Vorhang auf im Großen Haus

Morgen können sich die Rostocker das sanierte Große Haus anschauen: Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski lädt zum Tag der offenen Tür ein. Michaela Krohn
Morgen können sich die Rostocker das sanierte Große Haus anschauen: Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski lädt zum Tag der offenen Tür ein. Michaela Krohn

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07. September 2012, 07:31 Uhr

Rostock | Es ist geschafft: Das Große Haus des Volkstheaters ist nicht nur endlich brandschutzsicher ausgestattet, auch der Empfangsbereich und das Foyer sind renoviert worden. Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski erklärt: "Wir haben hier mehr als 200 Brandschutztüren und hunderte Brand- und Rauchmelder in allen Räumen des Gebäudes neu installiert." Dabei seien letztere mit weniger als drei Euro pro Stück noch die günstigste Investition gewesen. Die Türen an den Ausgängen seien so genannte Paniktüren, die im Falle einer Evakuierung leicht und schnell zu öffnen seien. Zudem gelte jetzt im gesamten Gebäude Rauchverbot.

Die offensichtlichen Neuerungen für die Besucher sind jedoch die dekorativen Umbau- und Renovierungsarbeiten. Pünktlich zur gestrigen Premiere der Rockoper "The Who’s Tommy" haben Mitarbeiter, Maler und Reinigungskräfte noch einmal alles gegeben. Das Foyer erstrahlt nun in leuchtendem Weiß und ist somit in seinen Originalzustand zurückversetzt worden.

Die größte Sorge ist die alte Bühnentechnik

"Wir haben das typische Grün verbannt und vor allem mit Licht und heller Farbe gearbeitet, hier und da rote Akzente gesetzt", sagt Rosinski. Der einstige Teppich ist herausgerissen worden. Anstelle von Sitzecken gibt es jetzt nur noch Stehtische und im Garderobenbereich ist die Holzvertäfelung komplett ausgetauscht worden.

Auffällig ist der minimalistische Einrichtungsstil. "Wir wollten und konnten nicht allzu viel mit Farbe arbeiten, weil es zu teuer gewesen wäre", so Rosinski. Wichtiger sei es, die Architektur des Hauses - den Bauhausstil - zu würdigen und zu erhalten. Doch wie sieht es hinter der Bühne aus? Dort sorgt sich der Theater-Chef besonders um die Bühnentechnik, die noch aus den 40er-Jahren stammt. Sie muss dringend erneuert werden. "Auch der restliche Einrichtungsstandard entspricht noch immer dem der 70er-Jahre", so Rosinski. Zu sehen ist dies überwiegend in den Garderoben der Darsteller. Dort sei von einem modernen Theater nicht viel zu sehen. Bis auf eine Sprinkleranlage und frische Farbe an den Wänden ist auch in Probenräumen längst nicht alles getan. Die Akustik sei dermaßen schlecht, dass ein Arbeiten unter diesen widrigen Bedingungen kaum möglich sei, so Rosinski. Das findet auch Schauspieler Günter Berdermann. Er sagt: "Was nützen mir die vielen Sicherheitsvorkehrungen, wenn ich nicht ordentlich proben kann?"

Noch schlimmer sieht es im Verwaltungstrakt aus. "Wirklich begehbar ist der nicht. Es sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", sagt Rosinski. Ob und wann es dort eine Sanierung geben kann, sei ungewiss. Trotzdem plädiert der Theater-Chef für ein Durchhalten, bis ein neues Gebäude bezugsfertig ist. Denn dass es einen Neubau geben muss, steht für Rosinski außer Frage: "Für mich gibt es dazu keine Alternative. Zwar könnten wir vielleicht noch höchstens zehn Jahre hier ausharren, aber viel länger darf es nicht dauern." Zu beachten sei ja auch eine Bauzeit von fünf bis sieben Jahren für ein neues Haus. "Es muss ein vernünftiger Anfang gemacht werden", fordert Rosinski, denn allein die Instandhaltungskosten für das Große Haus würden derzeit bei 20 000 Euro jährlich liegen.

Wer sich selbst ein Bild von den neu gestalteten Räume machen will, kann dies am Sonntag beim Tag der offenen Tür tun oder beim Besuch einer der Vorstellungen von "The Who’s Tommy", die am ersten Abend nahezu ausverkauft war.

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