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23. November 2017 | 06:52 Uhr

Wallanlage soll zum Erlebnis werden

vom

svz.de von
erstellt am 29.Mär.2012 | 07:15 Uhr

Rostock | Die Wallanlagen sollen wieder zu einem Parkerlebnis mit historischem Anstrich werden. Dazu will Dr. Stefan Neubauer, Chef des Amts für Stadtgrün, gezielt in den Wildwuchs auf den Böschungen eingreifen und so die ganzjährige freie Sicht wiederherstellen. Allerdings erst ab Herbst, früheres Handeln untersagt das Naturschutzgesetz. Das machte Neubauer bei einer Aufklärungsveranstaltung über die denkmalpflegerische Zielstellung zu den Wallanlagen am Mittwoch im Kloster zum Heiligen Kreuz deutlich.

Befürchtungen zahlreicher Einwohner, das Amt plane einen Kahlschlag, entschärft Neubauer aber: "Wir hauen da nicht alles restlos weg." Vielmehr gehe es vor allem um den Korridor unterhalb der Baumkronen und überhalb der Hüfte. Hier will der Amtsleiter ansetzen, um die Höhenunterschiede der Wälle hervorzuheben. Ein Schwerpunkt dabei sollen die Innenflächen der Teufelskuhle sein. "Da sieht man im Sommer nichts mehr", so Neubauer. Insbesondere der Spitzahorn habe sich dort breit gemacht.

Instandsetzung ist dringend notwendig

"Es gibt in ganz Norddeutschland keine so gut erhaltene Höhendramatik wie die in Rostock", sagt Landschaftsarchitekt Prof. Stefan Pulkenat. Dieses Alleinstellungsmerkmal sei schon in den zurückliegenden Jahrhunderten immer gärtnerisch ausgenutzt und gestaltet worden. Daran soll nun angeknüpft werden. "Die Instandsetzung der Wallanlage ist bitter nötig", sagt Pulkenat. Werde jetzt nicht gehandelt, würde das Problem innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre doppelt so groß, sagt der Planer. So nähmen wild gewachsene Bäume auf der Böschung beispielsweise den Platanen auf dem Oberwall das Licht. Diese seien deswegen schon heute zum Teil schief gewachsen. "Wenn man nichts tut und alles sich selbst überlässt, funktioniert das nicht", sagt Pulkenat. Er spricht sich aber ebenfalls gegen einen radikalen Kahlschlag aus. Auch in Zukunft sollten Bäume und Büsche auf der Böschung stehen - allein schon, um ihr Halt und damit Sicherheit zu verleihen.

"Für die nächste Zeit haben wir uns im Bereich der Pflege drei Schwerpunkte gesetzt: die Promenade auf dem Oberwall, den Bereich Kanonsberg und Fischerbastion sowie den Spielplatz auf dem Mittelwall", sagt Neubauer. Dort will er die Sauberkeit verbessern, Vandalismusschäden beseitigen und die Wege ausbessern. Im Bereich der Investitionen plant er, im Herbst auf dem Kanonsberg Bäume zu pflanzen sowie die Bauarbeiten an der Vorfläche des Kröpeliner Tors, am verrohrten Wallgraben und am neuen Hotel am Schröderplatz aktiv zu begleiten.

Bei den Einwohnern kommt das gut an. Denn mit dem derzeitigen Zustand sind sie nur teilweise zufrieden. "Ich würde den Wallanlagen eine Drei geben", sagt beispielsweise Manfred Benthin. Gerade der Spielplatz könne ordentlicher aussehen und auch mehr Bänke seien wünschenswert. Als "schmutzig" empfindet auch Danny Schultz die Parkflächen. Er plädiert dafür, lieber Treppen und Sitzgelegenheiten zu renovieren, statt Büsche und Bäume zu fällen. Die machten die Wallanlagen schließlich zu einer sehr lebendigen Oase. Und das nicht nur für die Menschen, sondern auch für alle möglichen Tiere. "Es sollte lieber grün bleiben", sagt er.

Planer Pulkenat begrüßt die starke Anteilnahme der Rostocker an der Gestaltung der Wallanlage: "Es ist gut, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen, das hat sie auch verdient." Allerdings heiße Planen auch, Kompromisse zu schließen. Etwa, weil in den Anlagen auch zahlreiche Leitungen verlaufen. Unter anderem sind dort Fernwärmerohre verlegt.

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