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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. Oktober 2017 | 04:59 Uhr

Warnow-Tour : Vom Dach aufs Fahrrad gestiegen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Michael Jatzkowski hat mehr als drei Jahrzehnte als Schornsteinfeger gearbeitet – jetzt schraubt er an Drahteseln herum

von
erstellt am 26.Apr.2014 | 14:00 Uhr

Das Telefon klingelt an diesem Morgen nicht zum ersten Mal. Michael Jatzkowski wischt sich die öligen Hände ab, greift zum Hörer und sagt gut gelaunt: „Fahrrad Barten, Jatzkowski, wie kann ich Ihnen helfen?“ Nach einigen „Ahas“ und „Hmhms“ sagt er schließlich: „Ferndiagnosen sind immer schwierig, bringen Sie Ihr Rad einfach vorbei und dann schauen wir, was wir tun können.“ Er legt das Telefon zur Seite und widmet sich einem kaputten Reifen. Dabei erzählt er, dass er schon immer gern an Fahrrädern geschraubt hat. Dass er das mittlerweile hauptberuflich tut, war aber eher Zufall.

Der 54-Jährige ist gelernter Schornsteinfeger und war 32 Jahre in einem Kehrbezirk tätig. Irgendwann musste er sich allerdings umorientieren und fand einen Job, der ihm richtig Spaß macht – er ist Fahrrad-Monteur geworden. Und auch nach Feierabend geht das Basteln und Schrauben für Jatzkowski weiter.

Seine Garage sei voll mit Drahteseln und Ersatzteilen. Ein ganz besonderes Exemplar hat sogar den Weg ins Wohnzimmer gefunden – ein Viva Bellissimo. „Es ist erst das zweite neue Fahrrad, das ich besitze“, sagt Jatzkowski. Doch wenn er morgens zur Arbeit radelt, sitzt er nicht auf diesem eleganten Rad, sondern auf einer alten, rostigen Chaise, die älter ist als er selbst. „Ende der 1940er- oder Anfang der 1950er-Jahre muss das Fahrrad gebaut worden sein“, sagt Jatzkowski. Es sei vor allem pflegeleicht, mehr als ein wenig Öl braucht es nicht. Drei-Millimeter-Speichen, Stahlfelgen und Gestänge-Bremsen lassen sich eben nicht so einfach kaputt machen.

Wenn Jatzkowski morgens von der Kröpeliner-Tor-Vorstadt ins Hansaviertel an seinen Arbeitsplatz in der Kopernikusstraße radelt, fühlt er sich gut. „Fahrradfahren ist für mich eine Lebensart. Autofahrern bleibt so viel verborgen“, sagt der gelernte Schornsteinfeger. An seinem Arbeitsplatz erwartet ihn gegen 8.30 Uhr bereits der erste Kaffee, den sein Chef Georg Barten jeden Morgen frisch für seine Mitarbeiter brüht. „Ich bin hier wirklich sehr zufrieden, auch, weil ich so viel lernen kann“, so der 54-Jährige. Da mache er gern auch mal Überstunden, wenn viel zu tun ist. Im Akkord werden dann Ketten gewechselt, Schläuche ausgetauscht, Bremsen erneuert und Lichtanlagen wieder fit gemacht.

Auch bei der morgigen Warnow-Tour ist Jatzkowski mit dabei und sorgt dafür, dass die Teilnehmer verkehrssicher unterwegs sind. „Für mich ist es die allererste Warnow-Tour“, sagt Jatzkowski. Kleinere Reparaturarbeiten könne er direkt vor Ort erledigen, sei es das Nachjustieren der Bremsen, das Einstellen der Lichtanlage oder gar das Wechseln eines kaputten Fahrradschlauchs. Von 9 bis 11 Uhr ist er gemeinsam mit einem Kollegen am Startpunkt Hanse Messe mit einem mobilen Fahrrad-Service vor Ort.

Wer auf dem Weg Probleme kommt, muss notfalls in den Bus einsteigen, der alle Pechvögel einsammelt. Erst im Zoo gibt es wieder eine Fahrrad-Erste-Hilfe.

Die 9. Warnow-Tour beginnt an der Hanse Messe in Schmarl, führt durch den Warnowtunnel, durch Krummendorf und Toitenwinkel bis in die Innenstadt hin zum Rostocker Zoo. Zurück geht es durch das Hansaviertel, Reutershagen, Schutow, Marienehe und Schmarl.

 

 

 

Sonntag geht es los: Die Tour im überblick

• 9 Uhr: Große Veranstaltungseröffnung mit musikalischem Programm. Die ersten 1000 Gäste bekommen ein rotes Tour-Shirt.

• 9 bis 11 Uhr: Die Teilnehmer können ihre Fahrräder von Experten überprüfen lassen, die kleine Reparaturen vornehmen.

• 10.20 Uhr: Belehrung der Teilnehmer

• 10.40 Uhr: Einweisung in die Bereitstellungsräume an der Messehalle

• 11 Uhr: Der Startschuss für die neunte Auflage der Warnow-Tour fällt.

• 12.30 Uhr: Ankunft im Rostocker Zoo, wo ein Catering organisiert ist.

•  Bis etwa 14.30 Uhr: Buntes Programm im Zoo. Der Höhepunkt ist eine Tombola.
• Spätestens 15.15 Uhr: Abfahrt aus dem Zoo

•  16.30 Uhr: Ankunft an der Hanse Messe

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