Ihr wart eine super Truppe."

Ein Dank ging auch an alle Sponsoren und Partner der Hansetour-Sonnenschein. Mit dem Tourlied verabschiedete sich die Benefiztour bis zum nächsten Jahr. "Das ist schon eine sehr besondere Tour gewesen", so Madsens Fazit.

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