zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 09:06 Uhr

Strahlung : Warnemünde misst Radioaktivität

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Wetterstation zeichnet täglich Werte auf. Nach dem Unglück von Fukushima 2011 wurde erstmals die Nachweisgrenze überschritten

Von Hiroshima über Tschernobyl bis Fukushima – welche Auswirkungen Atomwaffentests und Unfälle in den Kernkraftwerken der Welt auf die Warnemünder Ostseeküste haben, wird an der Wetterstation in der Seestraße überwacht. „Seit 1997 messen wir neben Lufttemperatur, -druck und -feuchtigkeit auch die Radioaktivität in Luft und Niederschlag“, sagt Rudolf Kemnitz, Leiter der Wetterstation.

Rund um die Uhr nehmen die Geräte auf dem Hinterhof der Ostsee-Station die Menge der verschiedenen radioaktiven Strahlungen in Luft und Niederschlag auf. Der wird in Auffangwannen gesammelt. „Es gibt eine Monats- und eine Tagesprobe“, sagt Kemnitz. Der Niederschlag wird eingedampft, bis nur noch Staub übrig bleibt. Das passiert erst in handelsüblichen Kochtöpfen, dann in kleinen Metallschälchen, die im Sandbad erhitzt werden. In den winzigen Staubmengen können schließlich die verschiedenen Strahlungen nachgewiesen werden.

„Das erste Mal, dass wir Werte über der Nachweisgrenze festgestellt haben, war 2011 nach dem Unglück von Fukushima“, sagt der Meteorologe. Knapp 14 Tage später waren in Warnemünde erhöhte Werte zu verzeichnen. „Natürlich himmelweit entfernt von gefährlichen Werten“, relativiert der Wetter-Experte.

„Nachdem bis in die 50er-Jahre hinein in vielen Staaten Versuche mit Atomwaffen durchgeführt wurden, kam irgendwann die Idee auf, vielleicht auch die Radioaktivität in der Umwelt zu messen“, sagt Meteorologe Kemnitz. Um ein breites Netz zu schaffen, wurden die Wetterstationen in ganz Deutschland beauftragt, die Werte zu registrieren. Täglich geben die 48 Stationen im Vier-Stunden-Takt ihre Daten an die Zentrale in Offenbach. „Dort werden unsere Messungen ausgewertet und interpretiert. Wenn erhöhte Werte festgestellt werden, gilt erhöhte Bereitschaft. Dann geben wir alle zwei Stunden unsere Ergebnisse durch“, so Kemnitz.

Mit Hilfe der Messungen können die Meteorologen aber nicht nur die aktuellen radioaktiven Werte feststellen, sondern unter Berechnung gegenwärtiger Wetterphänomene auch Ausbreitungsvorhersagen treffen und sogar rückwirkend herausstellen, woher die Radioaktivität kommt, so Kemnitz. Dadurch wurden an Stationen in Grenznähe schon kleinere Unfälle in Kraftwerken nachgewiesen, die vorher gar nicht bemerkt wurden.

Angst vor einem zweiten Unglück wie in Tschernobyl und dessen Auswirkungen bis an die Ostsee müssten die Menschen dank der kontinuierlichen Radioaktivitätsüberwachung der Atmosphäre also nicht haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen