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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 09:07 Uhr

Schornsteinfeger : Von Beruf Glücksbringer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Abgedrehte Knöpfe und Küsse fremder Frauen gehören für Enrico Medved zum Alltag

von
erstellt am 01.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Wenn Enrico Medved in seiner Berufskleidung durch die Straßen der Rostocker Innenstadt schlendert, dann sind viele Blicke auf den 45-Jährigen gerichtet. Nicht selten kommen Menschen auf ihn zu, fassen ihn an und drehen an seinen Jackenknöpfen. Frauen geben ihm auch gerne eien Kuss auf die Wange. Für den Rostocker gehört dies mittlerweile zum Berufsalltag, denn Medved gilt als Schornsteinfeger bei vielen Menschen auch heute noch als Glücksbringer.

„Dieser Brauch kommt ursprünglich aus dem Mittelalter, als Kamine und Öfen in jedem Haus noch selbstverständlich waren“, sagt Enrico Medved. Verstopfte Wärmequellen bedeuteten damals nicht nur Kälte, sondern im schlimmsten Fall auch Feuer. Ganze Dörfer konnten den Flammen zum Opfer fallen, wenn Kamine nicht ordnungsgemäß gereinigt waren. „War also ein Schornsteinfeger da, galt diese Gefahr als gebannt. Daher stammt auch die verbreitete Ansicht, er bringe Glück ins Haus“, so Medved.

Heute hat sich das Bild des Schornsteinfegers stark gewandelt. Statt Kaminen steht für Enrico Medved in seinem Kehrbezirk, der Rostocker Stadtmitte, häufig die Kontrolle von Rauchwarnmeldern oder Lüftungsanlagen auf dem Plan. „Ich freue mich immer riesig, wenn ich auf dem Land mal wieder einen alten Kachelofen reinigen darf“, so Medved. Auch mit der Berufskleidung wird es längst nicht mehr so traditionell gehalten - nur schwarz muss sie auch im 21. Jahrhundert immer noch sein.

Für Enrico Medved ist seine tägliche Arbeit dabei weitaus mehr als nur ein Job. Bereits mit 17 Jahren ging er in die Ausbildung, hängt 1992 seinen Meister dran. „Der Kontakt mit den Menschen und der große Vertrauensvorschuss, dem sie meinem Berufszweig entgegenbringen, ist einmalig“, meint der 45-Jährige, während er den Blick über die schneebedeckten Dächer Rostocks schweifen lässt.

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