Schlepper-Reederei Fairplay : Vor 25 Jahren zu neuen Ufern

Schlepper-Parade  im heimischen Hafenrevier: „Axel“, „Bugsier 16“, „Fairplay XII“ und „Fairplay II“ (v. l.)  Fotos: Reiner Frank
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Schlepper-Parade im heimischen Hafenrevier: „Axel“, „Bugsier 16“, „Fairplay XII“ und „Fairplay II“ (v. l.) Fotos: Reiner Frank

Die Schlepper-Reederei Fairplay ist seit Anfang Juli 1990 in Rostock und ein wichtiges Glied in der maritimen Dienstleistungskette

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08. Juli 2015, 12:00 Uhr

An den Warnemünder Molen gehen nacheinander drei Schlepper in Position, während ein großer Bulker von Reede kommend unter Lotsenregie die Hafenzufahrt ansteuert. Der 225 Meter lange Massengutfrachter soll 60 000 Tonnen Weizen für Saudi-Arabien laden und wird im Geleit der drei Kraftpakete sicher zum Terminal bugsiert.

Alltag für die Besatzungen der für die Niederlassung der Reederei Fairplay in MV tätigen Schlepper. Seit inzwischen 25 Jahren zeigt das 1905 gegründete Hamburger Unternehmen in Rostock Flagge. Am Abend des 1. Juli 1990 hatten in aller Stille die Schlepper Fairplay I, VIII und XV von Hamburg Kurs auf Rostock genommen, um hier nach gerade erfolgter Wirtschafts- und Währungsunion ihre Dienstleistungen anzubieten. Zunächst mit Hamburger Crew, ab Herbst dann auch mit heimischen Seeleuten. Anfänglich argwöhnisch beobachtet in Konkurrenz der Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei (BBB).

Die Spezialreederei aber ging nach fehlgeschlagener Privatisierung an ein holländisches Unternehmen und kriminellen Machenschaften Konkurs. Betriebsteile und Personal der BBB wurden durch Fairplay im Frühjahr 1993 von der Treuhand gekauft. In den Folgejahren wurden die Kapazitäten ausgebaut, entwickelte sich die Fairplay-Niederlassung zu einem wichtigen Bindeglied in der maritimen Dienstleistungskette zwischen Wismar und Wolgast.

Die Schifffahrtskrise 2008/ 2009 bekam auch die Schleppschifffahrt zu spüren. Aufträge von Reedereien und Werften gingen dramatisch zurück. Die seit 2002 vom Diplomtransportökonom Frank Herzer (54) geführte Niederlassung verabschiedete sich von Randgeschäften wie der Vermietung von Pontons und dem Festmacherdienst in Wismar, straffte den Personalstamm, in dem für altersmäßig ausgeschiedene Seeleute kein Ersatz eingestellt wurde.

Inzwischen ging es wieder aufwärts. 2014 war die Auftragslage schon deutlich besser als die Jahre zuvor, berichtet Herzer, der im ersten Halbjahr 2015 eine weitere Steigerung verzeichnet.

Rund 50 Mitarbeiter sind gegenwärtig in der Niederlassung tätig, ihre Dienstleistungen erfolgen mit den Schleppern „Fairplay XII“ und „Axel“ (je 42 Tonnen Pfahlzug) sowie „Bugsier 16“ (31 Tonnen) und „Fairplay II“ (28 Tonnen Zugleistung). Sie wirken seit Jahresbeginn aber nicht mehr als Arbeitsgemeinschaft MV zusammen. „Bugsier 16“ und „Axel“ fahren in Charter beziehungsweise Kooperation für Fairplay. In der Arge Küstenschutz zusammen mit Bugsier sind wiederum die Schlepper „Baltic“ in Warnemünde (gegenwärtig von „Fairplay 33 “ vertreten) und „Fairplay 25“ in Sassnitz wichtige Aktivposten. Dafür wird gemeinsam mit den Baltic Tauchern und der Reederei Bugsier auch das Boardingteam für Rettungseinsätze gestellt, das bei der Havarie der „Silver Carla“ Mitte Januar selbst in der Nordsee im Einsatz war.

Den Alltag der Arbeitsschlepper bestimmen vor allem Getreideexporte in Rostock und Mukran, Produktentanker, Kohle-Zufuhren für das Kraftwerk, Projektverladungen bei Liebherr und Verschiffungen von Offshore-Anlagen vom EEW-Großrohrwerk. Vom Schiffbau ist es fast nur noch die Neptun-Werft, die Schleppleistungen beim Ein- und Ausdocken der Flusskreuzer und Verholen des Docks sowie für die Verschiffung von Sektionen bedarf.

Ein Saisonhöhepunkt ist auch für die Fairplay-Niederlassung die Hanse Sail, wo dann auch Großsegler an den Haken zu nehmen sind und Partnern aus Schifffahrt, Schiffbau und Hafen mit einer Gästefahrt Danke für die Zusammenarbeit gesagt wird. Bei den Portpartys am Kreuzfahrtterminal wird ein Schlepperballett geboten. Einen Vorgeschmack lieferten vorige Woche die Kapitäne Jan Palatschek, Wolfgang Künzel, Ralf Huhn und Norbert Gottschalch, die ihre Schiffe am Neuen Strom zum Tanz formierten. „Fairplay VIII“, eines jener Schiffe, die vor 25 Jahren zu neuen Ufern von Hamburg nach Rostock aufbrachen, ist heute nach Einsätzen in Stralsund und zuletzt in Wismar Museumsschiff im Traditionshafen der Hamburger Hafencity.

Für die gegenwärtig etwa 35 Schlepper der Fairplay-Unternehmensgruppe haben sich die Tätigkeitsfelder inzwischen im harten Wettbewerb von Antwerpen bis nach Gdynia ausgeweitet.

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