Wohnprojekt : Vom Ich zum Wir

Soziales Rostock: Stefanie Maack (37, l.) und Nicole Raddatz (30) planen mit ihrem Verein, ein Wohnprojekt im ehemaligen Stadtteil- und Begegnungszentrum in Toitenwinkel umzusetzen.
Soziales Rostock: Stefanie Maack (37, l.) und Nicole Raddatz (30) planen mit ihrem Verein, ein Wohnprojekt im ehemaligen Stadtteil- und Begegnungszentrum in Toitenwinkel umzusetzen.

Soziales Rostock will im ehemaligen SBZ in Toitenwinkel gemeinsam leben / Bisher sehen die Planungen der Stadt den Abriss vor

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11. November 2015, 10:00 Uhr

Optimieren, da sind sich die meisten wohl einig, lässt sich vieles im alltäglichen Leben – mehr Platz, weniger Miete, nachhaltigeres und preiswerteres Einkaufen, mehr gemeinsam statt konkurrierend. Für einige Rostocker sind Wohnprojekte ein Schlüssel dazu.

Für Stadtplanerin Nicole Raddatz können sie bedeuten, „rauszukommen aus den Gewohnheiten, einen Schritt aus dem, was einen stört, etwas Neues schaffen“. Die 30-Jährige gehört zum Verein Soziales Rostock, der im früheren Stadtteil- und Begegnungszentrum (SBZ) Toitenwinkel, Zum Lebensbaum 16, ein solches Wohnprojekt initiieren will. Die Stadt hat es bisher zum Abriss vorgesehen. Das DRK als Betreiber ist schon umgezogen – in die Olof-Palme-Straße. Bis Juni soll das auch die Kita. Andy Thom, Mitarbeiter beim für das Objekt zuständigen Eigenbetrieb für Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE), schätzt eine Komplettsanierung auf 2,5 bis 3 Millionen Euro – ein Aus für die Idee vom Wohnen und Wirtschaften im Einklang? – „Nein, wir gehen davon aus, dass es deutlich günstiger geht“, sagt Stefanie Maack (37), Kommunikationsreferentin bei einem EU-Förderprogramm in der Stadt. Die Gruppe ist seit Monaten mit dem KOE im Gespräch. 2300 Quadratmeter hat das SBZ auf drei Etagen, tragend sind nur die Außenwände, was viel Spiel- und Gestaltungsraum lässt. Eine ausgiebige Besichtigung steht Anfang Dezember auf der Plan der Gruppe. „Wir gehen davon aus, dass alles im Frühjahr sehr schnell geht. Bis dahin müssen wir ein überzeugendes Konzept vorlegen – inhaltlich und finanziell“, sagt Maack. Für einen allein wäre das eine gewaltige Aufgabe. Aber die Gruppe bereitet sich schon vor. Sie hat rund 20 Mitglieder zwischen 18 und 50 Jahren – Architekten, Naturwissenschaftler, Zimmermann, Sozialarbeiter. Mit ihren gebündelten Ressourcen kommen sie besser voran, dem Wohnprojekt näher. Bevor das umgesetzt werden kann, können sie sich eine andere Nutzungen vorstellen wie einen Laden. Angedacht ist ohnehin eine Einkaufsgemeinschaft aufzubauen, die Zugang zu günstigen Biolebensmitteln ermöglicht. Denkbar auch: Raum für Politik und Kultur. Soziales Rostock will ein Begegnungsort in Toitenwinkel sein, Nachbarn einbinden.

Aus Toitenwinkel selbst stammt auch die Idee. Ortsbeiratsmitglied Robert Dahms wollte das Haus nicht verfallen sehen, bei einer Diskussionsrunde zu SBZs kam das Thema auf den Tisch, die Gruppe nach und nach zueinander. „Wir werden Aufgaben übernehmen vom Rasenmähen bis zum Abbezahlen eines Kredits“, sagt Maack – aus dem Ich soll ein Wir, aus schwierig leichter, nachhaltiger werden. „Ein gutes Leben“ wünscht sich der Verein – für sich und das Umfeld.

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