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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. Oktober 2017 | 01:34 Uhr

Rostock : Wahlkampf um das Traditionsschiff

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Maritimer Rat will alles tun, um die Rostocker zu überzeugen. Info-Points auf Schlepper und in Hafen-Container geplant

von
erstellt am 15.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Der Wahlkampf um das Traditionsschiff hat begonnen. Der Maritime Rat will es unbedingt in den Stadthafen holen und will dafür mit 180 Plakaten, Flyern, Aufklebern, neuer Internetpräsenz, zwei Info-Points im Stadthafen, einer Ausstellung in der Societät, einer Zeitschrift und Straßengesprächen werben.

„Wir tun alles, damit eine demokratische Entscheidung zustande kommt“, sagt der Vorsitzende Hans-Joachim Hasse – und damit die mit einem „Ja!“ für den Stadthafen ausfällt. Slogan: „Go Tradi go“. Die Gegner, Ortsbeiräte des Nordwestens oder auch die IGA GmbH, wollen, dass das Schiff im IGA-Park bleibt. Am 24. September bestimmen die ab 16-jährigen Rostocker beim Bürgerentscheid parallel zur Bundestagswahl, wohin das Schiff liegen wird.

Der Wahlkampf des Maritimen Rates ist teuer – wie teuer, will Hasse nicht verraten. Getragen würde er von den 22 Mitgliedsvereinen und -unternehmen und deren Spenden. Darunter seien keine Parteien, versichern Hasse, Stellvertreter Jochen Pfeiffer und Schatzmeisterin Rita Matthies – anders als es Gerüchte propagierten. Ohnehin sei so einiges, was kursiert, „sachlich falsch“. Etwa wurden die Kosten für die Verlegung von der Stadtverwaltung mit 3,7 Millionen Euro beziffert. „Wir haben Kenntnis davon, dass es ein Angebot unter zwei Millionen Euro gibt“, sagt Hasse. Auch sei das Tradi bisher nicht so gut erreichbar, wie propagiert würde. „Der IGA-Park wird schöngeschrieben“, kritisiert Hasse. Der Rat wolle Schmarl nichts wegnehmen, im Gegenteil: „Man könnte die ,Likedeeler’, die Jugendarbeit sehr viel mehr fördern und da einen schönen Freizeitpark machen.“ Der Rat fokussiert sich auf die Verlegung des Tradis. Mit umziehen müssten aber gemäß Fragestellung zum Bürgerentscheid auch die anderen maritimen Ausstellungsstücke im IGA-Park wie Betonschiff, Schwimmkran und Seezeichen-Pfad. „Wenn es zu einer Umverlegung kommt, muss konzeptionell gearbeitet werden“, kommentiert Hasse. Per se seien sie zwar nicht dafür, zwangsweise alle Ausstellungsstücke mitzunehmen, möglich sei das aber. Ihr Fokus sei, das Tradi zu beleben, zu überholen – zu einem Erlebnis zu machen zum Beispiel mit einem Simulator auf der Brücke. „Wir wollen Action“, sagt Pfeiffer. Das Tradi soll an das Martime Erlebniszentrum angebunden werden. Laut einer Studie des Hamburger Büros FWI, das im Auftrag der Stadt die Standorte verglichen hat, sei der Stadthafen der bessere Ort, dort könne es sich dank eines Jahresgewinns von 700 000 Euro weitgehend selbst tragen. Im IGA-Park wäre es mit rund 100 000 Euro Minus pro Jahr ein Verlustgeschäft. Dort kämen laut Studie deutlich weniger Besucher.

Kommentar von Nicole Pätzold: Welche Wahl eigentlich?
Stadthafen oder Schmarl? Das ist die Frage in Rostock. Am 24. September soll sie endgültig beantwortet werden. Der Maritime Rat hat offiziell seinen Wahlkampf gestartet und ist präsenter als so manche Partei zur Bundestagswahl. Das Tradi könne ein neuer Besuchermagnet im Stadthafen werden, ihn erwecken, das maritime Erbe in den Mittelpunkt der Stadt rücken, ihre Entwicklung zukunftsfähiger machen, argumentiert der Maritime Rat. Und er hat sich das Ganze in eine schicke Kampagne „Go Tradi go“ formen lassen. Auch wenn die Gegner der Verlegung nicht so zusammengeschlossen sind wie der Rat, leise wird ihre Antwort nicht sein. Wenn das so weitergeht, stellt der Bürgerentscheid noch die Bundestagswahl in den Schatten.
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