zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 23:34 Uhr

Universität : Von Brasilien nach Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bárbara Soares schreibt in der Hansestadt ihre Master-Arbeit in Politikwissenschaften – zum Uni-System ihrer südamerikanischen Heimat.

„Meine Oma war Deutsche und ist als Baby mit ihrer Familie nach Brasilien ausgewandert“, erzählt Bárbara Soares. Die kritische 30-Jährige aus der brasilianischen Stadt Santo Angelo im südlichsten Bundesstaat Rio Grande do Sul ist nun seit Ende 2011 in Deutschland und kann sich bereits bestens verständigen.

Zunächst verschlug es Soares nach Krakow am See zu ihrem Großcousin. Dort begann sie sofort, deutsch zu lernen: „Das war am Anfang nicht leicht für mich, da ich auch kein englisch konnte“, sagt die portugiesische Muttersprachlerin. Mittlerweile macht sie ihren Master in Politikwissenschaften an der Uni Rostock und ist bereits im dritten Semester. Dank eines Stipendiums von Brot für die Welt braucht sie nun nicht mehr zu kellnern, sondern kann sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren.

Zwar hat die Brasilianerin in ihrer Heimat bereits Jura mit der Spezialisierung Familienrecht studiert – „doch mein Ziel ist es, Dozentin an einer Uni zu werden“, sagt Soares. Deshalb schreibt sie bis Ende des Jahres ihre Master-Arbeit zum Hochschulsystem in Brasilien. „Dann gucke ich mich nach einem passenden Doktorvater um.“ Ob sie ihre Heimat vermisst? „Mir fehlt die Sonne, unser Rindfleisch, der süße brasilianische Kuchen, meine Familie und Freunde“, sagt Soares. Von September bis Dezember 2014 war sie wieder in Brasilien, um an mehreren Hochschulen im Bundesstatt Rio Grande do Sul 33 Interviews in 19 Städten für ihre Arbeit zu führen – zumeist mit Rektoren . Ihre These lautet „Die Reform des Hochschulwesens gehört zu den größten Herausforderungen der modernen brasilianischen Politik“. Diese untersucht Soares im Hinblick auf den Aufwand, der betrieben wurde, um solche Reformen voranzutreiben.

Doch trotz mancher Sehnsuchtsaugenblicke weiß sie Rostock zu schätzen: „Ich liebe den Strand, die sicheren Radwege, die gute Betreuung an der Uni.“ Auch freut sie sich, dass ihr in der Hansestadt die Türen aufgehalten werden – „die Leute hier sind besser erzogen als bei mir zu Hause“, meint Soares. An der hiesigen Hochschule gefallen ihr „das höhere Niveau der Professoren, die organisierten Abläufe, die Super-Bibliothek, das Sportangebot und die Möglichkeit, Sprachen zu lernen.“

An der privaten Hochschule Isea in Santo Angelo hat Soares all das vermisst. „Eigentlich wollte ich an eine staatliche Uni gehen, aber der Zugang ist bei uns sehr kompliziert“, sagt Soares. Nur elf Prozent der jungen Leute kämen in ihrer Heimat an eine solche Hochschule.

Ein weiterer Vorteil an Rostock sei, dass sie hier mit ihrem Geld mehr machen könne: „Kleidung gleicher Qualität ist in Santo Angelo teurer, eine Flasche Wasser kostet dort umgerechnet 65 Cent, während ich hier nur 19 Cent zahlen muss.“

Dennoch hat es gut zwei Jahre gedauert, bis sie sich in Rostock heimisch fühlte. Mittlerweile habe sie neben ihrem Verlobten in Wismar auch Freundinnen in Rostock gefunden – aus Sri Lanka, Syrien und Spanien. „Jetzt fühle ich mich hier willkommen“, sagt Soares.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen