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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. August 2017 | 15:39 Uhr

Wärme-Versorgung: Rostock brodelt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wiro will Mieter zum Teil selbst beliefern und macht damit dem Schwesterunternehmen Stadtwerke Konkurrenz

Wildert die Wiro im Revier der Stadtwerke? Für die Bürgerschaftssitzung im September hat sie einen Plan vorgelegt, demzufolge sie ein Tochterunternehmen als eigenständigen Wärmelieferanten für – zunächst – 7600 Wohneinheiten gründen will. Die Firma soll sowohl bestehende Anlagen zur Versorgung mit Wärme- und Warmwasser übernehmen, als auch Neubau und Ersatz koordinieren.

Leidtragender wären die Stadtwerke, fürchten Kritiker. Laut Wiro beziffert das Schwesterunternehmen im städtischen Konzern die möglichen Umsatzeinbußen beim Erdgasverkauf auf mehr als eine Million Euro, der Erlös bei der Fernwärme werde um rund 100 000 Euro einbrechen. Dieses Geld benötigt Rostock unter anderem zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs. Doch trotz der Zahlen beteuert Wiro-Chef Ralf Zimlich: „Dieses Unternehmen wird niemals eine Konkurrenz für die Stadtwerke“, sagt er. Das Thema Strom sei ausgeschlossen. Sämtliche Anlagen, die zur Diskussion stehen, befänden sich außerhalb des Fernwärme-Anschlusszwangs. Zudem würden die Betriebskostenabrechnungen der 36 000 vermieteten Wohnungen aufzeigen, dass die Versorgung per Fernwärme mit 1,20 bis 1,30 Euro je Einheit teuer sei. Gas etwa koste nur 80 bis 90 Cent, innovative Anlagen wie die Eisspeicherheizung sogar nur 35 bis 40 Cent. Daher sei die eigenständige und moderne Wärmeerzeugung auch im Interesse der Mieter: „Wenn ich eine Energieträgerumstellung mache und es wird nichts besser, aber teurer, dann kann ich das nicht erklären“, so Zimlich, der auf eigene Abführungen an Rostocks Haushalt verweist.

Johann-Georg Jaeger, Aufsichtsratschef der Stadtwerke, greift das Konzept trotzdem in Teilen an. „Dort, wo Fernwärmeleitungen liegen oder nur noch die Verzweigung fehlt, wäre die Umstellung eine Vernichtung öffentlicher Gelder“, sagt er. Ohne sie sei der Wiro-Ansatz jedoch durchaus richtig. Derzeit sind nur rund 64 Prozent der Nutzer an das Fernwärmenetz angeschlossen. Zielgröße im Klimaschutz-Masterplan der Stadt sind 80 Prozent. „Fernwärme funktioniert nur dann, wenn alle mitmachen“, sagt Jaeger. Sie sei das Rückgrat der Stadtwerke. Es bestehe die Gefahr, dass sich die städtischen Tochterunternehmen „gegenseitig die Beine weghauen“.

Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) stellt klar: „Jede Tochter der Mutter Stadt hat eine spezielle Aufgabe, für die sie gegründet wurde.“ Allerdings sieht er durchaus Raum für einen Kompromiss. In kompakten Vierteln habe zwar Fernwärme Vorrang. Aber „wo die Wohnungsdichte weniger kompakt ist, wünsche ich mir Null- oder Plusenergiehäuser“ – wie die in den Wiro-Plänen.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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