Vom Maisfeld zum Stadtteil

<strong>Bei der Auswahl der historischen Bilder</strong> sind Otto (84) und Margarete Fette (74) sehr genau. Die großen Veränderungen in Lütten Klein haben sie selbst miterlebt.<foto>Nicole Pätzold</foto>
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Bei der Auswahl der historischen Bilder sind Otto (84) und Margarete Fette (74) sehr genau. Die großen Veränderungen in Lütten Klein haben sie selbst miterlebt.Nicole Pätzold

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11. Januar 2013, 06:01 Uhr

Lütten Klein | Es sei noch so viel zu organisieren, sagt Otto Fette: Korrekturen, Bildzuordnung, Feinschliff. Der 84-Jährige und seine Frau Margarete arbeiten seit mehr als zwei Jahren an dem Journal "Geschichte und Geschichten aus 50 Jahren Lütten Klein". Jetzt wird es ernst. Demnächst geht das Heft in den Probedruck. Im Sommer zum Stadtteilfest soll es erscheinen.

"Wir wussten ja gar nicht, was auf uns zukommt", sagt Margarete Fette. Eine Art Chronik über Lütten Klein, nur lebendiger gestaltet, war ihre Idee. Bei einem Frauenstammtisch fand sie erste Mitstreiterinnen. Zeitungsartikel machten weitere Menschen auf die Gruppe aufmerksam. Mittlerweile ist ein fester Kern von zehn Zeitzeugen zusammengekommen. Mindestens einmal im Monat treffen sie sich, besprechen Aufbau und Gestaltung. Alle sind Autoren, haben ihre Erinnerungen aus den Anfängen des Stadtteils 1965/66 zusammengetragen. Der Gesellschaftswissenschaftler Otto Fette hat über gelebte Solidarität geschrieben. Er war über Jahrzehnte im Ortsbeirat aktiv, kannte die Bewohner gut. Auch Bau und Verkehr, wie der Aufbau des Straßenbahnnetzes, thematisiert er.

Autoren finden Hilfe beim Computerverein

Seine Frau, die gelernte Krankenschwester ist, erklärt in einem Beitrag über das Gesundheitswesen, wie beispielsweise Praxen auch ohne Telefon funktionierten. Eine ehemalige Rathausmitarbeiterin hat statistische Grunddaten des Viertels wie Einwohnerzahlen seit 1966 aufgearbeitet. Und eine frühere Lehrerin beschäftigt sich mit Krippen, Kindergärten und Schulen. Die Fettes finden es erstaunlich, wie sich das Viertel mit den Jahrzehnten gewandelt hat. "Wenn man bedenkt: Wir sind auf einem Maisfeld entstanden." Früher habe sie dorthin Ausflüge mit dem Rad gemacht. Die Zeitzeugen wollen ihr Wissen über Lütten Klein teilen. "Wenn wir mal nicht mehr da sind, kommen vielleicht die Fragen."

Damit die 60 bis 70 Seiten lange Broschur aber auch entstehen kann, hat die Projektgruppe sich Hilfe geholt. In Jens Effenberger vom Computerförderverein haben sie einen Verbündeten gefunden. Er digitalisiert die Texte und setzt die Seiten. Mittlerweile ist die Gruppe dem Verein beigetreten. Mit den Sponsoren sind sie noch in Verhandlungen. Der Druck von 1500 Exemplaren kostet Geld, das sie aufbringen müssen. Aber die Fettes und ihre Mitstreiter sind zuversichtlich. Mit der Broschur, ihrer kleinen Erinnerungs-Chronik, erfüllen sie sich einen Traum und setzen Lütten Klein ein Denkmal.

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