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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 12:17 Uhr

Wirtschaft : Vom Lehrling zum Meister

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Minister Harry Glawe zu Besuch bei maritimen Handwerksbetrieben. Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt.

svz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Maik Hocher (46) hat den nächsten Schritt in seinem Leben gewagt. Nach 20 Jahren Berufserfahrung als Kfz-Techniker bei der Yachtservice Warnow-Werkstatt Paap und Sohn hat er sich dazu entschlossen, seinen Meister zu machen. „Drei Lehrgänge habe ich bereits hinter mir. Im Januar bin ich fertig“, sagt der Techniker. Er möchte dann die Mitverantwortung für die Betreuung der Lehrlinge des Schiffs- und Yachtservice-Unternehmens tragen.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hat sich gestern bei seiner jährlichen Meistertour im Zusammenhang mit der Kampagne „Besser ein Meister“ ein Bild davon gemacht, wie Hocher als angehender Meister seinen Alltag zwischen Job und Weiterbildung bestreitet. Glawes Tour dreht sich rund um das maritime Handwerk. Grundsätzlich halte er es für sehr wichtig, dass sich Unternehmen stetig weiterentwickeln.

Die Firma Paap und Sohn sucht dringend angehende Schiffsmechaniker. „Allerdings ist es schwer, diese Stellen zu besetzen, da wir Leute suchen, die sich auch in der Mechatronik und im Bootsbau auskennen“, sagt Werkstattleiter Detelf Grützmacher. Zu unpopulär und zu unbequem sei der Beruf für den Nachwuchs. „Unsere Mitarbeiter müssen auch bei Regen nach draußen, um Reparaturen an Schiffen vorzunehmen“, sagt er. Außerdem fehle es den meisten Lehrlingen an Motivation. Nach zwei Jahren Pause möchte das Unternehmen 2015 wieder Lehrlinge ausbilden. „Es wird nicht einfach, jemanden zu finden“, so Grützmacher. Damit sich das ändert, rät Wirtschaftsminister Glawe: „Unternehmen müssen auf Messen gehen, Praktika anbieten und Jobs attraktiver machen.“ Nur so können Schulabgänger von den Ausbildungsplätzen überzeugt werden.

Neben dem Yachtservice stattete Glawe außerdem den Firmen Mobili Art Innenausbau Brenner in Klein Schwaß, Rofia Kloska in Marienehe und der Segelwerkstatt in Warnemünde einen Besuch ab. Gerade im maritimen Handwerk zeige sich, dass Tradition und Moderne miteinander verbunden werden können, so Glawe. Ein Beispiel dafür ist die Firma Rofia Kloska. Der Handwerksbetrieb stellt vor allem Netze her. Dafür bedarf es ausgebildeter Fachkräfte. „In diesem Jahr konnten wir unsere Stelle des Netz- und Seilmachers nicht besetzen“, sagt Herman-Eric Poelman, Prokurist von Rofia Kloska. Er begründet das damit, dass der Beruf unter einem mangelnden Bekanntheitsgrad leide. Seilmacher sei ein Beruf des alten Handwerks, den kaum noch jemand kenne. „Dabei ist es ein sicherer und angenehmer Arbeitsplatz mit Perspektive“, sagt Poelman. Schließlich werden Netze in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Gerade hat Rofia Kloska den Auftrag bekommen, Helikopter-Decks an Offshore-Plattformen rundherum mit Fangnetzen auszustatten. „In Biogasanlagen werden zudem Netze zur Entschwefelung verwendet“, sagt Poelman. Und auch den Traditionssegler „Alexander von Humboldt II“ hat der Betrieb mit einer neuen Takelage versehen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es rund 21 000 Handwerksbetriebe mit 102 000 Beschäftigten. Dem Handwerk können etwa 25 Prozent des Ausbildungsmarktes zugerechnet werden. Ziel der Kampagne ist es, den Meistertitel zu etablieren, um für das Berufsbild und die Karrierechancen zu werben.

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