zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 09:38 Uhr

Flohmärkte in Rostock : Von der Lust am Stöbern

vom

Fast jeden Sonntag gibt es ein bis zwei Flohmärkte. Es gibt dort fast alles, was das Sammler-Herz begehrt.

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 11:55 Uhr

Sobald Flohmarktfans ihre Autos verlassen und das Eldorado für Schnäppchenjäger betreten, ergreift sie das Flohmarktfieber. Zu den Symptomen gehören steigender Adrenalinpegel und ein unruhiger Blick.  Ihre Augen schweifen über die Tische und rastern die Waren ab. Fast jeden Sonntag gibt es einen und nicht selten  zwei dieser Märkte in Rostock und Umgebung.  Nach dem Hansecenter Bentwisch und dem Ostseepark Sievershagen sind in den vergangenen Jahren  der Handelshof Broderstorf, Globus, Ikea und Kaufland in der Südstadt als Standorte dazugekommen. Auch auf der Trabrennbahn Doberan und in der Hanse Messe gibt es Märkte.

Vielen Verkäufern liegt die Nachhaltigkeit am Herzen

 

Auf den frühen Vogel pfeifen Tine und Jörg Hesse gern. Das freundliche Paar aus Schwerin kommt immer erst mittags mit seinem Bus zum  Flohmarkt nach Sievershagen, Globus oder zu Ikea. Sie fahren nur zu den Märkten von Flohmaxx und sind stets vollbepackt mit Schätzen, die sie preiswert abgeben und teilweise aus dem Freundeskreis erhalten.

Die beiden machen es aus Freude an der Sache, es geht ihnen nicht um den Verdienst. „Angefangen hat es, als unsere Tochter Maria nach Schweden gezogen ist“, erklärt Tine Hesse. Da haben sie und ihr Mann Jörg viel verschenkt, um die Wohnung leer zu bekommen. Dann sind sie erstmals auf den Flohmarkt gefahren. „Wir haben gut verkauft“, erzählt Tine.

Daraus ist eine Leidenschaft erwachsen. „Uns geht es auch um Nachhaltigkeit, dass Dinge nicht alle weggeschmissen werden“,  erklärt Tine Hesse. Zu dieser Haltung hat sie  Tochter Maria gebracht, die sich bei Greenpeace engagiert. Seitdem trägt die Familie selbst aus Überzeugung fast nur gebrauchte Textilien. Vom Flohmarkterlös zahlen sie Standmiete und das Spritgeld. „Wir kommen gern nach Rostock, das ist unsere Herzensstadt“, schwärmt Tine. Vom Rest kaufen sie Süßigkeiten für  Senioren sowie arme und vergessene Menschen. Eine Sache bringt der Flohmarkt noch mit sich: „Wir haben hier nette Menschen kennengelernt, daraus sind Freundschaften gewachsen“ –  wie mit Heinz  Gottschalk aus Klein-Müritz. Der 81-Jährige reist  extra an, wenn die beiden da sind. mapp

Haase-Markt-Chefin sammelt selbst einiges

 

Die Chefin der Haase-Märkte ist Ellen Haase. Sie hat mal früher für ihren Mitbewerber Berthold Janssen gearbeitet. Seit 20 Jahren veranstaltet sie eigene Märkte. Eigentlich ist sie  Agraringenieurin für Rinderproduktion. Aber wie das mit vielen Biografien so ist, auch bei ihr fand nach der Wende ein Wechsel statt. „Ich bin selber gern zum Flohmarkt gegangen“, erzählt sie. Rauchverzehrer hat sie mal gesammelt, für ihre Enkel kauft sie heute auch noch Dinge ein. Und sie liebt ihren Job nach wie vor sehr.

Info: www.haase-maerkte.de

Berthold Janssen startete als Sammler

 

Mit der eigenen Sammelleidenschaft von Berthold Janssen begann die Geschichte der Flohmaxx-Märkte. „Ich sammelte Werbeschilder, Kautabakdosen und Seltenes“, sagt der Unternehmer. Irgendwann wurde daraus die Idee für die Flohmärkte geboren und aus dem Sammler und Trödler ging einer der größten Flohmarktveranstalter Norddeutschlands hervor. Berthold Janssen gründete mit seiner Frau Ida 1988 die Firma.Inzwischen betreibt er über 350 Märkte.

Info: www.flohmaxx.de

 

Traditions-Events in Rostock sind  die Haase-Märkte und die von Flohmaxx-Betreiber Berthold Janssen. Bei ihm sind auch Rüdiger und Silke Hehl sowie  Dörte Hermann mit einem vielseitigen und vergünstigen Sortiment vertreten. Sie  stehen mit ihren Ständen immer nebeneinander. „Wir kennen uns als Familien schon lange, wir waren bei unseren Hochzeiten gegenseitig unsere Trauzeugen“, erzählt Dörte Herrmann. Wer glaubt, dass  alle Flohmarkt-Betreiber privat  große Sammler sind, kann mit seiner Vermutung daneben liegen: „Ich sammle selber gar nichts, bei mir sind die Schränke zu Hause eher leer, für mich sind viele dieser Waren Staubfänger“, offenbart Rüdiger Hehl. Aber als Hobby liebt er das Flohmarkttreiben. Angefangen hat es vor 13 Jahren. Und  weil es allen solchen Spaß bereitet, sind er und seine Frau sowie Dörte Hermann dabei geblieben.

