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Traditionelles Handwerk : Vom Tannenweg in die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Trompetenbauer Michael Münkwitz ist die erste Adresse für Reparaturen / Historische Instrumente des Meisters sind international gefragt

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Momentan gleicht der Weg zur Werkstatt von Michael Münkwitz einem Hindernisparcours. Der Tannenweg ist aufgerissen, Baufahrzeuge ziehen tiefe Furchen durch die Erde. Doch wer die Strecke auf sich nimmt, hat dafür gute Gründe. Michael Münkwitz ist weit und breit der einzige Metallblasinstrumentenbaumeister. Für Reparaturen und Ratschläge ist der Handwerksmeister die erste Adresse. Nicht zuletzt ist er international gefragt für die Instrumente, die er nach historischem Vorbild baut – aber diesen Kunden können die Arbeiten am Tannenweg ja egal sein. Sie fragen nicht selten vom anderen Ende der Welt an.

In der Werkstatt von Michael Münkwitz herrscht das geordnete Chaos. Von der Decke hängen Trompeten, in einer Ecke stapeln sich Tuben. Farblich changiert das Interieur zwischen goldenem Messing, dunklem Eisen und öligem Schwarz. Michael Münkwitz ist in Leipzig geboren. Sein Vater animierte ihn zum Trompetenunterricht. „Als ich dann das erste Mal in der Werkstatt eines Instrumentenbauers stand, wusste ich: Das ist mein Beruf.“ Und auch wenn sein Vater ihm in den Ohren gelegen habe, dass er mit seinen langen Haaren sicher keine Lehre zum Trompetenbauer würde machen können, blieb Münkwitz dabei, ging zum Friseur und fing bei Friedbert Syhre in Leipzig seine Ausbildung an. Unkonventionell und streng sei sein Meister gewesen, aber auch ein leidenschaftlicher Handwerker. So wie Münkwitz es heute selber ist. Wenn er von seinem Berufsstand berichtet, kommt er richtig in Fahrt. Für ihn ist es Ehrensache, ja geradezu eine Pflicht, sich bei Messen und Informationstagen rund um das Handwerk einzubringen. Münkwitz versteht sich als Botschafter seines Handwerks, aber auch seiner Region. Besonders für die Meisterausbildung wolle er trommeln. „Das ist heute ein Qualitätssiegel, das zeigt: Hier steht jemand, der sein Handwerk versteht.“

Zu Münkwitz’ Kundenkreis gehören Berufsmusiker, beispielsweise die Mitglieder der Norddeutschen Philharmonie und der Mecklenburgischen Staatskapelle, aber auch Musikschulen, Posaunenchöre und Jagdhornbläser. „Die haben hier oben eine große Tradition und viel Nachwuchs“, sagt Münkwitz. Etwa 50 Prozent seiner Arbeit machen Reparaturen aus.

Seine große Leidenschaft ist der Instrumentenbau, wie er vor 300 Jahren gepflegt wurde. „Ich nehme ein Blech, einen Hammer, Feuer und baue eine Trompete. Mich fasziniert die Tradition des Handwerks mit ihren Techniken“, so Münkwitz. Dass es viele Stunden schweißtreibender Arbeit sind, bis das Instrument schließlich fertig ist, lässt sich beim Anblick der schweren Werkzeuge erahnen. Wer es einmal ausprobieren möchte, kann bei Michael Münkwitz einen Workshop besuchen. Dann werden Natur- und Barocktrompeten gebaut. „Meine Frau sagt immer: Du bist der glücklichste Mensch der Welt. Erstens: Du hast mich. Zweitens: Du hast einen Beruf, der dir Spaß macht.“ Münkwitz muss lachen. Im Grunde habe sie aber recht. Darum denkt er auch noch nicht ans Aufhören. Nur ab und zu an die Nachfolge. „Meine Kinder haben sich für andere berufliche Wege entschieden.“ In gute Hände möchte er seinen Betrieb geben. Die richtigen hat er noch nicht gefunden.

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