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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 08:21 Uhr

See & Hafen : Vom Umschlag bis zur Forschung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Dr. Gernot Tesch über Perspektiven des Rostocker Hafens / Kapitän Uwe Pahl bringt sich in die Konzeption für „Polarstern II“ ein

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erstellt am 21.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Der Güterumschlag im Rostocker Hafen ist im vergangenen Jahr um zwölf Prozent gewachsen und auch in diesem Jahr ist mit einer weiteren guten Entwicklung zu rechnen, wenn sie auch voraussichtlich nach zuletzt ein wenig verhaltenem Umschlagbetrieb nicht mehr zweistellig ausfallen dürfte. Bei der Jubiläumsveranstaltung des Nautischen Vereins Rostock führte Dr. Gernot Tesch, Geschäftsführer der Hafen-Entwicklungsgesellschaft, als Festredner mit diesen Fakten die vorläufige Hafenprognose des Bundes ad absurdum. Sie sagt für Rostock, wo zuletzt schon 21 bis 22 Millionen Tonnen über die Kais gingen, bis 2030 nur eine Steigerung des Umschlages auf knapp 25 Millionen Tonnen voraus.

Obwohl Lübeck im vergangenen Jahr nur ein Wachstum von einem Prozent verzeichnete, wurden dem Standort an der Trave größere Chancen eingeräumt als dem Umschlagplatz an der Warnow, kritisiert Tesch. Für Ausbauvorhaben wie die weitere Vertiefung des Seekanals von 14,50 auf 16,50 Meter aber sind optimistischere Prognosen schon von großer Bedeutung, verbessert sich so doch das Nutzen-Kosten-Verhältnis und steigen damit die Chancen, dass der Bund der Investition hohe Priorität einräumt.

Der Rostocker Seehafen ist nach Nettotonnage bereits der größte deutsche Ostseehafen, lediglich brutto (also mit den Behältern im Ro-/Ro- und Fährverkehr) verzeichnet Lübeck noch ein höheres Umschlagergebnis. Tesch nennt Vor- und Nachteile des Rostocker Hafens, wobei er letztere auch als Herausforderungen wertet. Als Vorteile sieht er insbesondere die kurze Seestrecke, das noch staufreie Hinterland und gute nautische Bedingungen in der Zufahrt, die sich mit der angesteuerten Vertiefung noch weiter verbessern würden. Zudem ist Rostock ein Universalhafen, kann also ungleichmäßige Güterstruktur-Entwicklungen besser ausgleichen. Von Bedeutung ist auch ein starker Industriefaktor, der zwar nicht durch zählbare Tonnen, aber durch Wertschöpfung und Beschäftigungseffekte seinen Niederschlag findet, allerdings teilweise auch Kaiflächen in Beschlag nimmt.

Als nachteilige Faktoren wertet er neben dem fehlenden Binnenwasseranschluss Probleme mit der Flächenverfügbarkeit, die interne Optimierung und Flächenvorsorge für die nächsten Jahrzehnte notwendig machen. Entsprechende Untersuchungen würden gegenwärtig vom Unternehmen Inros gemacht, sollen Vorbehalt- zu Vorranggebiete werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Im kombinierten Verkehr habe Lübeck noch die Nase vorn. Hier habe man zwar in Rostock durch Ausbau der Umschlageinrichtungen die Kapazitäten verdoppelt, aber zunächst nur eine leichte Umschlagsteigerung erreicht. Die niedrigen Ölpreise führen mehr Lkw auf die Straße, zudem hatte die Bahn mit Streiks ihre Probleme. Bislang auf Nord-Süd-Verkehre konzentriert, werden neue Hinterland-Areale angesteuert, verbinden seit Juni Trailer-Züge auch Rostock mit Duisburg, damit zum Westen Deutschlands und darüber hinaus zu den Bene-Lux-Ländern bis nach Frankreich. Auch Osteuropa, so Tesch, dürfe aber nicht vergessen werden.

Der Fähr- und Ro-/Ro-Verkehr hat am Gesamtumschlag in Rostock einen Anteil von 56 bis 57 Prozent. Die Linien führen hauptsächlich von und nach Dänemark und Schweden. Auch im Finnland-Verkehr konnten aber Marktanteile gewonnen werden. Wenn der Ölpreis wieder steigt, bieten die kurzen Seestrecken deutliche Kostenvorteile.

Das bewog auch den finnischen Papierhersteller UPM, seit April seinen Umschlag strategisch auf Rostock zu konzentrieren, was hier weitere Hallenausbauten nötig macht. In Richtung Osten, wo es gegenwärtig keine direkten Linienverkehre von und nach Rostock gibt, wachse mit Swinemünde in unmittelbarer Nachbarschaft ein starker Konkurrent heran. Noch gebe es hier Engpässe mit der Anbindung zum Hinterland. Rostock müsse jetzt die Zeit nutzen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, betont der Hero-Geschäftsführer. So gebe es auch an den Getreideterminals noch wichtige Ausbaupotenziale. Und um Vorteile als Tiefwasserhafen wie Danzig zu erreichen, müsse der Ausbau der Hafenzufahrt kommen.

In der Kapitänsrede stellte sich den Nautikern Uwe Pahl vor, der seit 18 Jahren den Forschungseisbrecher „Polarstern“ durch das Eis der Arktis und Antarktis führt. Er gehört jetzt zu jenen, die den Bau des Nachfolgeprojekts („Polarstern II“) vorbereiten, das voraussichtlich 2020 in Dienst gehen soll. Die Baudurchführung und Bereederung erfolgt durch die hei-mische Reederei Laeisz. Uwe Pahl (66), der im Sommer 50 Jahre in der Seefahrt tätig ist, wird bis zur Indienststellung der „Polarstern II“ – so ist es geplant –seine Erfahrungen in die Konzeption für den Neubau einbringen. Gegenwärtig erfolgen mit Anfragen an Werften die Vorbereitungen für die europaweite Ausschreibung.

Zeitgleich mit der Maritimen Konferenz wurde gestern die neue Reederei-Basis in Sachen Forschungsschifffahrt in Bremen offiziell eröffnet. Vom Rostocker Firmensitz im Haus der Schifffahrt wird wiederum das gesamte operative Geschäft von Laeisz gesteuert. Von den rund 150 Landbeschäftigten haben 85 hier ihr Tätigkeitsfeld.

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