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13. Dezember 2017 | 12:29 Uhr

Vor der Geburt in die Polizeikontrolle

vom

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2012 | 08:38 Uhr

Südstadt | Mit Blaulicht in den Kreißsaal - so hatte sich Christin Kroos die Entbindung ihres zweiten Kindes nicht vorgestellt. Gestern kurz nach Mitternacht waren sie und ihr Freund Marcel Fischer unterwegs in die Südstadtklinik, als die Polizei sie anhielt.

"Wir hatten noch gar nicht mit der Geburt gerechnet", sagt die junge Mutter. Den Termin hätten sie erst am 12. Februar gehabt. Das interessierte Klein Oskar aber wenig. Mitten in der Nacht wachte Christin Kroos auf. "Ich dachte ich muss nur zur Toilette." Stattdessen machte sich Baby Oskar auf den Weg. Sie weckte ihren Freund. "Jetzt gehts los", habe sie gesagt. Sohn Maximilian schlief im Nebenzimmer. Den 10-Jährigen wollten sie nicht allein lassen, sondern noch eilig zu den Großeltern nach Groß Klein bringen.

"Mann, meine Frau muss ins Krankenhaus"

Jetzt musste alles schnell gehen: Tasche schnappen, Maxi anziehen und ab ins Auto. Sie fuhren von Lütten Klein nach Groß Klein. Natürlich dachte der werdende Vater erst mal nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. "Aber ich habe den Polizeiwagen an der Ampel in Lütten Klein gesehen." Rasch habe der selbstständige Brandsanierer noch kontrolliert, ob er auch angeschnallt ist. Doch die Polizei blieb hinter ihm. Vielleicht machte es sie erst recht stutzig, dass er so schnell das Tempo gedrosselt hatte und nun so vorsichtig fuhr. "Ich bin bewusst langsam gefahren, um sie erst mal loszuwerden", sagt Fischer. "Das hat ja gut geklappt", sagt Freundin Christin lachend. Der Polizeiwagen ließ sich nicht abschütteln. Auf der Warnowallee Richtung Groß Klein machten die Beamten das Blaulicht an und haben die kleine Familie rausgewunken. Fischer war sauer. "Ich bin aus dem Wagen gesprungen und direkt auf ihn zu. Ich sagte: "Mann, meine Frau muss ins Krankenhaus." Der Polizist sei zurückgeschreckt, hatte wohl gedacht, es gäbe Ärger, ehe er die Situation erkannte.

"Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht, als ihnen der Fahrer mitteilte, dass er seine Partnerin ins Krankenhaus bringen müsse, da diese ein Kinder erwartet", heißt es von Polizeirat Jörg Bruhn. Die Nerven der werdenden Mutter lagen blank. "Das ist so typisch, dass das passieren musste", sagt die Altenpflegerin. Glücklicherweise hätte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht solche Schmerzen gehabt. Aber einfach weiterfahren durften sie auch nicht. Die drei Beamten wollten auf Nummer sicher gehen und orderten einen Rettungswagen. Etwa zehn Minuten habe es gedauert bis er angekommen wäre, erzählt die junge Mutter- Zeit, die ihr sehr lang vorkam. Mit dem Rettungswagen ging es für sie dann endlich weiter ins Krankenhaus.

Ihr Freund fuhr Maximilian schnell zu den Großeltern, wollte zurück zu seiner Frau. Von jetzt an ging alles glatt. Oskar hielt sich doch noch kurz zurück, die Presswehen dauerten nur eine halbe Stunde und nach zweieinhalb Stunden war die Geburt um 3.44 Uhr geschafft. Oskar hat von dem Stress nichts mitbekommen. 3000 Gramm bringt er bei einer Länge von 48 Zentimetern auf die Waage. Er ist ein glückliches Baby, nur noch ein wenig fertig von der aufregenden Nacht - genauso wie seine Eltern, die von Verfolgungsjagden erst mal genug haben.

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