Ab jetzt mischen sich dann langsam auch Weihnachtssachen auf den Tischen mit unter die anderen Waren. Vor anderen Festen wie Ostern ist es ähnlich.  Viele Stammkunden und Händler, die immer kommen, kennen sich und kommen ins Gespräch. Wer zu den Stammkunden zählt, guckt manchmal nur kurz hinter den Tisch und erkennt am Verkäufer, was dort für Ware auf dem Tisch liegt.

Bei Rüdiger und Silke Hehl sowie Dörte Herrmann werden Schnäppchenjäger oft fündig. Dort findet sich von Krimskrams bis zu sehr sinnvollen Sachen einiges. Und das Gute: Hier gibt es vieles für einen Euro, alles  ist gut sortiert. Und was nicht verkauft wird, wandert dann wieder in eine der vielen Kisten, die bis zum nächsten Flohmarkt in der Garage eingelagert auf den nächsten Einsatz warten. Und auch das ist sicher: Für fast jedes Teil findet sich irgendwann irgendwo ein Abnehmer.

Tipps für den Flohmarktbesuch

  • Kleingeld und kleine Scheine sollte jeder parat haben, der auf den Flohmarkt geht. Es handelt und feilscht sich schlechter, wenn der Verkäufer nur große Scheine sieht. Und dann funktioniert auch der Trick nicht, dass es das letzte Geld ist.
  • Der frühe Vogel fängt einerseits auch auf dem Flohmarkt den Wurm. Da ist noch das größte Angebot vorhanden. Andererseits lassen sich auch kurz vor Schluss gute Schnäppchenpreise erzielen, weil die Verkäufer froh sind, wenn sie nicht so viel Ware wieder einpacken und zu Hause erneut auspacken müssen.
  • Handeln ist auf dem Flohmarkt absolut legitim. Dennoch gibt es auch Grenzen: Es sollte immer Fairness auf beiden Seiten herrschen. Und wenn man einen Spitzenpreis für etwas angeboten bekommt, sollten Kunden den Preis nicht noch weiter nach unten drücken. Der Verkäufer muss schließlich auch immer seine Standgebühr bezahlen.
  • Wahre Fundgruben sind die so genannten Freundinnen-Stände, wo zwei oder mehr Mädels zu Hause vieles aussortiert haben und sich gleichzeitig gemeinsam einen schönen Tag bereiten. An diesen Ständen lassen sich oft die besten Schnäppchen schlagen, außerdem herrscht hier ein Primaklima. An den Tischen wird oft sehr viel gelacht.
  • Getragene Textilien gibt es in sehr guter Qualität auf dem Flohmarkt. Auch bei Markenware lassen sich für Kunden gute Preise erzielen. Wer damit ein Problem hat, kann auch komplett neue Dinge finden, die bei den Verkäufern vielleicht ein Fehlkauf waren.
  • Einen kleinen Rabatt erbeten können Kunden, die an einem Stand mehrere Teile kauften, dazu sind die Händler oft bereit.
  • Geduld: Es ist ratsam, sich immer vom Angebot inspirieren zu lassen, als sich auf eine bestimmte Ware zu versteifen. Das birgt die Gefahr, dass es das Gesuchte an dem Tag gar nicht oder nicht besonders billig gibt. Den Wunsch im Kopf parken und ein anderes Mal realisieren, wenn es ein echter Schnapp ist.
  • Ein finanzielles Limit setzen: Wer Angst hat, zu viel auszugeben, weil die Preise so verführend sind, kann sich ein finanzielles Limit ausdenken. Nur in Ausnahmefällen sollte man darüber hinweggehen. Denn der nächste Flohmarkt kommt bestimmt.
  • Von der Präsentation der Waren hängt der Verkaufserfolg ab. Jeder sollte seinen Stand übersichtlich dekorieren. Möglichst nicht vor dem eigenen Tisch alles zustellen, sodass niemand herantreten und Dinge betrachten kann. Es ist eine gute Idee, nach Preisen zu sortieren. Es gibt Kunden, die fragen nicht gern nach dem Preis und kaufen dann nichts.
  • Schnelligkeit: Wer etwas Seltenes sucht und preiswert findet, sollte sofort zugreifen und nicht den Fehler machen und denken, dass das Stück am Ende noch da ist. Manches Unikat ist sehr gefragt.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen