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19. November 2017 | 08:07 Uhr

Walpurgisnacht in der Rostocker Innenstadt

vom

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2012 | 10:52 Uhr

Rostock | "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche" zwar längst, doch frühlingshaft sind die Temperaturen an diesem windigen Vormittag ganz gewiss nicht. Der Osterspaziergang liegt Ende Februar noch Wochen entfernt, nicht so aber die Premiere von Goethes Monumentaldichtung "Faust". Derzeit laufen Dreharbeiten für Filme, die in der Volkstheater-Inszenierung zu sehen sein werden. "Der Tragödie zweiter Teil" erschien erst nach dem Tode des Weimarer Heroen und verewigt den Widerstreit zwischen dem in Sachen Dialektik unschlagbaren Mephisto und dem allzu menschlichen, weil unersättlichen Selbstentdecker Faust. Nun zeigt das Rostocker Theater in Koproduktion mit der Hochschule für Musik und Theater (HMT) das legendäre Werk.

Ein Kleinbus fährt auf das Rostocker Steintor zu. Der Berliner Regisseur Wolf Bunge steigt aus, gefolgt von Kollegen mit Kamera und Mikrofon und dem Maskenbildner. Dann tauchen sie auf, zwei schmale Gestalten, in Weiß gehüllt und unverkennbar als Greife maskiert. Rosa Flaum bedeckt ihren Hals. Mit ruckenden Kopfbewegungen schnarren sie ihren Text: "Niemand hört es gern, dass man ihn Greis nennt." Das ist eine Textstelle aus dem zweiten Akt, in dem sich Faust, Mephisto und Homunkulus ins antike Griechenland zur Klassischen Walpurgisnacht begeben. "Zwischen den Filmfiguren und den Theaterfiguren auf der Bühne wird so ein Dialog entstehen", beschreibt der Regisseur seine Inszenierungsidee. Statt entrückter griechischer Antike durchschreiten die Goethe-Figuren das kleine Universum der Rostocker Stadtkulisse. Interpretation ist ausdrücklich erwünscht.

Nach mehrmaliger Wiederholung ist die Szene abgedreht. Nun steigen zwei frierende Sphinxe aus dem warmen Bus und stecken ihre Köpfe zusammen. Synchron hauchen sie: "Was sagst du zu der gegenwärtigen Stunde?" Gemeint ist Mephisto, doch vielleicht nutzen sie als Untertext auch den Bezug zum Wetter, das den Schauspielstudentinnen sichtbar Kälteschauer über den Rücken jagt. Schauspieldirektor Jörg Hückler ist froh, nach dem "Urfaust" und "Faust I" nun den zweiten Teil in Rostock zur Premiere zu bringen. "Mit bekannten Zitaten aus dem ersten Teil erwacht Faust zu Beginn der Bühnenhandlung. Den großen klassischen Text in unserem kleinen Theater zu inszenieren, stellt für die erfahrenen Schauspieler genau wie für die Studenten der HMT eine spannende Herausforderung dar." Die Premiere von "Faust - Der Tragödie zweiter Teil" ist am Freitag, 2. März, im Theater im Stadthafen.

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