Von der Baustelle zum Schmuckstück

<strong>Das 280 Jahre alte Barockschloss </strong><strong>Bothmer in Klütz: </strong>Die Anlage ist nach gescheiterten Privatisierungsversuchen seit 2008 im Landesbesitz.<foto>dpa</foto>
Das 280 Jahre alte Barockschloss Bothmer in Klütz: Die Anlage ist nach gescheiterten Privatisierungsversuchen seit 2008 im Landesbesitz.dpa

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20. Juli 2012, 09:48 Uhr

Klütz | Im Park von Schloss Bothmer wandeln Spaziergänger wieder auf historischen Wegen. Der Garten der größten barocken Schlossanlage Mecklenburg-Vorpommerns bei Klütz wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren saniert. Am 25. August soll er mit einem Konzert der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und einer romantischen Sommernacht wieder eröffnet werden. "Der Park wurde als Landschaftsgarten nach englischem Vorbild wie im 19. Jahrhundert wiederhergestellt", sagt Verwalterin Wiebke Schöne.

Bereits am morgigen Sonntag können Besucher bei einem Tag der offenen Tür den Park und - trotz der Bauarbeiten - einige Gebäude des Schlosses besichtigen. Das Haupthaus soll als erstes in zwei Jahren fertig restauriert sein. Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten bietet Vorträge zur denkmalgerechten Sanierung und Führungen an, die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin spielt im - noch unsanierten - Ehrenhof ein Sommerkonzert. Die Schlossanlage ist nach gescheiterten Privatisierungsversuchen seit 2008 im Landesbesitz.

Zum Schloss und Park führt nur ein einziger Weg, denn das Gelände ist nach holländischem Vorbild von einer Gracht umgeben. Der Erbauer, Hans Caspar von Bothmer (1656-1732), stand im Dienst des englischen Königshauses, kam in der Welt herum und ließ sich gerne inspirieren.

Noch ist die Zufahrt zu der Insel voller Schlamm, die frisch angelegten Parkwege sind vom Regen aufgeweicht. Doch was vor kurzem ein Garten mit botanischem und architektonischem Wildwuchs war, ist nun wieder ein Landschaftspark mit Ausblicken weit in die Umgebung.

Ursprünglich hatte von Bothmer um 1730 einen rechteckigen barocken Park anlegen lassen, mit symmetrischen Lindenalleen und einem runden Teich in der Mitte, berichtet Schöne. Später wurde er dem Zeitgeschmack entsprechend im Stile englischer Landschaftsgärten verändert. Wege verliefen geschwungen, ein Eiskeller und eine Orangerie wurden gebaut. Als Schloss Bothmer in der DDR als Altenheim diente, wurde der Garten erneut den Bedürfnissen der Bewohner angepasst - mit Freilichtbühne und Kaffeegarten. Diese Einbauten verschwanden bei der Sanierung kompromisslos.

Später wurden Kompromisse gemacht: "Was schön ist, wurde erhalten", sagt die Kastellanin. So entstand zwar das alte Wegesystem wieder, aber wertvolle Gehölze sollten bleiben. "Daher führt jetzt ein Weg durch einen grünen Torbogen aus Rhododendron", berichtet sie. Der Teich ist heute wieder nierenförmig, die Kronen der alten Linden in den Alleen wurden erstmals seit vielen Jahrzehnten wieder gestutzt.

Eine Rarität ist die 270 Meter lange Festonallee aus holländischen Linden, die übers Feld auf das Schloss zuläuft. Dafür wurden die Bäume so geschnitten und im Wuchs geformt, dass sie girlandenartig miteinander verbunden sind.

Bei der Sanierung des Parks wurde auch eine Sandsteinkugel neben ihrem Granitsockel entdeckt, berichtet Schöne. Der "Sandsteinglobus" genannte Fund soll ebenfalls wiederaufgestellt werden. Von der Orangerie wurden am Nordende des sieben Hektar großen Parks nur die Grundrisse wiedergefunden. Sie bleibt nur als gepflasterte Fläche erhalten. "13 Häuser sind genug", meint die Verwalterin.

Während der Bauzeit war der Park weiter für Besucher zugänglich.

Das Ehepaar Mankisch aus Nordrhein-Westfalen, das im nahen Boltenhagen Urlaub machte, war jedoch ein bisschen enttäuscht. "Nach dem Flyer hatten wir uns mehr vorgestellt", sagt Rainer Mankisch.

"Das ist ja noch eine große Baustelle."

Mit Bauarbeiten müssen die Besucher noch eine Weile leben: Im Herbst beginnt das Ausbaggern der Gracht. Die Arbeiten an den Schlossgebäuden brauchen noch Jahre. Das Haupthaus soll 2014 eröffnet werden und eine Ausstellung zur Geschichte der Herrenhäuser im Nordosten beherbergen. Dann erst können die Außenanlagen hergerichtet werden. Für die meisten dieser Gebäude steht die spätere Nutzung noch gar nicht fest.

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