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24. November 2017 | 11:55 Uhr

Von Landstrom bis zum Gasmotor

vom

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erstellt am 09.Nov.2011 | 12:15 Uhr

Rostock | Die Schifffahrt ist ein umweltfreundlicher Verkehrsträger. Während der Liegezeiten im Hafen müssen die Schiffe allerdings die Motoren mit geringer Leistung weiterlaufen lassen, um an Bord Strom zu erzeugen. Abgase belasten die Fahrtgebiete, wenn Schweröl verbrannt wird und ungefiltert Stickoxide, Schwefeloxide und Rußpartikel ausgestoßen werden. Allein im Hamburger Hafen verursacht der Schiffsverkehr etwa ein Drittel der Stickoxid-Belastungen der Hansestadt. Allerdings, so Thorsten Guhr, Director HESS Policy & Compliance bei Aida Cruises, hat die Rostocker Kreuzfahrtreederei die weltweit jüngste und modernste Flotte, die weitaus weniger verbraucht und weniger Schadstoffe emittiert als der Branchendurchschnitt. Und der Anteil der Kreuzfahrtindustrie an der Schifffahrt sei mit 0,53 Prozent ohnehin minimal. Guhr ist für Grundsatzfragen bei der Einhaltung und Durchsetzung von Gesetzen und internationalen Umweltregeln zuständig.

Luft und Gewässer sind sauber zu halten

Der 46-Jährige ist seit einem Jahr in Rostock tätig, fuhr zwölf Jahre bei der Marine zur See, wirkte zuletzt in den Klassifikationsgesellschaften Germanischer Lloyd (GL) und Det Norske Veritas (DNV). Er und Bastian Tesching, Manager Energy & Environment, widmen sich Fragen des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit im Rostocker Kreuzfahrtunternehmen. Der 30-jährige Tesching ist gebürtiger Rostocker und nach seinem Wirtschaftsingenieur-Studium seit 2006 bei Aida. Er wirkt an Land in jener Fachabteilung, die Projekte für umweltfreundlichen Schiffsbetrieb auf den Weg bringt und auch die Arbeit der Umweltoffiziere an Bord begleitet.

Die Luft und die Gewässer in den Häfen und Fahrtgebieten sauberer zu halten - diesem Ziel sieht sich Aida Cruises verpflichtet. "Umweltbewusstsein und wirtschaftlicher Erfolg sind für uns kein Widerspruch", heißt schon ein Grundsatz im jüngsten Nachhaltigkeitsbericht des Rostocker Unternehmens, das mit seinen Schiffen 180 Häfen in mehr als 60 Ländern ansteuert und einer jährlich steigenden Anzahl von Gästen Urlaubsfreuden bietet. "Dabei beginnt unsere Verantwortung schon im Detail", machen die beiden Aida-Manager deutlich. Sie berichten über eine Vielzahl von Maßnahmen, die dazu beitragen, Umweltbelastungen weitestgehend zu minimieren. Nach dem Beispiel der "Aidacara" erhielten beispielsweise alle Schiffe einen giftfreien Unterwasseranstrich auf Silikonbasis. Durch die geringere Reibung wurden so im vergangenen Jahr etwa drei Prozent weniger Treibstoff für den Antrieb benötigt.

Verlassen auf den Neubauten "Aidasol" und "Aidablu" Passagiere ihre Kabine, geht automatisch auch das Licht aus und die Klimaanlage fährt herunter. Dank dieser zentralen Steuerung wird der Energieverbrauch in den Kabinen deutlich reduziert. Biologische Kläranlagen an Bord sorgen für eine effektive Wasseraufbereitung. Die Mülltrennung und -entsorgung wurde perfektioniert. Für die Entsorgung der Abwässer werden in der Ostsee landseitige Anlagen genutzt - die entsprechende Infrastruktur ist im nächsten Jahr auch in Warnemünde einsatzbereit. Schon mit dem Fahrplan wird durch das Routing der Schiffe Einfluss auf einen optimalen Maschinenbetrieb und damit auf den Treibstoffverbrauch genommen. Viele weitere Maßnahmen trugen dazu bei, dass seit 2007 der Treibstoffverbrauch pro Gast und Tag um 18,2 Prozent reduziert werden konnte.

80 Prozent weniger Stickoxis in der nächsten Generation

"Die beste Tonne Treibstoff ist die, die wir nicht verbrauchen", konstatiert Tesching. Deshalb beteilige sich Aida auch an verschiedenen Forschungsprojekten. So auch an der Entwicklung emissionsarmer Antriebe beispielsweise durch das Projekt "e4ships" des Bundes, mit dem der Einsatz von Hochtemperatur- und Brennstoffzellen auf Schiffen erforscht und unter Alltagsbedingungen geprüft wird. Für die nächste in Japan entstehende Aida-Schiffsgeneration ist der besonders umweltfreundliche Einsatz von Flüssiggas für den Betrieb von Dual-Fuel-Motoren im Hafen geplant. Gas erzeugt keine Schwefelemissionen und der Ausstoß von Stickoxiden verringert sich um 80 Prozent.

Mit dem so genannten Heat Recovery System wurde bereits ein zukunftsweisendes Verfahren entwickelt, das zunächst auf der "Aidamar" zum Einsatz kommen soll. Die Anlage kann Abwärme in Kälte für die Klimatisierung an Bord umwandeln und Frischwasser erzeugen. Auch in Sachen Landstrom ist Aida Cruises engagiert. Anschlüsse wie sie die Stena Line und Color Line in Göteborg und Oslo bieten, sind nur für Fährschiffe auf festen Verbindungen eine Lösung. Das Problem der Kreuzliner sind die vielen Anlaufhäfen, die unterschiedlichen Frequenzen und Spannungen der Bordnetze für die verschiedenen Schiffe. Und für den Eigenbedarf an Land benötigt ein größerer Kreuzliner immerhin 5,5 Megawatt im Durchschnitt. Flexibler ist da schon das Projekt Port Power-Barge des Hamburgers Georg-Dieter Fehner. Mit diesem schwimmenden Kraftwerk will er nahezu abgasfrei mit Erdgas Strom und Wärme erzeugen und sie mobil an große Seeschiffe liefern.

Modelle für das Aufdecken weiterer Optimierungen

Für Aida Cruises ein interessanter Vorschlag. Die Reederei ist Partner der Stadt Hamburg bei der Entwicklung einer Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe im Hafen. Die Schiffe der Aida-Flotte sind für den Anschluss an Landstrom vorbereitet.

Bis 2015 ist in Ost- und Nordsee bereits der Schwefelanteil in den Treibstoffen von 1 auf 0,1 Prozent zu senken. Ein Prozent gilt ab August 2012 auch für das Fahrtgebiet Nordamerika. Der Einsatz von hochwertigen Destillaten als Treibstoffe und weitere technische Lösungen werden gefragt sein. Das stellt neue Herausforderungen an die Kreativität der Mitarbeiter von Aida Cruises, denn die Treibstoffkosten dürften um etwa ein Drittel steigen. Deshalb wird das "Energiesystem Schiff" genau unter die Lupe genommen. Auf der "Aidasol" werden die Energieflüsse gemessen, um daraus Modelle für das Aufdecken weiterer Optimierungen für die Flotte zu entwickeln.

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