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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. August 2017 | 19:37 Uhr

Forschung : Von der Quote bis zum Ökosiegel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Christopher Zimmermann übernimmt die Leitung des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. Die Einrichtung forscht im Sinne einer umweltfreundlichen Fischerei und wird in der Politik regelmäßig auch beratend tätig.

Am Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock-Marienehe fand jüngst ein Stafettenwechsel statt. Der Biologe Dr. Christopher Zimmermann (48) wurde im vergangenen Dezember zum neuen Institutsleiter berufen. Anfang Januar gab er nun im Kreise der Mitarbeiter seinen Einstand und zugleich verabschiedete sich Dr. Cornelius Hammer (60), der als designierter Präsident Aufgaben beim Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) übernimmt. Christopher Zimmermann, bislang stellvertretender Leiter des Instituts, hatte sich im vergangenen Jahr im Berufungsverfahren für die Stelle durchgesetzt und will die erfolgreiche Arbeit Cornelius Hammers weiterführen, der seit 2002 das Institut führte, das damals noch zur Bundesforschungsanstalt für Fischerei gehörte.

Änderungen in der Ausrichtung der Forschungsrichtung, so Christopher Zimmermann, werde es unter seiner Führung lediglich in Nuancen geben. Schließlich habe er die Entwicklung des Instituts an der Seite Cornelius Hammers in den vergangenen Jahren mitgeprägt. Der gebürtige Nürnberger, der in Kiel Fischereibiologie studierte, über die Ökophysiologie von Fischen der Polarmeere promovierte und ab 1997 im Hamburger Institut für Seefischerei tätig war, hat seit gut acht Jahren in Rostock sein Wirkungsfeld. Hier initiierte er unter anderem mit der Fischindustrie die Website fischbestaende.portal-fischerei.de.
Rund 60 Mitarbeiter sind inzwischen am Rostocker Institut tätig. Ziel der Forschungen ist es, in internationaler Zusammenarbeit die wissenschaftliche Basis für eine umweltverträgliche Fischerei zu schaffen und die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen umzusetzen. Die Forschungen konzentrieren sich auf vier Arbeitsbereiche: die Bestandskunde und Ökologie kommerziell genutzter Fischbestände, die Umweltauswirkungen der Fischerei sowie die Fischereitechnik und Politikberatung. Aufgaben, die Konfliktstoff in sich bergen. Die Fischbestände sind begrenzt. Die Wissenschaftler wollen mit ihren Empfehlungen an die Politik die Bestände schützen helfen, stellen somit mit der Quotierung der Fänge die Weichen für eine langfristig profitable und nachhaltige Fischerei. Die Fischer aber haben Kredite abzuzahlen und müssen mit steigenden Betriebskosten leben. Jeder Einschnitt ihrer Arbeit bedroht ihre Existenz. So auch die aktuelle Quote des Herings der westlichen Ostsee, die um 23 Prozent gesenkt wurde, weil der Nachwuchs geringer ausgefallen ist.

Zwar sind die Preise insgesamt gestiegen, aber da die Fänge in der Ostsee noch nicht nach MSC-Ökosiegel (Marine Stewardship Council) zertifiziert sind, ist hier im Gegensatz zum Nordseehering der Absatzmarkt beschränkt. Ohne MSC-Siegel nehmen Handelsketten Heringsprodukte aus der Ostsee kaum noch ab. Hintergrund ist ein EU-interner Streit. Für den westlichen Ostseehering gibt es noch keinen von der Europäischen Union abgesegneten Managementplan, weil sich EU-Ministerrat und EU-Parlament nicht einigen können, wer den einrichten darf.

Der Nachweis eines Fischmanagements ist neben dem Nachweis eines gesunden Fischbestandes und geringer Umweltauswirkungen jedoch eine von drei Säulen, die für eine MSC-Zertifizierung erforderlich wären. Christopher Zimmermann sieht dafür aber Licht am Horizont. Der Fischereibiologe ist als Vorsitzender des Technischen Beratenden Gremiums des MSC in dieser Mission gerade wieder in London aktiv.

Im Gegensatz zum Hering könnte der Dorsch in der östlichen Ostsee stärker befischt werden. Dort aber nimmt sich der stark angewachsene Bestand inzwischen gegenseitig das Futter weg und wächst vielfach nur in „Dreikantfeilen“ ähnelnder Größe heran, was diesen Dorsch für die Filetproduktion ungeeignet macht. Die Fischer müssen abwägen, ob die Betriebskosten und der Aufwand da nicht höher sind als die zu erwartenden Einnahmen. In diesem Spannungsfeld aber steuern beide Seiten gemeinsam eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen an. So manche Dinge, so auch die geltende Praxis in der Behandlung der Beifänge, bedürfen noch der Regelung.

Die Fischereiforschung hat dafür ihren Beitrag zu leisten. Dem Silber des Meeres ist sie auch mit drei Forschungsschiffen auf der Spur. Mit der in Rostock stationierten neuen „Clupea“ werden in der Mecklenburger Bucht gerade neue Netze für den Plattfischfang erprobt. Das Schiff war im April 2012 zur Ermittlung von Bestandsdaten kommerziell genutzter Fischbestände in Dienst gestellt worden und hilft seitdem die Forschungen weiter zu intensivieren.

Allein der äußere Vergleich mit der 65 Jahre alten „Clupea“, die als „Praunus“ am Nachbar-Liegeplatz zu sehen ist und vom Verein Fisch und Umwelt vom jetzigen privaten Betreiber noch für Forschungen gechartert wird, zeigt die imposante Entwicklung. Auch für die 21-jährige „Walter Herwig III“ soll es einen Neubau geben. Er wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ausgeschrieben und die Forscher hoffen, dass er 2016/17 in Betrieb genommen werden kann.

Das erst 2006 übernommene neue Institutsgebäude im Fischereihafen platzt bereits aus allen Nähten. Seit einigen Jahren gibt es Ausbaupläne, um Platz für die Fischereitechnik zu schaffen, die von Hamburg in den Aufgabenbereich des Rostocker Instituts integriert wurde. Die Erweiterung ist in Richtung Kaifläche zum Alten Hafen vorgesehen. Die Grundstücksflächen wurden längst erworben und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben, aber der Bau lässt weiter auf sich warten. Christopher Zimmermann will mit dafür streiten, dass es 2015 endlich losgeht und nach einigen Mitarbeitern auch die Werkstatt aus Hamburg nach Rostock umziehen kann.

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erstellt am 22.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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