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Rostocker bei den Paralympics in Rio : Voller Einsatz – auf und neben dem Platz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Goalball: Der Rostocker Reno Tiede ist nicht nur Nationalspieler, er prägt auch die Strukturen seiner paralympischen Sportart

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Reno Tiede steht mitten in der Future Arena in Rio. Die Ränge sind leer. Nur seine Teamkollegen der deutschen Goalball-Nationalmannschaft und einige Volunteers befinden sich in der Halle. Es ist die erste und einzige Trainingseinheit in der Arena, in der bei Olympia Deutschlands Handballer Bronze gewannen. Bei den Paralymics kämpfen hier die Goalballer ab übermorgen um Medaillen. „Das Flair, die Größe – es ist absolut beeindruckend hier. Sonst herrscht bei unseren Spielen ja eher Turnhallen-Feeling, jetzt ist es etwas ganz Besonderes. Das toppt alles. Wir hoffen auf volle Ränge“, berichtet Reno Tiede.

Einmal an den Paralympischen Spielen teilzunehmen – diesen Traum hat der sehbehinderte Athlet aus Rostock, der das Einmaleins seiner Sportart in Neukloster erlernte, bereits seit vielen Jahren. 2007 wurde Tiede U19-Weltmeister, 2008 war er bei den Spielen in Peking. Allerdings nicht als Aktiver, sondern mit dem Jugendlager. „Es war ein gigantisches Ereignis. Das wollte ich unbedingt auch als Athlet erleben“, sagt der 26-Jährige. 2012 verpasste Deutschland das Ticket zu den Spielen. Die Qualifikation für Rio war unerwartet. Lange mussten Tiede & Co. bangen, umso größer war die Freude, als feststand: Die deutschen Goalballer sind erstmals seit 2004 bei Paralympics dabei.

Jetzt schlendert Reno Tiede durch das paralympische Dorf. Saugt diese spezielle Atmosphäre auf. Und lebt gerade seinen großen Traum. Er sagt selbst über sich: „Ich bin sicher nicht der talentierteste Goalballer – dafür aber einer der ehrgeizigsten.“ Tiede bringt seine ganz eigenen Qualitäten mit ins Team ein. Er zeigt stets vollen Einsatz. Ist der Motivator. Der Motor der Mannschaft.

Tiede überzeugt aber nicht nur auf dem Spielfeld mit Engagement. Ihm liegt die gesamte Sportart am Herzen. In Kooperation mit dem FC Hansa gründete Tiede 2014 den Rostocker Goalball Club Hansa. „Wir versuchen dort, etwas aufzubauen. Rostock ist ein guter Standort“, sagt er.

Und er hat auch die nationalen Strukturen im Blick. 2012 trug er mit zur Gründung der Goalball-Bundesliga bei. Diese Nachhaltigkeit ist ihm wichtig für die Entwicklung der Sportart für Menschen mit Sehbehinderung, die bereits seit 1976 paralympisch ist. „Es ist eine intensive Sportart, in der es hin und her geht“, betont Tiede. Es stecke sehr viel dahinter, so viele verschiedene taktische Elemente.

Der nötige Einsatz, die richtige Taktik und das Detailwissen sollen auch dazu beitragen, dass Deutschlands Goalballer bei den Paralympics möglicherweise für eine Überraschung sorgen. Das Ziel ist das Viertelfinale. Mindestens.

In der Gruppenphase stehen Duelle mit Algerien, Kanada, Schweden und Gastgeber Brasilien auf dem Programm. Der Auftakt steigt am Donnerstag. Auf der Tribüne wird dann ein ganz spezieller Fanclub sitzen: 15 Kinder und vier Erzieherinnen vom Kindergarten Santa Clara aus der Favela Vidigal. Es handelt sich um ein Wiedersehen. Denn die Goalballer haben kurz nach ihrer Ankunft die Kita vor Ort besucht, für die sie seit Juni im Rahmen des Aktionsbündnisses „Rio bewegt. Uns“ Spenden sammeln. Es waren bewegende und prägende Begegnungen, aufregende Stunden voller brasilianischer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit. Doch auch ungewohnte Einblicke in ein Leben, das man sonst nur aus dem Fernseher kennt: ein Armenviertel mit heruntergekommenen, kleinen Häusern, großem Trubel und ganz einfachen Verhältnissen. Nun folgt das Wiedersehen. In der Future Arena im Olympic Parc.
 

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