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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 00:19 Uhr

„Molotow“-Kult : Vom Ural nach Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Peter Kopper hat russisches Geländemotorrad M72 wieder flott gemacht – samt Beiwagen und Anhäger

„Sie müssen unbedingt mal mitfahren, damit Sie auch wissen, worüber Sie schreiben“, rät Peter Kopper. Ich kann den stolzen Besitzer eines „Molotow“-Motorrads mit Beiwagen und Anhänger, einer M 72, Baujahr 1942, unmöglich enttäuschen. Je öller, je maller, denke ich, als ich nach kurzem Zögern die Einladung annehme, mir von seiner Frau Angret eine zünftige Motorradjacke, Helm und Brille geben lasse und in den Beiwagen der Oldtimer-Maschine klettere.

Zwei kräftige Fußtritte auf den Kickstarter, der Motor brummt und die Runde durch den Ort beginnt. Recht hatte mein Fahrer und ich danke ihm für dieses einmalige Erlebnis, bei dem ich an die Jugendjahre mit meinem geliebten „Berlin“-Roller dachte, während mir der Fahrtwind ins Gesicht blies.

Die M 72 wurde in den Jahren 1941 bis 1957 in Irbit, östlich des Urals, gebaut und von der Roten Armee in den Kriegsjahren als geländetaugliches Motorrad eingesetzt, erfahre ich. So kam das Krad bis nach Deutschland, hinterließ Spuren in Leipzig, Halle, Gadebusch, Klütz – und in Rostock. Als 18-Jähriger lernte Peter Kopper 1962 mit dieser Maschine bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) das Motorradfahren, seine Führerscheinprüfung musste er allerdings auf einer AWO machen. Die „Molotow“ wurde seine große Liebe, bis Beruf und Familie keine Zeit mehr für das Hobby ließen. Als er aber 2008 in den Ruhestand ging, wusste er: Der Bau einer M 72, Stück für Stück aus Originalteilen, sollte seine erste Aufgabe werden. Anfang Februar 2009 kam er mit einem hochbeladenen Anhänger voller schrottreifer Teile im Gehlsdorfer Garten an und am ersten Mai konnte er mit seiner Frau Angret die erste Tour machen. „Es gab keine Zulassungsprobleme“, erzählt er stolz. „Und trotzdem wurde ich zuerst von der Polizei angehalten. Ob sie sich die Maschine einmal ansehen dürften, wurde ich gefragt.“ Da zum Motorrad auch der Original-Beiwagen und -Anhänger gehören, ist das Gespann ein echter Hingucker. Mittlerweile hat Peter Kopper das Krad alltagstauglich gemacht, wie er sagt. Elektrischer Starter, Blinker, Rückwärtsgang und andere Finessen, die das Fahren und Schieben erleichtern. „Wenn alles beladen ist und wir zur Urlaubstour starten, wiegt das Gespann etwa zehn Zentner“, erklärt er. Schneller als 70 Kilometer pro Stunde fährt er damit selten.

Jedes Jahr wird Pfingsten zur ersten Jahresausfahrt gestartet. Voll beladen mit Zelt und kompletter Campingausrüstung, geht es mit Gleichgesinnten in Richtung Müritz, nach Flecken Zechlin. Auch in den Spreewald und an die Berliner Seen zieht es sie. Sie sind eine große Gruppe, zu der auch Sohn und Enkel mit ihren „Ural“-Maschinen gehören, die wie bei einer Sternfahrt aus allen Gegenden dazustoßen. „Es macht einfach Spaß“, sagt Peter Kopper und seine Frau nickt lächelnd. Als er die Beiwagendecke überzieht, sehe ich die aufgezeichnete Route der M 72 – vom Ural nach Rostock.

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